Lächelnd

“Bindschädler, ich glaube, dass uns heute weniger das Gesellschaftliche zu schaffen macht als vielmehr dieses Vakuum an Spiritualität, das uns sozusagen an den Rand eines kosmischen Abgrundes saugt”, sagte Baur, lächelnd.

Meier, Gerhard, Borodino [1982], Frankfurt a.M. 2007, S. 114.

Nach Babel: Vor Babel

(B26 zu M26)

Irgendwo dazwischen war abgemacht in einer kleinen Kinobar. Soll er kein Blümchen tragen am Revers und mit sich keine Zeitung, die nur schwer erhältlich. Auch kein schwarzer Anzug sei vonnöten ihn zu unterscheiden, mit gelbem Hemd darunter und Rüschen an den Ärmeln. Er wird zu erkennen sein, einfach daran, dass er es ist. So weit, so gut, so ungefähr will ihr das genügen, denn Intuition noch immer eine Gabe, die sie eignet, nicht mehr allerdings ihr GPS, das sie – wie sie beim Verlassen der Bahn feststellen muss – auf dem Spiegeltisch in ihrer Wohnung in der anderen Stadt nach wie vor Babel zurückgelassen hat. Und mit ihm den Namen der Bar und das Kreuzchen auf der Karte irgendwo zwischen Babel und Babel, in dieser kleinen Stadt.

In der Stadt ohne Karte – und die Strassen- und Verkehrszeichen zeigen alle nach oben – bei voller Schwerkraft. Kann man lange suchen nach einer Bar ohne Namen in einer Strasse ohne Namen. Hilft das beste blind date nichts und nicht ein freies Wochenende zwischen Babel und Babel. So blind, heisst es, ist man im äussersten Sinne nur ohne einander. Dann nimmt man bestenfalls wieder die nächste Bahn zurück.

Warm up / A2S2(1)

(D13)

Akt 2, Szene 2

Licht in R1 bis R3. Sachwitz am Computer in R1. Weitere bibliothekarische Hilfskräfte in R1 und R2, die bibliothekarische Dinge verrichten. In R1 werden Holzbänke aufgebaut. Im Sitzungszimmer R3 am Tisch: Weber, Käs, Fröhlich, die Protokoll führt. Kadersitzung! Meeting!

WEBER: … um unsere Leistungen nach aussen bekannter zu machen und zu verbessern. Interne Schulungen ist nicht nur ein Zauberwort, sie verbessern zusätzlich auch die interne Kommunikation. Auch das Miteinander, wenn Sie so wollen. Sie wurden darauf vorbereitet und es soll zunächst ein kleiner Anfang sein. Was wir heute versuchen …

FRÖHLICH: Soll das auch ins Protokoll?

WEBER: Das bitte noch nicht. Äh, zumindest nicht in dieser Form. Wir sprechen später noch einmal darüber. Hm, die Zeit. Wie spät haben wirs denn jetzt?

FLUGS: Kurz vor halb elf.

WEBER: Gut, danke. Nun ja, Sie haben alles weitere im gestrigen Memo erhalten. Und es soll zunächst ein Versuch, sagen wir: ein Test sein. Frau Fröhlich, sind die Damen und Herren von Jäger & Meister schon da?

WERBETRAILER: Wenn Sie es noch nicht wissen: Wir sind Ihre Bibliothek.

FRÖHLICH: Sind sie. Sie warten.

WEBER: Dann bitte ich Sie um die Durchsage, Frau Fröhlich, wie abgemacht. Und Sie bitte ich, mir zu folgen.

Die Anwesenden bis auf Fröhlich folgen Weber langsam über R2 nach R1 und setzen sich dort nach diversem Händeschütteln und Geplauder auf die Holzbänke.

AUTOMATENSTIMME: Durchsage 1319.

FRÖHLICH: Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wir möchten Sie noch einmal daran erinnern, dass in wenigen Minuten, also um Punkt 10Uhr30, eine betriebsinterne Schulung stattfinden wird. Wir bitten Sie um zahlreiches Erscheinen.

AUTOMATENSTIMME: Ende der Durchsage. (Fröhlich geht ab nach R1).

R1 füllt sich langsam. Das Licht wird langsam abgedimmt. Im Vordergrund fährt langsam eine Leinwand herunter, die sozusagen spiegelbildlich vom Publikum eingesehen werden kann. Man sieht zunächst einen Bluescreen. Dann baut sich die Startseite einer Powerpointshow auf. Die Ecken des Raumes werden allmählich bunt ausgeleuchtet. Gespräche werden leiser, gehen in Flüstern über, Raunen, Räuspern, andächtige Stimmung entsteht, wie kurz vor einem Gottesdienst. Fröhlich geht umher und verteilt Handouts. Dann erscheinen Neumann und Maurer im Raum, platzieren sich links und rechts unter der Leinwand. Sie haben wieder dunkle Designeranzüge an, darunter allerdings nun weisse Pullover mit übergrossen Rollkrägen.

JÄGER (über Lautsprecher in R1): Liebe Anwesende. Ich freue mich von ganzem Herzen, dass Sie heute so zahlreich erschienen sind. Wie Sie vielleicht wissen, geht es bei diesem Kickoff (räuspert sich), geht es bei dieser heutigen Veranstaltung zunächst um ein erstes Zusammensein. Eine Art Einstimmung auf die Dinge, die noch folgen sollen. Wir wollen Sie darüber informieren, welchen Weg ihre, ähem diese Institution in den kommenden Wochen und Monaten, ja, vielleicht Jahren gehen wird. Viele Veränderungen wurden schon eingeleitet, erfolgreich umgesetzt, wie wir rückblickend sagen dürfen, aber viele Dinge sind noch zu tun, um dieses Haus wieder zu dem zu machen, was es einmal war, ja vielleicht zu einer Einrichtung, wie sie es noch nie gegeben hat. Wir rechnen da ganz fest mit Ihrer tatkräftigen Unterstützung und freuen uns auch in Zukunft auf eine produktive Mitarbeit Ihrerseits. Meine beiden Assistenten werden Sie nun mit weiteren Details versorgen. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und verbleibe mit freundlichen Grüssen (Lautsprecherknacken).

Dranmor, Volltexte, Bio etc. online

Da hätte ich mir denn einiges an Transkription sparen können, wäre das Angebot bei zeno.org nur einige Jahre früher erschienen. Dennoch: eine prima Seite mit Dranmorbiographie und jeder Menge Primärtext auch aus den Gesammelten Dichtungen. Und wieder Mal eine Gelegenheit auf dieses, im Moment noch in der Eisstarre befindliche Projekt hinzuweisen …