überschreibungen 14

(cut-up. exzerpte. fussnoten.)

auch: eine etwas unübliche (oder: unredliche?) methode der überschreibung ist natürlich die streichung, und dann: exzerpierung des übriggebliebenen. die bedenken, die in der passage kleine theorie des exzerpts formuliert werden, sind bedenken in mehrfacher hinsicht: darf man einen primärtext nehmen und xbeliebiges destillieren? in der literatur, denke ich, darf man, und nur dort. (). dann: diese exzerpte oder destillate (vielleicht erinnert es in manchen fällen dort auch ein bisschen an cut-up) –



aus: dranmor V,3 “(Oder: ein Traum)”

sie selber werden, lässt man sie so als gesamtpalimpsest stehen, nach einer gewissen zeit zu fussnoten ihrer selbst, oder, etwas anders formuliert: der vorgang der destillation (exzerpierung, collagierung … mit der präsentation im material/des materials), also hier auch des lesens auf einen zweck hin, generiert zwangsläufig fussnoten. (die primärtexte werden). oder (V,5a, Kleine Theorie des Exzerpts): Und: Dass all dies nur zur Fussnote taugte, die noch etwas sagen und bestätigen oder widerlegen soll, was nur beiläufig zu erwähnen ist und dann irgendetwas erhärtet. Dabei, scheint es mir, ist es unerheblich, wie lange das Gesagte, wie klein zerstückelt, wie – wieder miteinander verschachtelt und verkettet – das Erscheinungsbild des Entnommenen ist, es dient vor allem diesem einen Zweck, so meine Vermutung: bei mir konkret zu werden im Moment des Sinnlichkeitsverlusts. (… = der entkontextualisierung). (…). Die ganze Text- und Verkettungsgeschichte ist doch eine Missbrauchsgeschichte. Überhaupt: geschieht die Verkettung an sich doch in einem unbewussten Moment. Auch ein Fall für die Fussnote. Letztendlich kann man hier schon die Not der Veranstaltung sehen. Wozu, also?

Vielleicht für das Gefühl etwas getan zu haben: des Sexuellen des Schnittes und der Herauslösung, in einem heiligen Akt der Selbstversicherung und der Bedeutsamkeit des eigenen Tuns. Also setzt man verschwitzt seine Arbeit fort, denn man will ja gesund bleiben, auch wenn man nicht weiss, wohin das führen wird.
(dazu gehörte: ich weiss nun nicht mehr, wo ich das geschrieben habe: die ganze textgeschichte ist doch eine einzige fussnotengeschichte). (ganz sicher bin ich nicht, dass ich das (so) geschrieben habe …) .

sie meint, es täte ihr leid, aber diese stelle, ja, fast das ganze kapitel sei für sie völlig unverständlich, um nicht zu sagen: unlesbar. viel zu wirr und unsortiert. und dass jede andere lektorin dieses komplett umschreiben, wenn nicht streichen liesse. dann zieht sie sich an, putzt ihre zähne und will gehen. ich verspreche ihr auf dem weg nach draussen, dass ich es überarbeiten werde. ich finde einen wasserkocher und mache mir einen instantkaffee. mein handy klingelt.

CONTAINER: Keine Kommentare zu den u.g. Passagen/ Fragmenten. Aber: Zwischenzeitlich wurde ein kleiner Text mit dem Titel Dranmor Anagramme geschaltet. Dieser Text soll erst am Ende der ersten Lektüre auf seine hundertprozentige Umsetzung geprüft werden. Dann: noch eine Notiz für später: Warum fehlt V,2? Der Übergang zwischen V,1e und V,3 ist so ein viel härterer Schnitt als sonst üblich. Vielleicht bleibt es aber doch lesbar …

(zu dranmor V,3-V,6; übersicht überschreibungen)

synopse sonderposten

synopse sonderposten: auch und gerade weil man immer auf bildersuche im viertel ist. (natürlich: wirft das dort gemeinte nur bewohnte bilder aus). in babylon ist das anders. da stehen sie auf der strasse. nicht ganz so gedrängt und verpuzzelt, nämlich. aber lange genug für die ganze länge, und nicht nur der sprachspiele wegen: babel. hier wird man von den dingen zur geisel genommen. hier misstraut uns eine vase und geht / selbst hinab in den Garten, um Blumen zu pflücken, / Astern die nicht unsere Saat. man sieht: ebennoch ein suspendiertes ich, und schon beginnt sich auch der alltag zu erledigen. von alleine.

tröstlich ist das: wir sind gegangen und doch bleibt noch licht oder der rest eines igels1, die stacheln tief in der seele der vorigen nacht.

kein titel kann so programmatisch sein, dass man ihn nicht mit dauerregen ausgliche. (für die freunde des kontinuums). am ende heisst es Alle Pfade, die ich geh / führen diesem Moment zu, irgendwo, in der mitte des bands. man nimmt sich also ein paar lettische übertragungen für nen fünfer vor. auch: des letzten titeldrittels wegen / (die gattung mitgelesen, versteht sich). und der lohn? noch einmal: regen und seine bögen. bleibt noch das eine oder andre wort. Ich hoff, das Schicksal / zückt nicht die schwarze Schere /. deswegen2. auch.

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1 hat man schon im märz einen igel gesehen? in erzählungen vielleicht: dort wird Der Igel von einem paar aufgelesen und domestiziert. dann wird er zum elefanten gefüttert. ein wahrhafter elefant wird aus ihm gemacht. oder: ein tatsächlicher gattungswechsel wird vorgenommen. natürlich wird der elefant bald den raum sprengen und zudem äusserst gefährlich. natürlich glaubt man ihnen nicht: “Du lügst, Martin”, sagten sie, “es kann doch nicht aus einer Tierart eine andere werden!”3. das problem wird am ende militärisch gelöst. doch die beiden [hatten“> ungemildert die schwere Last aller Folgen zu tragen.

2 synopse zu/anhand: amanda aizpuriete, babylonischer kiez, rowohlt, 2000 und “der igel” in: ludwig hohl, nächtlicher weg, 1943

34 dieser und jener text zum (Thema: Wir erfinden neue Gattungen)

4 und auch diese und jene fussnote

endlich schlussmachen mit der längsttitellegende

Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade (144 Zeichen mit Leerzeichen, Peter Weiss, 1964)

Die Leute trinken zuviel, kommen gleich mit Flaschen an oder melden sich gar nicht oder Georgs Abschiede und Atempausen nach dem verhinderten Werdegang zum Arrogator eines Literaturstosstrupps (192 Zeichen mit Leerzeichen, Jan Faktor, 1995)

75

Ein Notizheft liegt wie Hoffnung neben dem Bett. Der Versuch, es weiter zu füllen, war bis jetzt nur bei jedem dritten Traum mit Erfolg gesegnet. Auch heute Nacht wollte sie ihm wieder einen Traum aufschreiben, war aber von den vorangegangenen durchwachten Tagen so schlaff, dass sie sich nicht dazu durchringen konnte. Also fiel sie wieder in einen tiefen Schlaf. Ungewöhnlicherweise träumte sie ein zweites Mal und träumte sich einen Notizblock, der sich im Schlaf langsam füllte.

Am nächsten Morgen fand sie ein Protokoll davon in diesem Büchlein. Aber der Geliebte, dem sie ihn erzählen wollte, kam nicht mehr in dieser Woche und auch nicht in den folgenden.