STAFFELEI AUS BUCHSTABEN

im Gehen, im Wahrnehmen

der Fliegen auf den Schnauzen

der Jungstiere, im Glockenläuten,

im Da-bin-Ich der Kinderschuhsohlen,

die vornewegleuchten.

(Hans Eichhorn, Unterwegs zu glücklichen Schweinen, S.10, 2006)

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luftbibliothek

erst jetzt stosse ich auf diese anmerkung mit einem zitat von charles babbage in franz dodels weblog, das zunächst verwirrte, dann aber klarer und verständlicher wurde und bald eigene vermutungen (lange gehegte, vage vorgestellte, nie formulierte modelle) bestätigt. und noch weitergehend: die frage worüber oder warum schreiben* ein für alle mal beantwortete. denn es geht sehr wohl um eine sehr sehr kleine aber ganz konkrete form der einflussnahme.

10374-10378: Vgl.: Charles Babbage, The Ninth Bridgewater Treatise. A Fragment. First publishes 1837; 2nd ed. London 1838; Chapte IX., On the Permanent Impression of our Words and Actions on the Globe we inhabit: “The pulsations of the air, once set in motion by the human voice, cease not to exist with the sounds to which they gave rise. […“> The waves of air thus raised, perambulate the earth and ocean’s surface, and in less than twenty hours every atom of its atmosphere takes up the altered movement due to that infinitesimal portion of the primitive motion which has been conveyed to it through countless channels, and which must continue to influence its path throughout its future existence. […“> Thus considered, what a strange chaos is this wide atmosphere we breathe! Every atom, impressed with good and with ill, retains at once the motions which philosophers and sages have imparted to it, mixed and combined in ten thousand ways with all that is worthless and base. The air itself is one vast library, on whose pages are for ever written all that man has ever said or woman whispered. […“>“

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* wenn wir das schreiben nicht nur als grundlage und vorstufe des gesprochenen wortes (voice), sondern analog, die bewegungen des schreibens und die dadurch verursachten druckwellen als akkumulierbar, speicherbar oder sonstwie (atmosphärisch) repräsentierbar vorstellen. weitere stichworte: schallarchive, lichtbildarchive, druckwellenarchive, luftliteratur

kw 32/06 (hand aufs herz / wir sind tot)

immer wieder ging ich die vergangenen tage des nun vollen notizbuches durch und fand darin dinge – reste, anfänge, verlorene fäden -, die noch nicht gestrichen, d.h. verarbeitet wurden. (will heissen: die noch nicht abgehakt wurden. paradoxerweise: sätze, zeichen und ziffern, die noch frei stehen, und eigentlich zu vergessen und verwerfen). zu löschendes, denn solche stellen quälen. und sei es nur, indem man sie überträgt, überführt und das buch damit entlädt, entlässt oder befreit. um es endlich ablegen zu können. (zu verbuchen; ich pflege auch hier eine art doppelte buchführung). ich fasse sie zusammen und bin dann doch etwas erstaunt: so versammelt, ergibt sich – diese miteinander verschnürt – doch ein recht kompakter text. (zu meiner entlastung lagere ich hier* (der formatierungen wegen als pdf) die (ursprünglich als nicht verwendbar (eben nicht) gekennzeichneten) stellen der kalenderwoche 32 aus: kw 32/06, darin enthalten: “belauschte jugend”, “und: dann: wieder: dieses: und:”.)

* edit, strike, 22.08.06: dieser text befindet sich nun bei den readern

Dranmor Korrespondenz 3

aus einer Email von R.R., auch betreffend diesen Beitrag (und Kommentare).

Lieber Herr Abendschein,

Ihre Idee mit den kleinen Phrasen als Ueberschreibung zu Dranmor-Texten finde ich hervorragend.

Ich muss Ihnen gestehen, dass ich Ihren Roman noch nicht gelesen habe und zwar nur deshalb, weil man sich so schwer in einem blog zurechtfindet.

Da ich so spät erst “hinzugekommen” bin, sitze ich vor einer grossen Menge Texte, die ich bisher (!) nicht geordnet habe, weil ich das Akten-Ordnen, ehrlich gesagt, sehr verabscheue…

Ich würde mich daher sehr freuen, wenn zu den Ueberschreibungen ein “link” zu den jeweiligen Dranmor-Passagen möglich sei! So könnte sich jeder auf eine bequeme und interessante Weise in Ihren Roman einarbeiten (ob wohl nur ich dieses Problem habe?!).

Ich wünsche Ihnen alles Gute (also keine Hindernisse!) und denken Sie doch manchmal daran, dass Sie ganz sicher einigen Menschen viel Freude mit Ihrem Schreiben bereiten! R.R.

Liebe Frau R.

“Ich würde mich daher sehr freuen, wenn zu den Ueberschreibungen ein“link“ zu den jeweiligen Dranmor-Passagen möglich sei! “.

Das ist leider in dieser Form (im Weblog) nicht (mehr) möglich, da viele Texte von Dranmor offline gestellt wurden. Sie wurden offline gestellt, weil sie teilweise veröffentlicht wurden (In Zeitschriften u.a.) und teilweise, weil sie in dieser Stufe schlecht waren, oder nur Materialhaufen. Es gibt auch noch ein paar andere Gründe. Warum dennoch (ca. 10-15%) des “Roman“textes noch online ist: um eine gewisse Ahnung zu liefern, worum es da ungefähr geht. Um die Sprache(n) des Textes zu illustrieren.

Wenn ich einmal mit der zweiten Manuskriptversion fertig bin, werde ich bestimmt Teile des Textes in den Readerbereich stellen. (Nicht ins Weblog – ich möchte ja interessierte Verlage nicht vergraulen.) Aber – sie haben recht – vielleicht werde ich zu einem späteren Zeitpunkt so eine Art Konkordanz herstellen zwischen überschreibungen-Text und Haupttext (der ja nun auch neu nummeriert und etwas anders geordnet wurde). Vielleicht also auch im Readerbereich: neben dem Haupttext unabhängig davon (als eigene Datei, sozusagen) den überschreibungentext mit einem Konkordanzsystem in Fussnoten …

Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen, wenn ich Ihre Anfrage/ meine Antwort morgen ins Weblog stelle. (Sie gehört ja auch theoretisch zu dem ganzen Apparat der Überlegungen zu diesem Thema). (In diesem Sinne spiegelt das, was gerade passiert auch die Stossrichtung des Romanes: nämlich die Frage zu stellen, wie ein Roman geschrieben wird, viele Überlegungen dazu anzustellen und die meisten wieder davon zu verwerfen. Vielleicht handelt es sich hier auch um so etwas wie eine Poetik der Verwerfung). (…) Haben Sie herzlichen Dank für Ihr Interesse … Ihr h.a.