9. Schachtel (§2, KdU)

In einem Trödelladen habe ich mir einen Koffer für zehn Franken gekauft. Äusserlich sieht er aus wie ein Werkzeugkoffer. Im Innern, wie man erst nach dem Aufklappen feststellt, befindet sich eine Registratur mit fünfundzwanzig Mappen und ebenso vielen Reitern. Ich will sie schon lange befüllen, doch es geht nicht. Die Ordnung, die Zahl der Möglichkeiten der Ordnung ist mir zu gross oder zu klein. Ich schliesse den Koffer wieder und werde ihn auch weiter geschlossen halten. Der Werkzeugkoffer ohne Funktion hat eine Funktion. Er ist einfach nur schön. Und: die leeren, unverwalteten Mappen sind darin bestens aufgehoben.

[anschluss an 8. schachtel“> … wenn ich merke, nein, das kontingente, dann schreibe ich: oder. oder beides. und: auch. auch das. damit, denke ich, schliesst sich die haut wieder, oder der kreis, will man sprichwörtlich bleiben oder achteckig, und ob es unterscheidbar ist, oder irgendetwas anderem sehr ähnlich, und aufs geradewohl ist noch ein name zu erteilen. oder einige buchstaben.

links > opml

ich hatte einmal eine linkliste. irgendwann ist mir die pflege zu aufwendig geworden. was macht man da? nun, wenn es sie interessiert, welche weblogs ich beobachte, erlaube ich ihnen einen diskreten blick in das opml-file meines newsreaders. dieses wird von zeit zu zeit aktualisiert … sollte ihnen das zu umständlich erscheinen, dürfen sie sich aber auch gerne auf die auswahl von markus hediger verlassen. eine umfangreiche liste finden sie übrigens auch bei dirk schröder.

(edit: 13.7.07)

8.2

im wohnzimmer // standort der apparatur des archivs konservierter / vertröstung und stimmen die / nicht zu erreichen vermochten beantworter / weniger anrufe heute elektrische stimme mit / vorschlag des kaufs eines autos auf / raten danach ein signal und die meldung / der uhrzeit der leeren besprechung kurz / vor dem erreichen des endes des / bands eine nachricht von ihr wann / man denke die rechnung zu / zahlen es eile es eile sie / bräuchte das geld besser gestern als / heute sie warte sie warte nur / noch ein paar tage bis / rechtliche schritte erwogen was / tun denke ich also bleibt nur / zu hoffen nein man muss den / lauf der erwarteten zahlung des / textes den ich als den meinen von / ihr an die zeitschrift verkauften zu mahnen so / schnell wie nur möglich noch heute zu / fordern zum hörer zu greifen zu / fragen wann man denn wenn / möglich schon morgen die arbeit mir / gleich honoriere man sagt mir man sehe was / man machen könne //

DIALOG

– Gut schaust Du aus!

– Danke! Werds meinem

  Krebs weitersagen.

  Wird ihn ärgern.

(Robert Gernhardt, Später Spagat, S.21, 2006)

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Ein Zitat

Nachdem gestern die 3. Manuskriptversion fertiggestellt wurde und das Projekt nun sozusagen ein erstes Lektorat sucht, lege ich den doch recht umfangreichen (350 Seiten) Ausdruck beiseite, um erst einmal wieder an anderen Baustellen weiterzuarbeiten. Kein anständiger Roman aber – und schon gar nicht Dranmor – beginnt ohne anständiges Anfangszitat, um die geneigten Lesenden schon in die rechte Richtung der Bühne zu schicken, auf der das Heu liegt. Also ist hier meine erste Auswahl, in einer Übersetzung aus der wieder erinnerten Mad Tea Party:

Alice kam die Erleuchtung. „Sind vielleicht deswegen so viele Teesachen gedeckt?“, fragte sie.

„Allerdings“, seufzte der Hutmacher; „es ist ständig Zeit zum Fünf-Uhr-Tee, und zum Abspülen kommen wir nie.“

„Dann macht ihr also langsam die Runde um den Tisch, oder?“ erkundigte sich Alice.

„Genau, sagte der Hutmacher“; „sobald ein Gedeck benutzt ist, rücken wir eins weiter.“

„Aber was passiert dann, wenn ihr wieder zum Anfang zurückkommt?“, fragte Alice beherzt weiter.

„Wie wärs denn, wenn wir von etwas anderem sprächen“, fiel der Schnapphase ein und gähnte.

aus: Lewis Carroll, Alice im Wunderland – zit. nach der Übersetzung von Christian Enzensberger in der Insel-Ausgabe von 1963