Aufstieg vom Strand in der Mittagssonne. Ein schmaler, steiniger Pfad schlängelt sich auf der landeinwärts gelegenen Seite des Berges nach oben. Es beginnt eine lange, leicht ansteigende Gerade, es folgt eine Kehre und wieder eine lange Gerade zurück.
Hin und her hinauf. Der Himmel steht wie ein Block. Je am Ende der Geraden, ein kurzer, in der Hitze bald ersehnter Blick hinunter aufs kühle Blau. Es erreicht unsere Augen, um bald darauf wieder hinter unserem Rücken zu verschwinden. Weiter oben wartet die nächste Kehre mit Blick auf die andere Bucht. Gerade, Kehre, Gerade, Kehre, stupide Geometrie.
Schier endloses Hin und Her. Die Sonne steht still. Nur langsam werden die Geraden kürzer, je mehr wir an Höhe gewinnen. Unsere Sehnsucht immer schneller gestillt, je weiter wir uns von ihrem Gegenstand entfernen.
Oben auf dem Gipfel liegt unten weit das Meer.
Autor: etk
Denn der Grund seiner Welt ist überall rauh und billig.
Exil. – Hier lebe ich nun ein miniaturhaftes Leben, in das die große, anonyme Hand des Bastlers, mal hier, mal dort, ein paar frisch bemalte Figuren stellt und wieder verschwinden läßt. Und kaum hatte er am Samstag Nachmittag den Schalter seines Transformators im Hauptbahnhof von Bad A. wieder auf Null gestellt, kaum war ich angekommen in seiner liebevoll arrangierten, detailgetreuen kleinen Stadt (und wir wissen, wie geradezu detailbesessen so ein Bastler werden kann), schon war mir wieder, als spürte ich unter meinen Füßen, unter dünnem Filz oder bemaltem Pappmaché, die groben Fasern der Sperrholzplatte. Denn der Grund seiner Welt – dies wußte ich längst, trotz all seiner sorgfältigen, verschwenderischen Mühe – ist überall rauh und billig.
Lieferbar: Kleine Theorie des Literarischen Bloggens (Alban Nikolai Herbst)
Kleine Theorie des Literarischen Bloggens.
Die Dschungel. Anderswelt
Erste Lieferung
Essay / Erzählung
von Alban Nikolai Herbst

“Wie Anfang des letzten Jahrhunderts die Künste, vornehmlich Musik, dazu tendierten, ihre Entstehungsgeschichte als Teil der Komposition-selbst zu begreifen, so ist der derzeit attestierte Hang von Literatur zum Privaten dessen Weiterentwicklung. Die psychischen Bedingungen zur Entstehung eines Werkes werden zu seinem Material, einem Material. Insofern jedes Werk ohnedies Palimpsest ist, kann es nicht mehr darum gehen, die Spuren zu verkitten, also klassisch bzw. klassizistisch zu arbeiten. Zwar ist auch diese Tendenz Symptom der in sich antinomen Postmoderne. Doch führt die Öffnung der privaten Räume zu einer tieferen Fundierung von Kunst, als zugegeben sein soll. Genau hierfür steht das Literarische Weblog.” (Klappentext, Auszug)
September 2011, 132 S., 13,7 x 20,5 cm, Klebebindung
ISBN: 978-3-905846-18-8, 14 / 22 SFr
Auch die klügsten Konventionen bleiben Gemeinheiten.
Andacht im Kaffeehaus. – Vor den wunderlichen Gebärden der alten Damen in den Hinterzimmern an den Bridgetischen, vor ihrer exotischen Höflichkeit, vor ihrer atavistischen Etikette (welcher nur der Herr Franz, der Oberkellner im Frack, noch zu genügen weiß). Dieses fremde Hermetische, dieser ruhige, behäbige, museale Fluß der Gesten und Sätze wird nur für den Beobachter aus einer anderen Zeit gestört, kurz, blitzartig durchbrochen, von seltsamen senilen Tics, die zu ignorieren, ihnen aber selbst mühelos gelingt.
Auch die klügsten Konventionen bleiben Gemeinheiten.
Treue. – Das Versprechen, ihm und mir von Zeit zu Zeit ein paar Gewohnheiten zu stehlen, damit wir uns auch verkennen. Die Pflicht zum Diebstahl unter Freunden.
Gott ist eine perfide perfekte Idee der Zeit.
A und O. – Gott ist eine perfide perfekte Idee der Zeit: eine ewig erste Erkenntnisblockade.
Der Beobachter drängt immer, selbst in die Unendlichkeit gestellt, hinaus.
Wir sind die Schlüsselkinder der Träume. – “Geht!”, flüstern sie, wenn wir erwachen. “Geht, laßt uns allein! Seid artig, spielt ein wenig in Zeit und Raum, tobt, werdet müde. Wir sehn uns wieder, heute Nacht, versprochen!”
Der schreckliche, unheilbare Glaube an die eine Gesundheit.
Dem simplen Trick des Spiegels erliegen wir, der Zauber des Echos wird uns gewahr. Das Geheimnis bleibt immer die Zeit.
Realitätsprinzip und Kunstgenuß eines mir bekannten Psychiaters. – Doch am Abend, in der Oper, läßt sich der Herr Doktor von den Irren zu Tränen rührn.