Dranmor Korrespondenz 6

aus einer Email von R.R., auch betreffend diesen Beitrag.

Lieber Herr Abendschein,

jedesmal, wenn Sie von Ihren Arbeiten an Dranmor schreiben, wird ein eigenartig intensiver Gedankengang in mir hervorgerufen. Es ist wahrscheinlich so eine Art Vorfreude auf Ihr Buch und Neugierde natürlich auch.

Da gibt es aber andererseits ein Überlegung, die mich nicht loslassen möchte und deshalb denke ich, ich teile Ihnen diese einfach mit: Ich frage mich, wie andere Menschen auf Ihren Roman, so wie er hier vorliegt, reagieren werden.  Diejenigen, die Ihr Weblog kennen, haben eine Ahnung von dem, was Dranmor inhaltlich bedeutet und aussagt.

Aber ich muss gestehen, dass meine erste Begegnung mit Dranmor sehr befremdend war. Ich dachte an sehr komplizierte Aussagen, die ich nie verstehen würde. Ich denke, dass man, wenn man so dem Buch begegnet (ohne je etwas davon gehört zu haben) eher an etwas Technisches oder Historisches denken wird, aber eigentlich nicht an eine literarische Schrift.

Ist es nicht so, dass äusserlich ein Buch zuerst anziehen muss, so dass man darauf aufmerksam wird?

Ich denke, eine zweite Über-, Unterschrift, die den tatsächlichen Inhalt beschreibt, sei sehr wichtig…!

Aber wie bereits erwähnt, es ist eben nur ein intensiver Gedanke. Auf keinen Fall würde ich mich in Ihre Arbeit einmischen wollen – dafür schätze ich sie viel zu hoch!

Liebe Frau R.

Sie sprechen da ein paar wichtige Punkte an und ich bin da ganz ihrer Meinung. Als ich das Bändchen das erste Mal in Händen hielt ist mir eine frappierende Ähnlichkeit bspw. mit Dissertationen aus dem Fink-Verlag aufgefallen. Obwohl vorne explizit “Roman” steht, hat die jetzige Gestaltung, optisch wie auch den Titel betreffend, wie Sie sagen etwas Technisches/ Wissenschaftlich- Historisches und könnte abschrecken, obwohl die Montage (das Konterfei Dranmors wird von einer Schreibmaschine aufgesogen bzw. überschrieben) vielleicht auf den Weg schickt, dass es hier eben um Fiktion geht, um metafiction, wenn man so will. Aber man muss das vielleicht noch mehr kennzeichnen.

Hier habe ich mir schon einmal Gedanken gemacht, das aber nicht weiter verfolgt. Es ist ja noch ein bisschen Zeit. Aber sicher ist, das muss auch noch diskutiert werden … Herzliche Grüsse, H.A.

Dranmor, MV3, als Band vorgestellt

So also könnte ein Bändchen aussehen, vor mir der unlektorierte, unkorrigierte, aber zur Befeuerung der Phantasie schon einmal in Form gestellte Dranmortext – die weiter zu bearbeitende Manuskriptversion 3.

Aber das Anfassen, Blättern, Gleiten; das Prüfen, ob die Struktur hält – gelingt vielleicht nur und auch oder ergänzend: haptisch.

9.1

in einem hotel // wir beschweigen das zimmer das / selbe vormaliger treffen lektüren / liest sie überraschend ein / weiteres mal aus dem text liest / nach kurzer besprechung sie wiederum / mich meinen körper partien passagen / der offenen und auch geschlossenen / häute nimmt sie in die hand wie / papier meine schultern gesicht und die tieferen / stellen und zeilen mit allem was lese / organ bis wir beide ans ende gekommen geschlossen / als bücher auf tischen ganz neben / einander warum frage ich und noch / mehrmals warum sie das tue nach allem was / war es bedeute für sie sagt sie / endlich ein existentielles versichern sie / könne nur eines das lesen der dienst / früh am morgen ich müsse verstehen der preis / ihres daseins man komme nun / endlich zur sache wo sei / der nun noch mal verdoppelte lohn ich / erschrecke nichts gar nichts sei / von mir bezahlbar drei münzen sei / alles was ich noch besässe erregt muss / ich zudem gestehen der ihrige / text sei genommen nicht meiner ich warte man / warte auf antwort erst dann sei / ein ausgleich mir möglich vielleicht / sage ich sie verschwindet sehr / wütend ins bad //