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Nicht nur das Schattenspiel deiner Häute vor dem Feuer. Und auch nicht: die konkrete Verkörperung eines möglichen Ausdrucks: Eines Politikers der ersten Reihe oder die typische Gestik der Religionsoberhäupter, etwa. Nicht einmal den einfachen Priester hast du zu geben verlernt. Sie alle liegen wohlgeformt und immer auf Abruf in der komplizierten Syntax deiner Mimik.
Du widersprichst. Und meinst: auch die zeitweise Überlagerung mit den übrigen Erscheinungen ergäbe ein nur unvollständiges Bild. Leider sei auch die berühmte Zehnnachhalbachtpartie nicht in den Griff zu bekommen. Doch sei diese Übung in Würde ein wichtiger Schritt zum Vielleicht, sagst du. Was also sage ich?
Aber dann müsste ich eine neue Rubrik eröffnen. Die zweite Chance würde ich sie vielleicht nennen. Und: Material dazu würde ich finden: in Hülle und Fülle. Nachdem vor wenigen Wochen ein taufrischer Band von Björn Kuhligk (Grosses Kino) aus einer Restpostenkiste gefischt und gerettet wurde, finde ich dort gestern einen Band von Kurt Aebli (Der ins Herz getroffene Punkt). Im ersten Falle handelt es sich um den Berlin Verlag und man weiss, dass dieser nicht gerade zimperlich ist, was die Festlegung der Halbwertszeit seiner Publikationen und damit ihre Verramschung angeht. (Vgl. auch: Alban N Herbst, Buenos Aires. Anderswelt.)
Aber im Falle Aebli: Es handelt sich dabei um einen Titel des von mir sehr geschätzten Basler Urs Engeler Verlags. Der Titel landete Ende letzten März noch als Novität auf meinen Tisch. Und wird heute schon bei Thalia aus dem Sortiment entfernt. Ganz klar: der Titel dreht zu wenig, wie man so schön sagt. Ich kann mir nun nicht vorstellen, dass das im Sinne Engelers ist. Die neuen Geschäftspraktiken …
Es ist ein charmanter Band mit kleinen Formen aus dem ich nur eine repräsentative Stelle nenne: Nach einer unruhigen Nacht ist die ganze Wahrheit anders grundiert. Kaum wiederzuerkennen die Umgebung, nichts Vertrautes mehr. Harte unversöhnliche Stimmen reißen Löcher auf in seinem Empfinden. Die Dinge unter dem Vorzeichen eines grundlosen Schmerzes. Die von ihm beurlaubte Sprache tobt sich im Verborgenen aus. (s. 57). Dann sind wieder Gedichte, Anrisse, kleine, aphoristische Formen und krude Beobachtungen zu finden, aufgereiht, alle aus der Hand des gedachten alter Autorenegos und Skeptikers Wellenberg stammend (so die Konstruktion): viel zu schade eigentlich für den Krabbeltisch, und doch die letzte Chance der im verborgenen Tobenden. (Was natürlich paradox ist, denn schliesslich profitiere ich davon … und: Ambivalenz heisst das andere Wort).
Muttersmutter an der Schwelle blickt neugierig auf das junge Elternpaar: stumm sitzen sie mit ihrem kleinen Kind auf einer Heizdecke. Das, fast nackt, nur teilweise mit einer dünnen Windel bedeckt. Das Geschlecht liegt frei. Es ist ein Junge.
Max werde er heissen. Er bekomme diesen kurzen, prägnanten Rufnamen, damit er auch von dünner Luft getragen werde. Aber soweit sei es noch nicht. Die junge Mutter kost ihren zukünftigen Max liebevoll und führt ihn wieder zurück in ihren Bauch.
Wenn du das alles aufschreiben würdest, was du so über das Schreiben redest, ja dann