
6.1
am postschalter // ist es ein helles erwarten den blick / stur auf anzeigentafeln geheftet die / nummer nimmt zu und der abstand zur eigenen ab nur / noch fünf vier drei zwei / kunden vor mir mit denselben / winkeln am hals und sehr eifrigen / augen solls schnell oder langsam / gehn fragt man mich und ob / ich auch noch adressen auf diese / zwei umschläge schreibe man / wüsste doch gerne wohin / jetzt erst merke ich / dieses versehen beschrifte den einen / an sie und den anderen der ihm sehr ähnlich / ist mit der adresse der zeitschrift darin / eine kostprobe dessen was übrig / blieb von unsrer arbeit ich / hoffe doch diese befindet sich darin / im anderen jenes was an sie zurück / gehen soll was / an rotem sich niederschlug ist / auch in jener verpackung die / schlange im rücken rumort und / ich eile ja setze noch name und absender an / ihre ränder bezahle und wünsche noch / einen recht freundlichen tag //
neue site: werkschau.org
nachdem die vergangenen veranstaltungen von werkschau – der berner salon sich stetig weiter entwickelten, um nicht zu sagen, etwas professionalisierten, haben wir auch die homepage etwas umgestaltet.
neu findet man die site unter dieser adresse:
fragen, anregungen oder korrekturvorschläge nehme ich auch gerne hier entgegen …
à propos kleine prosa
vielleicht ist die kleine form doch nicht so ausgestorben oder zumindest wenig wahrgenommen, wie ich annahm. habe ich hier noch laut nachgedacht über eine mögliche labelung der Träume meiner Frau, bzw. hier hingewiesen auf ein ähnlich gelagertes projekt, landet mir heute ein bändchen auf dem schreibtisch, das ich zumindest lobend erwähnen muss. Die Truhenorgel versammelt in dieser disziplin kleine skurrile perlen, selbst- und sprachreferentielle miniaturen oder auch nur flüchtig niedergeschriebenes und lotet die ganze welt der 400 zeichen aus. jeder kleine text daraus könnte hier eigentlich zitiert werden, scheinen doch alle irgendwie stellvertretend für das buch. warum ich mich bei folgendem besonders angesprochen gefühlt habe?
Moskito
oder
Wie ein Text entstehtDu spürst ihn schwirren. Du spürst es im Schlaf. Du hörst ihn heran. Mit den Zähnen. Jagen kannst du ihn nicht. Er ist unsichtbar. Du mußt warten. Bis er voll ist. Dann hockt er über dem Kopfende. In Reichweite. Vollkommen breit. Du nimmst ein Heft und schlägst zu. Am Morgen entdeckst du einen Daumenabdruck Blut. Auf dem Papier. An der Wand.
vielleicht auch, weil mir hier die mechanismen des geworfenseins wieder aufleuchteten. nicht ganz klar war mir die einteilung der textchen in sieben kapitel, deren titel allerdings so für sich selbst sprechen, dass um der titel willen irgendeine form der ordnung gerne angenommen wird. (bspw. Unsichtbar in den Kirschblüten saß kein Fink oder Die besten Fahrräder gibt es in Singapur oder Solange der Flügel passt weg von der Stange)
ein empfehlenswertes bändchen, durch das man sich leider schon in einer stunde gewühlt hat.
Hans Peter Hoffmann: Die Truhenorgel. Gesänge, Capriccios, Kapriolen. Tübingen, Klöpfer & Meyer. 2006
pelele pelele
diesen text finden sie in kürze in überarbeiteter form hier.