Zu unserem Sammelauftrag (notula nova 51)

Und du, etk:litcards: bist ein Konzeptkunstprojekt. Verkäufe sind eigentlich gar nicht vorgesehen.

(Aus: Hartling, digitale Autor, S.297)

(Allerdings gibt es bei jenem Dauerhaftigkeit. Allerdings auch: eine strenge, maximale Verteilungsregel. Ein Entropiekonzept von Text. Kollektivierung von Unikativität. Eine gewisse Entropie des potentiell zu Sammelnden und seiner Orte. Sammlung ist auch immer eine Frage des zu definierenden Sammlungsraums.)

Das Hemd und der Hut

Die Jacke und die Hose

Gehören mir nicht

Und, das Söhnchen: will eine Siesta von 2 Kilometern machen. (Ihn förmlich beim Überdenken der Aussage beobachten. Staunen. Kindliche Raum- und Zeitkonzepte.)

Nicht aber: Die Parallelgesellschaften. Offline- und Onlineliteraturen und ihre Leser. (Kaum Überschneidungen bei den Teilnehmerkreisen der 2 Rezeptionsmärkte, so die persönliche Beobachtung. Doppelter Fetisch: man liest ein Buch ODER bspw. ein Blog, aber nicht einen Text (immer noch nicht). Die künstliche Trennung dieser Bereiche seitens Kritik und Betrieb wirft praktisch zurück in vortheoretische Zustände von Textbegrifflichkeit. Another gap to close.)

Und, zu unserer Bibliothek: bald nicht mehr Bücher verwalten, sondern nur noch Thesen, die unsere Fortexistenz sicherstellen sollen.

Oder, vielleicht einmal so:

Dranmor: Erzähler sucht Text

BC: Text sucht Erzähler

IS: Text und Erzähler suchen Autor

bismallah (ist014)

I Zit. Aus Haarmann, Geschichte der Schrift: Abb.: [Anubische] Kalligraphie in Gestalt eines Storches, [komponiert] aus den Buchstaben zur Schreibung des ersten Wortes im Koran, bismallah. Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. // Dabei gab es nie einen bedrohlichen Storch. Der Storch (dieser Storch) erinnert nur an eine Gans. Aber es gab auch eine – in diesem, göttlichen Sinne – bedrohliche Gans. Es gab eine bedrohliche Kuh in Kärnten. Als kleines Kind war ich im Urlaub über einen Zaun auf einer Weide gestiegen. Eine Kuh wollte ihr Revier verteidigen. (Gegen mich, eine ca. 4-5jährige Bedrohung). Die Eltern sassen etwas entfernt in einem Schatten, als es passierte. Mein Vater konnte die Situation noch rechtzeitig erkennen und mich nach Ablenkungsmanövern wieder über den Zaun zurückholen. Die Kuh [Seele] war schon in vollem Lauf gesenkten Kopfes. II Ich war also beinahe aufgespiesst worden. Aber nicht diese Szene, sondern die darauffolgende verbuchte [verbannte] sich in mein Misstrauen (dem animalischen, dem göttlichen). Auf dem Rückweg zum Schattenplatz der Eltern, zu einer Bank unter einem Balkon aus dunklem Holz, nach den Ermahnungen des Vaters (des Sohnes? des hl. Geistes?) vorbei an dem Gänsestall, tobt eine Gans, grundlos scheinbar. Oder: hämisch? Spöttisch? Es gibt eine Allianz der Tiere gegen den Menschen. Die Häme der Gans, also, steht mir noch vor dem Schrecken meines knappen Erloschenseins // Übertragungen: Die Kuh als Gans. Das Bild als Wort. Der Storch – sein Stellvertreter. Die Erinnerung – in [eine] Umkehr, falscher Reihenfolge – . Die Schlussfolgerungen, schliesslich, [unendliche] Verfälschung. Verführerisch. Kalligraphisch. III In Gestalt eines Hochs, Kampiert aus den Buchstaben zur Scheibe. Karim. ein go-IN den Sinn bedrohliche G-s. Salve entfernt in einen Schalk, den Zaun zwick holen zu einer Bank unter einem bellen tobt ein Gas. Die Buch als bas. Der Stare wer deiche fälsch. walli graphisch.

natura naturans

Müller: Ja. Und sie wollen europäische Kultur importieren. Und deswegen habe ich diese vielleicht böse Parabel erzählt aus Brasilien. Da gibt es im Amazonas-Urwald eine Ameisenart, die ist genetisch darauf programmiert, nur auf dem Boden zu laufen, also nur in der Waagerechten sich zu bewegen. Wenn ein Hindernis auftaucht, laufen sie drum’rum, sie können nicht steigen.

Kluge: Das ist wahr, das ist naturwissenschaftlich erwiesen. Das hat schon Alexander von Humboldt entwickelt.

Müller: Ja. Und da gibt es auf den Bäumen eine Pflanze, eine Blume, die ihre Sporen abwirft auf den Boden, und da fallen sehr viele auf Ameisen, und diese Sporen arbeiten sich durch den Chitinpanzer der Ameisen in den Körper der Ameisen bis ins Gehirn und ändern das genetische Programm so, daß die Ameisen die Bäume hochlaufen. Wenn sie ganz oben sind, und es geht nicht weiter, krallen sie sich fest, sterben, und aus dem Kopf wächst die Blume.

Ein paar Schwimmabzeichen (notula nova 50)

Danach: Vor einem Tribunal gestanden. Angeklagt, wegen vorsätzlicher Geistlosigkeit. In freudiger Erwartung des Urteils: aufgewacht. (Am Ende sind wir alle, jetzt, früher oder später: Vollwaisen. Der Mensch wird schon als künftiger Vollwaise geboren. Es gibt nichts konkret Menschlicheres als sein Vollwaisentum. Wir sprechen hier von einer Synonymie.)

Oder sommerlich, diese etwas holprige Analogie: Bloglesen, Fahrtenschwimmer. Buchlesen, Seepferdchen.

(Und du, Frau Nachbarin, und du, trockenes Geschöpf:

Armer Bambusbusch

Was wuschelt man dich so sehr

Zur Mittsommernacht

Irgendwann einmal, irgendwann wird das hier alles recycelt werden.)

Überhaupt: das konsequente Projekt nach der Ichschriftzeit. Nur noch das hier angehäufte Material zu verwenden. Mischen, samplen, extrahieren, montieren, zitieren etc. Das volle Programm. Dj my blog. (Und: Und: Und: das stetig weitere Fortschreiten und Fortschreiben; das Ineinander und Auseinander der 3 Tätigkeiten: Schreiben, Lesen und das Bearbeiten von Codes. Keiner der 3 gerecht werden. Nur noch gerecht sein und ihre Auflösung fördern. Deren Loslösung (Neubeschreibung) von dem, was einmal “texten” genannt wurde.)

Und die Präzisierung für all diejenigen, die sich ständig darauf berufen: Andere möchten lieber nicht, weil sie nicht können. Bartleby möchte lieber nicht, weil er nicht können WILL. (Heut schau ich mir die Dinge an. Heut wird gut unterschieden. Heut bin ich Graf Wetter vom Strahl).

Überhaupt: erreichbare Minimalziele definieren.

Veranstaltungshinweis: werkschau #5

freitag, 4. september 2009
präsentation der bildarbeiten
kleiner barbetrieb, ab 19h

samstag, 5. september 2009
werkschau – der berner salon
programm: ab 19h
offen: ab 18h
wo: bahnstrasse 22, 3008 bern

mit beiträgen von: bobby vacant and the weary / norient / etkbooks / rainer hoffmann / rittiner & gomez / thomas blaser / alexander egger / ursula t. rossel escalante sánchez / nina iseli / céline manz / caroline schenk / françois gribi / luc spori / lucio valdivieso ragazzone / qui sas …

mehr: http://www.werkschau.org/