
Verzins dein Bildvermögen
Im
Lavendel Quendel Thymian
ein Hautatlas
Im grossen Grapparat
Nicht eine Literatur des Suchens
eine des Findens
(sagt sie launisch)
Oh Gott – ein Leser
Hier fühl dich
eingeklemmt genug
an der Hand zu führen
ad absurdum
Und beginne
Worträtsel unterscheiden
– Klassifiziere!
Beginne
die Hand zu vertonen
im verwundeten Ohr
Gerate
in eine Blutgruppe junger
Menschen
Fürchte dich nicht
Speise mit Ihnen
a Wurstl mit Saft
und a Bucklige
Predige
Selig sind die Selbstgerechten
denn sie bedürfen Gottes Gnade nicht
Lausche
Dem Museumswärter mit Tourette:
Sagte er
Geh scheissn, du Oarsch?
Gib
Den Namen deiner Exfreundin in eine Suchmaschine ein
Verknüpfe diesen
zum String mit allerlei Adjektion
Handelt es
sich um einen Allerweltsnamen
kurz vor der Bestätigung mit Enter
Versage
Kehre
zurück zur Bedeutung der Wörter
über ihr Gegenteil
Erfinde
Verben in mehreren Farben
To off a cat
übersetze mit
Eine Katze exen
Und wirst du gefragt
Was meinst du damit, er rede etwas verschwurbelt
Sage
Ich meine, er bindet aus jedem Satz ein Röschen
Und bedaure
Deine Frau, die es hasst
wenn du natürlich sagst
Frage sie
Wie kann man nur die Sonne mögen?
Erläutere
Aus der Ferne betrachtet, mag sie ja noch ganz angenehm wirken
Unter die Lupe genommen, verbrennt man sich aber nur die Finger
Und verlange
Zinsen auf dein Bildvermögen
Schreie
Halts Maul und hör mir endlich zu
Auf Sils
(Eine Artikelanbahnung, vielleicht)
Ein Ich in Gerhard Meiers* Ob die Granatbäume blühen kann sich dem Auratischen des Nietzsche-Hauses in Sils-Maria nicht enziehen. Der Geist des großen Wanderers scheint noch in den Räumen vorhanden zu sein, so daß dieser auch durch die Fahnen geweht haben muß, nachts vor allem, denn tagsüber führten wir diese mit, bis ins Bergell zum Beispiel, nach Soglio (…). Ich bin ein gutmütiger Leser. Ich kann über viele Dinge wohlwollend und zügig hinweglesen, solange ich dabei noch um mich selbst kreisen kann. Einige Dinge machen mich allerdings misstrauisch. Ich hake in harmlos scheinende Wendungen ein und klammere mich urplötzlich an die Aussenwelt. An Kirschbäume. An Schnitzereien. Auch an Handkesche Sätze. Überhaupt: An Handkefahnen. Macht der Wörter? Nicht nur das. Ich bin manchmal zwanghaft. Ich begehre dann einen stattlichen Abgleich der Bilder. Ich begehre die Urspur. Ich mache ernst. Ich reise zu solchen Schauplätzen und plane ihre Inaugenscheinnahme. Ich löse kein Rückfahrtticket. Ich nehme nichts mit, ausser einem kleinen Koffer mit Waschzeug und etwas Wechselwäsche. Die entrissene Seite mit dem Zitat natürlich, ein paar leeren Zetteln, ein paar Stiften und vielleicht, wenn da noch etwas Platz ist in dem kleinen Knechtenkoffer: eine Kamera. Möglich, schiesst sie mir ein Erinnerungsphoto.
Ich erhoffe mir da nicht viel. Sehr wahrscheinlich, dass ich nur mit ein paar Schnurrbarthaaren zurückkehre, das wäre ein grosser Erfolg. Oder einem Prospekt des dort ansässigen Kunstvereins. Vielleicht auch mit einem missratenen Gedicht oder trunkenen Lied. Erwarten Sie sich nicht zuviel. Bis nächste Woche. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht, und ich kaufe mir dort eine Insel und verbleibe für immer. Ihre taberna kritika.
* G.M.: von so einem Ernst durchdrungen und dabei ohne Möglichkeit des Spiels. Schade.
O Mensch! Oh Welt!
FARBTUPFER AM FRÜHLINGSHIMMEL
Im waadtländischen Château-dOex ist am Samstag das 29. internationale Heissluftballonfestival eröffnet worden. In diesem Jahr sind 95 Ballone am Start. Wegen Schneemangels haben die Organisatoren 600 Kubikmeter Schnee vom nahe gelegenen Flugplatz Saanen im Berner Oberland ins Startgelände gekarrt, um eine winterliche Atmosphäre zu schaffen. Das Festival dauert bis am Sonntag 28. Januar. (quelle)
etwas offtopic, ja, aber erstklassiges material …
noch etwas anderes: o welt vs. oh welt. ich weiss, es gibt da eine regel, die ich aber auf die schnelle nicht herleiten kann. ich nehme da den 50:50-joker. ich bin da ganz zocker. das heisst: nein. bei “o du fröhliche” ist es ein staunendes, ein glückseliges “o”. “oh” dagegen, so traurig aspiriert: das ist doch ein seufzen. so etwa ists gemeint.
Kleine Zettelkunde IV (EuD)
dann, vielleicht an der stelle eines vorworts
Gestalt und Genese
Die hier als Nachschlagewerk präsentierte Enzyklopädie der ungeraden Dinge (EuD) war zunächst ein kleines Weblog mit Fundstücken und eigenen Texten, die sich grob und bisweilen auch sehr assoziativ einer vorgegebenen, wenn auch unpräzisen Definition ergaben.
Wahrheit und Schärfe waren hierbei kein Sammelkriterium, eher ging es vielleicht um eine noch zu formulierende Poetik des Herausgebers und Autors, ganz sicher aber um eine Poetik des Findens, Sammelns, Aufbereitens und Nachschlagens.
Die im Weblog vorhandenen Möglichkeiten der Generierung von Links, Verweisen und Zusammenhängen sind natürlich in dieser analogen Umgebung so nicht gegeben. Das Konvolut der Einträge, der oft auch ins Leere schiessenden Verweise und Quellen bemüht sich aber dennoch um eine eigene Qualität.