taberna kritika

Blatt 23 (Schleichen sich Metzen ein)


Schleichen sich Metzen ein, wird viel Unzucht und Ehbruch getrieben, viel Gottlosigkeit, und die Greuel stinken zum Himmel hinauf.
     Züngelt’s Feuer inwendig im Haufen herum, werden sie Alle angebrannt, aufgedorrt, ausgezehrt, bleibt nichts als die leeren Bälge zurück.
     Da neigt sich’s zum Ende, da freut sich das böse Wesen, schlägt’s den Mantel auseinander, hohnlacht, bläst sie weg, wie man den Staub von der flachen Hand bläst.
     Setzt sich der Zug von neuem in Bewegung, hohl ausgeblasen Gesindel, nichtswürdig Lumpenvolk hutschen daher, der Fluch auf ihnen, welk, stechendes Leben, Gottverlassenheit.
     Weg von hinnen, ihr trüben Gespenster! mir dunkeln die Sinne, wollt ihr mich umkrallen? ich will den Wahnsinn gegen euch waffnen, der darf mit den Unholden ringen, denn er ist auch von ihrer Welt, und sie kennen ihn und müssen ihn scheuen.

X. Tollgewordener Epilogus.

Nompareille.

     Im Thume steht die Rosenblume, sie ist weder braun noch fahl, so müssen die Huffdinger zerstäuben und zerfahren, und kommen der hirtischen Margarethe an in des Teufels Nam — Jucheysa wie will ich mich freuen, wenn am jüngsten Tage die Sternlein herunterfallen, ich will mit hereinstellen, mitten drein. May-Regenchen, hüpfe Tröpfelchen, fall auf mich, dann wasche ich! – Kömmt Junius Brutus im zitzernen Nachtrock gegangen, gelobt sey Jesus Christus Römerwämsgen! in Ewigkeit Amen guter Freund! ach mein Kälbchen mach dich fort aus der kalten Nachtluft, du bekömmst Flüsse, guter Kerl, man hat dir einen Bruchschneider nachgeschickt, sie meynen du wärst nicht gescheidt, der soll dich curiren. – Ich will fischen, fischen will ich mit feuerfarbnem Köder, eine glühende Kohle will ich an die Angelhaken aufstecken, dann kommen die Fische vorwitzig herbey, und verschlucken sie’s, haha! dann ziehe ich sie gebraten, ja ja! gebraten herauf. –0 ihr garstigen Bluthunde, habt ihr das arme Lämmchen gewürgt? es wär‘ so ein schöner Hammel geworden, ich will mich auch revangiren dafür bey der Auferstehung, tausend ja zehntausend Ohren will ich zusammenraffen in Eile und annageln am Thor, und will mich dabey stellen, und keiner soll nur Eines anrühren, sie sollen mir alle ohne Ohren zu Gericht kommen in Josaphat, ich will sie recht prostituiren, und fragt man darnach, dann will ich Alles erzählen, wie sie’s gemacht haben. – Truhtin, Truhtin! das hast du nicht gut gemacht, daß du den Drommedaren den krummen Rücken gegeben, es artet Alles nach, pfui dich, ihr garstigen Höcker! – – Girrgey, Girrgeya, was für ein schönes Gehöse hat doch de Mensch, wenn er’s aufbläst, dann kann er durch die Luft ohne Postwagen, fall nur nicht, liebes Kind! die Erd ist gar hart, oder thu wenigstens einen Fallhut auf. – – Hat der Schulmeister ezliche Schwein da mit Brillen gekauft, ist drauf heimkommen mit den Thieren, hat die Frau sie nit haben wollen, weil sie allzuklein, wie er dann selbst bekennen müssen, wenn er die Brille von der Nase thue, es lauter Spanferklein wären, durch die Brille aber ihm wie große Eber vorkämen, – o du Brillennarr, wie bist übel angelaufen, das hätt‘ ich dir wohl sagen können und viel anderes noch! – Ut, Re, Mi, Fa, Sol, La, o ihr sechs vermaledeyten Spitzbuben, o hütet euch vor ihnen, macht ihnen keinen bösen Leumund, sie kehren sich um und geben euch Alles wieder; sagt nicht Ut du dumpfer, hohler Eujon, er überpurzelt sich, und sagt lateinisch Tu; Re ruft ihr du böser Hund, Er böser Hund! ruft der Schelm zurück; Mi du garstige Katze, ich will Dir Maulschellen geben, Im Maulschellen miauts dann wieder, Fa — Fabelhaus wie bist du verlogen, Af, Af wie bist du verlogen! lachts dir entgegen, du Sol, du spanischer Trabant, bist


Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 12/2012)

Echte Tragik ist zu allen Zeiten ein Ärgernis: Die einen finden es absurd, andere lächerlich, wieder andere staatsgefährdend …

Der Geisteszustand kann als Landschaft geschildert werden. Die Landschaft kann als ein Geisteszustand geschildert werden. Wer sieht den Unterschied?

Nur äußerste Schwäche der Einbildungskraft führt dazu, dass jemand immer und immer wieder reisen muss.

Das Teditative der Kunst: Sie – und damit die Zeit, das Leben – soll lang weilen.

Wann ist ein Leben nicht ein Leben? Wenn Eindrücke ohne Zusammenhang keinen Wunsch nach Zusammenhang wachrufen?

Aber was denkst du auch. Du hast noch fünf Tage. Oder besser gesagt fünf Nächte. Das hat dir der Arzt gesagt. Und auch angedeutet, dass sie voller Qual sein werden. Gelindert nur durch etwas Morphium. Und anderen heftigen Schmerzmitteln und starken Beruhigungstropfen. Um dich selbst in den letzten Stunden noch ruhigzustellen. Nur nicht auffallen. Auch im Tode nicht.

Ach, hör doch auf. Warum willst du noch bitter sein in den letzten Momenten deines Lebens? Schließlich hast du das Dasein selbst zumindest ab Mitte des Lebens immerhin als ein Geschenk begreifen können. Wir wissen nicht, woher wir kommen, wir wissen nicht, warum wir sind, wir wissen nicht, wohin wir gehen, aber immerhin sind war da. Als eine Art heller Schein zwischen der vorangegangenen Nacht voll Dunkelheit und einer nachfolgenden Nacht. In diesem knappen Abschnitt ist uns die Gabe gegeben, nachdenken zu wollen, nachdenken zu können. Sofern uns der Körper nicht schmerzt und ständig ablenkt.

Am Ende ist also der Leib. Jetzt sind die Schmerzen da, die dich nur noch sehr vermindert denken lassen.

Es ist, wie es ist. Und wie es ist, ist es fürchterlich.

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Du und ich

In dir das Meer, die Wellen, helle Strände,

geheime Tiefen, weites Firmament.

In mir die Dürre, Wüste ohne Ende

und toter Kies, auf dem Geziefer pennt.

In dir die Kammern wunderbarster Schätze,

okkulte Schönheit, Glanz vom Orient.

In mir die traurig abgeschiednen Plätze,

wo Müll verrottet, stinkt und schwelt und brennt.

In dir, gleich der Akoya, feine Perlen.

In mir Gerümpel, Reste, Schrott, Zerfall.

Und doch wählst du mich unter all den Kerlen.

Sag mir, Geliebte, hast du einen Knall?

taz > (GROa)