Im Nachhinein die Aufregung über etwas, das sie den debilen Wasserfall der Altersrede nannte. Um, sie möchte dieses Beispiel bringen, zu leben, esse man, sagen sie laufend, und: man lebe nicht, um zu essen, ergänzen sie. Aber sie sprächen unaufhörlich darüber, vor dem Essen, während des Essens und danach darüber, wie es war und was morgen gegessen werde. Bis man sich wieder dem Wetter zuwende. Der Altersstarrsinn. Die zur Routine gewordene Heuchelei. Die Doppelmoral, die schon nicht mehr bewusste, weil das lange Zurechtgelegte endlich seinen Platz gefunden hat.
Sie will sich noch einmal zusammenfassen: das Altersheim sei der Ort, an dem die einfachsten Bedürfnisse zu grossen Dingen werden, obwohl längst gedeckt und das in alle Ewigkeit. Sie wollen es klein, sage ich. Sie sollen es klein bekommen, ergänze ich. Sie seufzt. Eine hätte sich beschwert, warum es denn keine weitere Vorspeise gäbe. Ein anderer hätte sehr unfreundlich einen unbestellten Kaffee angemahnt.
zur zoologia fantastica
kentaurenfischen inzwischen
die tintenaffen
rücksichtsloser sätze
nur den mondhasen sichten
nur einmal schattenfressen
diesen himmlischen hirsch
neben kettensau und
anderer argentinischer fauna
gedeihen
dionysischen treibens in
der dichterbibliothek
an sich
diagonal zu leben
phantasieren ist immer auch
dokumentarisch verfahren
ein akribisch genaues
ein präzisieren nackter
formen unsteter tiere
überschreibungen 2
(unter titeln)
aber auch () das inhaltsverzeichnis: wieder untätige überlegungen noch vor der relektüre eines ersten satzes. (des ersten kapitels … standortdiskussionen: vielleicht ist es aber schon der erste. vielleicht (ganz sicher) ist es sogar der zweite). vielleicht ist das verzeichnis, eine vorgebliche chronologie und summe der titel und v.a. untertitel der texte selbst ein satz, wennnichtgar als erzählung zu betrachten.
… vielleicht ist “stimmung” hier auch der richtigere begriff. (natürlich soll ein inhaltsverzeichnis neugierig machen und nicht abschrecken. jedes ungeschriebene gesetz gilt wohl und v.a. auch für sogenannte romane). und: was für einen nutzen es denn noch hätte, wenn es denn nicht nur den inhalt anzeigen oder strukturieren sollte? es liesse sich hier doch allerhöchstens eine art nichtzusammenhängendes ablesen. (das sei doch auch schon etwas). 10 kapitel, monatsnamen und 101 unterkapitel mit jeweiligem untertitel. manchmal orte und handlungen. kaum personal. zeiten. schichten. schübe. die untertitel also die namen der schreibschübe? und nur dem geschobenen eine hilfe, eine stütze, disparates material wiederzuerkennen? etwas später – ich versuche mich probeweise zu erinnern, so weit entfernt ist bspw. kapitel I,3 – rufen mir die untertitel immer noch nichts zu erinnerndes. (sie, hartnäckig): worum es denn in ihnen gehe? (wäre eine probefrage. fragt sie vielleicht. ich: sie bezeichnen wohl, worum es ihnen gehe). ich antworte in der art: es habe etwas mit der summe der untertitel zu tun. und dem abklopfen eines bedeutungsfeldes oder -hofes, das eigentlich nicht genannt werden möchte, zu tun. (etwas, das anonym bleiben möchte). (die untertitel bleiben vorerst. da kann sie sich auf den kopf stellen. die nebengeräusche, die düfte und geschmäcker der monate, der haupttitel). vielleicht noch etwas kryptischer, noch diverser anlegen!, noch abständiger, auch um die ortlosigkeit ihres materials zu betonen. und die lose zeit.
mir gefällt das wort “kopfzeile”. und hier auch die “begleitung”.
(zu dranmor 0,0; übersicht überschreibungen)
49
Es sei aber auch wieder meine Entscheidung gewesen, den Urlaub in diesem Bergdorf zu verbringen. Und sie hätte sich darum etwas mehr Entgegenkommen gewünscht. Nun seien wir wieder nicht mehr alleine und wieder sei alles verschneit und unerwartete Gäste sässen wieder tagein und tagaus an unserm Tisch und söffen und ässen uns die Vorräte weg und stritten sich. Der Vater wieder mit dem Dichter. Der Dichter wieder mit dem Richter. Der Richter wieder mit dem Psychologen. Der Psychologe wieder mit dem Pfarrer. Und der Pfarrer wieder mit dem Zahnarzt.
Und sie zweifle an meiner Urteilsfähigkeit, nach den Erfahrungen der letzten Jahre. Und sie könne sich darauf keinen Reim machen und glaube nun, endlich verstehen zu müssen, warum ich den Zahnarzt hereingelassen hatte, wo ich doch die besten Zähne besässe, in der Familie. Darum frage sie nun.
überschreibungen 1
(der blick der figur)
erste überschreibungen vergewissern. (erste?). eine auslassung. der blick des titelgebenden wird schon a.a.o. eingefangen und eingehend beschrieben (). bei der wiederaufnahme des verfahrens werde ich wieder, natürlich, von ihm gestreift. das mehrfach erwähnte frontispiz: erstaunlicherweise nicht teil der gedichtsammlung, die der erzähler langsam zerlegen wird oder verlegt oder verliert, (das in gegenrichtung), sondern das als eingangsdokument eines lehrwerks gefunden wurde, bleibt hier also weiterhin erster text. und: konterfei des romans. etwas wurde verändert: die stirnpartie, ein ohr, der mund: wahrnehmungs- und verarbeitungsapparate. bestimmte stellen wurden markiert und verdunkelt. bekamen schatten. dabei wurden die gleichmütig blickenden augen, (nein, zu positiv!), die gleichgültig blickenden augen (ein typischer botero-blick?) ausgenommen und starren teilnahmslos, aber unverstellt in eine linke ecke. will heissen: der gemutmasste bildinput sei bei ihm ein ungefilterter. erst das hörende aufnehmen, die weitere verarbeitung bildet später den (den text) dominierenden modus und mundstück des ansatzes: den konjunktiv. (mein nächster längerer text wird vielleicht eine novelle im konjunktiv sein. wir werden sehen a-t: melanzani in der stadt). dieser text, mit all seinen unberechenbarkeiten auf den ersten blick – muss vielleicht als vorstufe dazu angesehen werden. zurück zum bild, das vom hals abwärts eigentlich nicht weiter interessiert. (gut! ein schöner sonntagsstaat, so liesse es sich vielleicht genauer datieren, spielte die zeit eine rolle). aber das gesicht ist ein zeitloses gesicht, wenn auch als wesentlich älter anzunehmen, als der erzähler vorgeblicherweise ist. (dies ist durchaus als hinweis zu verstehen). natürlich ist auch die unterschiedlich dichte schattierung bestimmter o.g. schädelstellen von bedeutung. man könnte eine gewichtung herauslesen. (wollte man). in dieser reihenfolge vielleicht: mund – ohr – stirn. oder umgekehrt, wenn aufhellung kriterium wäre. über die konkrete bedeutung hierzu gibt es noch nichts zu sagen. (dazu später also mehr).
dann: ich habe auch noch nicht das autograph angesprochen, und wie sehr ich mich daran gewöhnt habe, im laufe der zeit. (schauen sie nur meine jetzige handschrift an. sie werden parallelen erkennen. und vergleichen sie mit früherem). es bräuchte gar keine explizite titelung mehr. nur: das schattierte bild, die unterschrift, die textgattung. das reichte. sehr schlicht, das kleine textensemble. es gibt an diesem bild, an dieser collage oder zusammenstellung überhaupt nichts auszusetzen und damit auch nichts umzuschreiben. (ich antworte so einer imaginierten fragestellerin). vielleicht muss nur etwas an der zuschreibung gearbeitet werden. vielleicht ist der dem bild folgende text also nicht als roman, sondern in erster linie als zuschreibung zu lesen. auch das, in einem anderen kapitel. über zuschreibungen.
(zu dranmor 0,0; übersicht überschreibungen)