12. Schachtel (Hide & seek)

Die Schachtel von der man sprach, ist eigentlich auch als Etui zu bezeichnen und hat an der Oberseite ein kleines Fenster. Schon deswegen möchte man sie nicht Monade nennen. Die zuoberst liegende Karte ist gut lesbar. Wir sprechen von einer nicht durchsichtigen, aber doch teilweise einsehbaren Schachtel. Das nur als Ergänzung.

sie zeigt die oberfläche der vorderseite des zuoberst liegenden. sage einer, was in einer schachtel liege, wolle sich ausdrücklich verbergen. man muss da einiges revidieren.

9.3

in einer zelle // im milchglaslicht eines geschlossenen / raums einer wache ein wachen seit / tagen ein fragen ermittelnder menschen / und ränge vermittelnder gegeninstanzen zum fall wie / sie sagen zum fall einer / frau ohne zutun wie man / wie sie sagen behaupte zum sturz zum / gestossensein wie sie vermuten nur lesenden sich / selbst aufopfernden eines / von mir so gewordenen opfers zu / klären den ablauf zu rekonstruieren die / tat wie sie sagen den hergang der / dinge die fragen der schuld doch / man müsse ich müsse dazu auch / die andere seite befragen man / hoffe auf einen verwertbaren satz eine / aussage die ich zu geben verweigere etwas / das nicht mit dem von mir geschriebenen etwas / das über das etwas da war in dem zimmer / in diesem hotel vor besagtem erfinden der / szene des findens von ihr auf den / kacheln des bodens des bads und / mich schweigend vor einem satz blätter sie / schweigend für immer ich / schweigend ich immer noch schweigend / ich schweige und schweige //

11. Schachtel (Identitäten)

Die kleine, durchsichtige Plastikschachtel mit dem Visitenkartenmustern ist angekommen. Einhundert Mal ein weisses Kärtchen mit ein paar Informationen zu einem Projekt, darüber Name, Telefonnummer und weitere Hinweise zu meiner Person. So dünn kann man sein, so wenig braucht es, um mit mir in Kontakt zu treten.

ich habe mir überlegt, diese karten zu nummerieren und zu zeichnen. sie also als limitierte edition herauszugeben, ohne dass die empfänger davon wüssten. ein hundertfaches gedicht, wird man vielleicht einmal sagen. etwas sehr konkretes und darum völlig frei von bedeutung. dann müsste ich mich aber von ihm trennen, einhundert mal, und sein behältnis, der einband eines buches mit dem immerselben loseblatt, oder – wenn man will – einer sammlung von kurzgeschichten, einer sammlung der immergleichen kurzgeschichte aus namen und kontaktdaten – er stünde leer, das vielleicht einzige, was hier etwas bedeutete. ich werde sie gar nicht erst öffnen.

9.2

im bad nebenan // im geraume der zeit im gestör der / geräusche des wassers und klapperns / gezerre an taschen metallisches reiben / emaille und erregtes getue dem plätschern der / spülung nicht klarem geschnaubes betrete / ich leise betreten das / bad sie mit rotem gesicht schon im / aufbruch begriffen stösst mir / vor die brust niemals nie werde / ich nur den leisesten zug meines / namens auf teile des textes von / ihr so verbreiten und niemals nicht auch / nur den teil eines abtritts der / rechte von ihr über das was / von mir unter uns in der form / dieses textes geschehen erreichen stösst / sie mit ins blaue geröteten lippen mir / noch einmal wütend entgegen ich / schütze in abwehr noch weiterer wort / offensiven den körper mit worten und / händen die ihren rotierenden leib in / spontanem impuls von mir weisen und / schleudern ihn stürzen ihn in eine / schräglage bringen mit / krachendem schädel schlägt sie auf die / kante der wanne und bleibt / reglos liegen //