Von Tieren lernen

I. Schlechtes Beispiel

Sinnlose Nashornexistenz!
Es wird geboren, frisst, dann pennt’s,
dann frisst es, pennt und pennt und frisst,
solang bis es verstorben ist.
Was andres hat es nie geschafft.
Das Nashorn – wenig beispielhaft.

II. Geschichten aus dem Wienerwald

Das sind die wirklich kühnen Hühner,
die mutig sich auf Spieße stecken.
Und tapfer – ohne Angst und Schrecken –
sich unter Höllenhitze grillen,
um ihren Heldenmut zu stillen.
Doch nicht nur mutig, sondern dumm:
Die meisten kommen dabei um.

III. Über die Schönheit

Ist der Pfau auch noch so schön,
ist sein Outfit noch so flott,
ist er auch noch so bunt beschichtet
– auch er wird irgendwann da stehn
vor dem Schöpfer, seinem Gott,
und dann gnadenlos gerichtet!

taz > (GROa)

Du bist Dichtung (ddIII)

(zu ddI, ddII)

alles kürzen. alles umstellen. alles verwerfen. alles grosszügig streichen. auch die zwischenschritte. ein paar bilder, die unzertrennlichen, behalten. (etwas bleibt immer: ein partizip, bspw.). die reste verhökern. unmotiviert weiter: nach scharnieren suchen, am boden zwischen stumpfen splittern. in glasformen. die anderen suchen lassen. so tun, als wäre es gar nicht

dein aufschub

in kurzen hosen sitzt

in tiefer abstraktion

in langmut später

aufschub ist dein name nicht

lässt dich nicht fahren in

geschlossnen räumen und nicht

im ichverbot vielleicht

einmal in einem lift

mit dir allein

freut sich dagegen an der

feuchten haut sehr kleinen seins

in grossen gruppen

trinkend – literweise buch und

beispielsweise bühnenwörter

saufend fressen

dick ist der der dick sich denkt

verkündend grappa schlürfend oder

schmeiss die alte katze raus

die hat hier keinen platz

im chor

am lederjackenabend im

programmkino den kinoschirm

sich fest ans bein gedrückt

wenns regnet

bleibt doch alles trocken und

das ewige hingegen

deiner wörter stumm

bleibt deine sprachbox sauber

verkrusten tage

rasten an der oberfläche

bleibt wenig übrig nach

der reinigung des teppichs deiner

schaufabrik von wunden sätzen hinten

zwischen faulem zahn und mund

und später stund

Hybride Stoffe.

Erst im Gespräch mit meinem potentiellen Verleger (dazu vielleicht bald mehr) der „Träume meiner Frau“ kam ich auf den Begriff der Hybridität, was die Textsorte der Reihe en grosumfasst. Es sind hybride Stoffe, formal und inhaltlich (wie auch schon in vorangegangenen Einträgen angedeutet), und natürlich: was die Subjektposition der Texte, nein, des Konvoluts als Ganzes angeht. Seitdem mag ich den Untertitel nicht mehr, den ich einmal 100 Stoffe getauft hatte. Hybride Stoffe dagegen, scheint mir nun sinnvoller. Er weist den Titel wieder in eine Richtung, sodass er nicht mehr allzu missverstanden werden könnte, obwohl natürlich auch ein bisschen mit diesem Missverständnis kokettiert wird. Hoffe, der Vorschlag, den ich nächstens anbringen werde, kommt an …

Werkschau 03 – Der Berner Salon

(aus einem Newsletter)

Einladung & Aufruf

Liebe Freundinnen, Freunde, Bekannte und Interessierte,

es ist wieder soweit: Wir laden Euch ein zur dritten Werkschau am

Samstag, 1. September 2007

im Westrich, Bahnstr. 22, 3008 Bern

s.a.: http://www.werkschau.org

Für potentielle BesucherInnen:

Bitte merkt Euch diesen Termin vor.

Für potentielle Beteiligte („call for projects“):

Bitte sendet Eure Vorschläge und Links musikalischer, literarischer, bildender bzw. anderer künstlerischer Ausdrucksformen an (s. homepage) bzw. die unten angegebenen E-Mail-Adressen. An diese Adressen können auch Rückfragen gestellt werden.

Herzliche Grüsse

Die VeranstalterIn

Thomas Blaser, (…)

Brigitte Meier, (…)

Hartmut Abendschein, (…)

P.S.: Bilder, Informationen etc. der letztjährigen Veranstaltung findet Ihr hier:

http://www.werkschau.org/2.html

P.P.S.: Für Textbeitragende – Beachtet bitte auch die Publikationsmöglichkeit bei „spatien – zeitschrift für literatur” ( http://www.spatien.net/). Heft 4 wird wahrscheinlich an dieser Werkschau vorgestellt. Desweiteren ist ein Büchertisch geplant …

Das Dichte (ddII)

Streichen, Rhythmisieren, Dynamisieren; vgl. ddI

Zieltitel (immer noch, verhandelbar) / Atmosphäre; (Lesarten: Verlust der Sinnlichkeit, Altersdemenz, Negation der Biographie etc.)

weniger. langsamer.

schöner. besser.

II. Material entschlackt, Bilder verflüssigt & dynamisiert, Übergänge & Zäsuren eingeleitet, Bilder verworfen (wie versprochen, gehen diese an dirk schröder …)

stehts da in offnen hosen

in schlanken lettern

in einer carte de cuisine

fällt da in tiefe abstraktion

in langmut

später mehr denn

aufschub ist dein name

parkt kurz im ichverbot

lässt einen fahren

in geschlossnen räumen

gerne auch in einem lift

mit dir allein

isst gerne

wenig langsam

schöner besser

und freut sich an der feuchtigkeit

der haut des eigenen seins

in grossen gruppen

dort trinken

dort literweise buch

und bühnenwörter saufen

dort hoch die tassen

hoch kultur so

hoch wies einem selbst mit hut

dort saufen fressen

dick ist der der dick sich denkt

dort grappa schlürfen

nur vom feinsten schmeiss

die alte katze raus die

hat hier keinen platz

die spitzen stiefel

nicht von c und a und

dieses wissen

das andere wissen

das eigene wissen weg

den hintergrund versoffen

die katze auch

das geld geht ganz weit weg reicht

für nen daumen nach berlin und

noch ein schlückchen ingwertee

auf der a10

wildlederjackenabend

im programmkino ist

motto zugleich requisit

ist kinolächeln

regnets

mit dem kinoschirm

am bein

ein fremder kinofussel

bleibt alles trocken

bleibt auch noch

das hingegen dieser

wörter sätze stumm

hält deine sprachbox sauber

sind kinoschirme

vollgefressen und feigen doch wie

siebzehn jahre lagerhaft

verkrusten tage

verbleiben an der oberfläche

kein volumen

kein missfallen dessen

das nicht interessiert

bleibt wenig übrig nach

der reinigung des teppichs

deiner schaufabrik

von wörtern

die zur späten stund