taberna kritika

Der Verlag als poetischer Text (notula nova supplement 17)

Findstück

Der poetische Verlag (PV) ist ein polyphoner Text. Ein stets-als-etwas-Ganzes-zu-Betrachtendes. Ein „romantischer Roman“ von Fragmenten.

Der „Verlag als Roman“ ist Metapher, aber auch tatsächliche Lesestruktur. Die Fiktionalität dieses Romans beruht auf seiner Institution der Transzendenz. „Werke“ sind abgeschlossen und gleichzeitig nicht. Der poetische Verlag ist liquider Kontext und immer auf der Höhe der Zeit. Er ist ein moderner Roman und Roman der Moderne.

Der poetische Verlag hebt die Grenzen der Texte auf. Er poetisiert sein Archiv. Er ist Schreibprozess. Er sagt: „Ich / wir schreiben einen Verlag“ Die Rede über den poetischen Verlag IST Literatur.

Das Etwas (das Andere) der Texte sind die Alteritäten im Programm. Der Suggestion (des Marktes) einer Textlandschaft von gewisser Diversität im Gleichen entgegnet dieser Verlagstext mit differenten Bewusstseinsstrukturen. Er ist ein Konzept der Alterität auch durch Mischung von „Code/Oberflächentext“.

Es existiert keine „experimentelle“ Literatur (EL). Eine sogenannte EL ist ein immerschon-Vorhandenes, das weiter entsteht. (Würde man sie sonst identifizieren?) Eine EL entsteht folglich im Diskurs der Ent- und (Selbst-)Ausgrenzung. Ein PV benötigt diese Begriffsbildung aber um Normabweichung zu ermöglichen. Er identifiziert „sogenannte“ EL, bei der es sich um „richtige Literatur“ (RL) handelt, aus der Perspektive seiner romantischen Ränder.

Das Verlagswesen, der Markt ist ein Markt willkürlicher, ästhetisch-begrifflicher Setzungen. Man spricht z.B. vom „besten Roman des Jahres“ usw. Der poetische Verlag muss diese Mechanismen ironisieren. Tut er dies, spricht ein PV dann von sich als „eigentlichem“ oder Richtigen Verlag (RV). PV und RV fallen zusammen in der äusseren Form eines nonchalanten Pragmatismus.

Ein PV ist auch dann ein RV, wenn er Einblick in diese Strukturen unterhält bzw. diese reflektiert und benennt. Diese annimmt, anwendet, die Prämissen aber auf den Kopf zu stellen sucht, d.h. sie „normalisiert“. (Kann jede/r einen PV als RV unterhalten? Ja! Allerdings muss der Wille, ein RV zu sein jederzeit klar erkennbar sein und die erklärten Ziele systematisch verfolgt werden.) Der Richtige Verlag ist eine natürliche Person.

Ein RV verlegt RL und weist folglich die nicht- oder falsche Rezeption von RV-Rezipienten (Leser, Feuilletons, Vermittler) automatisch als inkompetente Rezipienten (IR) aus. Kompetente Rezipienten (KR) wissen falsche Verlage (FV), RV, KR und IR gut zu unterscheiden. Sie werden im eigentlichen Sinne als LESER bezeichnet. KR sind RV vor dem Roman.

Das Geschäft eines PV (nebst: Roman zu sein) ist das Geschäft mit der Differenz (und ihren Theorien). Es ist und bleibt aber ein Geschäft, das heisst: es ist und bleibt harte Arbeit. (Ein PV arbeitet immer und ist nie im Urlaub. So ergeht es auch dem RV.)

Neue Medien und Techniken erlauben Neue Poetiken (NP). Diese müssen vom RV integriert werden. Der PV schreibt ohne Unterlass an einer Metapoetik der Schnittstellen zu Arbeiten von NP. Der RV ist NP, wenn er ganz bei sich ist.

Wie gehen RV und (Neue) Massenmedien zusammen? Arbeitet der RV mit bestimmten Medien zusammen, handelt es sich bei diesen dann um Richtige Medien (RM). Auch die RM schreiben am Verlag(stext) eines RV mit. Sie sind dann: Romantische Medien.

Treffen sich viele RM, so nennt man dies ein Gelage.

Unabhängige Verlage, die sich in der Mimikri der Strukturen „normaler“ oder grösserer Verlage (FV) üben bzw. sich diesen anpassen und ähnlichen Status akklamieren, sind keine RV im eigentlichen Sinne. Überhaupt gibt es keine unabhängigen Verlage außer den RV. (Wo wäre denn sonst die Welt?)

Ist ein RV einer Monetarisierung generell abgeneigt? Nein, allerdings kann eine Profitmaximierung niemals das Ziel sein. Reinvesitionen sind nicht absatz-, sondern differenzorientiert, eine Vielfalt um jeden Preis, selbstverständlich. (Dabei ist am Markt zu kritisieren: Es werden nicht mehr Schreibweisen vorgelegt, sondern nur noch Rezeptionsweisen bedient, etwa. Diese Form der Reduktion der Darstellungen von Bewusstseinsmöglichkeiten wird als antiaufklärerisch empfunden.)

Der Verlag als poetischer Text wirbt für sich und seine Elemente. Werbung und Prozess der Werbung müssen selbst poetisch sein, müssen Roman sein. (Man denke aber an FV, die fünf bis sechsstellige Werbeetats in Titel investieren. Hier wirbt Spielgeld um Spielgeld. Poetisch zu nennen wäre hier zwar einmal das Funktionieren der Illusion. Diese aber hat keinen Bestand, bleibt nicht different.)

Man spricht zu Recht von „Verlagslandschaft“. Man spricht auch zu Recht von Raubbau, Umweltzerstörung, Monokultur. Dass immergleiche Texturen von FV veröffentlicht werden, ist ein Hinweis darauf, dass Sprachen (das Darüber-Sprechen) verloren gegangen sind. Der PV betreibt in diesem Sinne Sprachpflege, Archäologie und Umweltschutz in 1. und 2. Ordnung. Er ist ein polyglotter, ökologischer Roman.

Der RV hält fest: Nicht der Markt, das Subjekt des Textes ist die Adresse des PV.

(Undsoweiter.)

Lieferbar: Kleine Theorie des Literarischen Bloggens (Alban Nikolai Herbst)

Kleine Theorie des Literarischen Bloggens.

Die Dschungel. Anderswelt

Erste Lieferung

Essay / Erzählung

von Alban Nikolai Herbst

“Wie Anfang des letzten Jahrhunderts die Künste, vornehmlich Musik, dazu tendierten, ihre Entstehungsgeschichte als Teil der Komposition-selbst zu begreifen, so ist der derzeit attestierte Hang von Literatur zum Privaten dessen Weiterentwicklung. Die psychischen Bedingungen zur Entstehung eines Werkes werden zu seinem Material, einem Material. Insofern jedes Werk ohnedies Palimpsest ist, kann es nicht mehr darum gehen, die Spuren zu verkitten, also klassisch bzw. klassizistisch zu arbeiten. Zwar ist auch diese Tendenz Symptom der in sich antinomen Postmoderne. Doch führt die Öffnung der privaten Räume zu einer tieferen Fundierung von Kunst, als zugegeben sein soll. Genau hierfür steht das Literarische Weblog.” (Klappentext, Auszug)

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September 2011, 132 S., 13,7 x 20,5 cm, Klebebindung

ISBN: 978-3-905846-18-8, €14 / 22 SFr

Blutsverwandt











































Quote Er erinnerte sich an seinen ersten Aufenthalt im Heimatdorf seiner Eltern, Piazza Armerina, als er gerade sieben Jahre alt war und mit seinem Cousin Mario, dem Sohn von Onkel Salvatore, in einer langen, engen Gasse Fahrrad fuhr. …“ (S. 78)
Source Blutsverwandt, Autor Michele Giuttari, BASTEI LÜBBE, 2010, 384 Seiten n
Keywords Gasse, Fahrräder, Döner, Stufen, Graffiti, Fussgänger
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nbp: DLT: 3 Den Troll lesen 1: Die Bedeutung der Funktion http://bit.ly/p2QFd9 / lichtblatt.de/tatarpost/ / nbp: Auch die klügsten Konventionen bleiben Gemeinheiten. bit.ly/p1cYEf / nbp: Blumenwissen ist keine Kunst (notula nova 131) bit.ly/nRp5Y6 / Elke Heidenreich als Medium der Vereinfachung. / nbp: Der Zar von Brooklyn bit.ly/mTc8C2 / mit stuck spielen. / PLUS: http://www.youtube.com/watch?v=1KgOgbWxeJM / http://aufundquerzeichnungen.wordpress.com/ / http://www.kafkabureau.net/dasprojekt-virtuellemediathek-lang.html / http://roughbooks.wordpress.com/2011/09/12/offener-antwortbrief-an-stefan-weidle-und-die-kurt-wolff-stiftung/ / http://www.boersenblatt.net/455470/ / http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/die_kunst_die_wir_nicht_sehen_1.12451089.html / http://gleisbauarbeiten.blogspot.com/2011/09/offentlichkeit-und-erfahrung-im.html /



(blumenhalbwissen)

DLT: 3 Den Troll lesen 1: Die Bedeutung der Funktion

Der literarische Troll

Spekulationen zum Verständnis einer Funktion als Figur

(Essay, Beta)

3 Den Troll lesen 1

Die Bedeutung der Funktion

SCREENSHOT:

Q*

594 Kommentare (Stand 24.4.10) gab es zu dem Beitrag „Cougar, MILF und andere Sex-Schubladen“, ein quantitativ durchschnittlich kommentierter Beitrag der Yellow-Press-Klasse im „Mamablog“ einer Schweizer Tageszeitung. Der Kommentardiskurs um die sexuelle Attraktivität von Müttern repräsentiert durchwegs eine auf Alltagsbeobachtung und –einschätzung des Themas und seiner Facetten durch die Kommentatorinnen und Kommentatoren. Wie ein Exot oder Sprachmonolith steht da die Einlassung eines „Fritz“, die im Meer der Äusserungen geflissentlich übergangen wird. Die Metaphorizität der Aussage, die – fast biblisch-romantische – Bildlichkeit dieser Intervention, die aber auch als moralische Position zu diesem Thema gelesen werden könnte, ist keine des Andockens an den Textstrom, der sich munter fortentwickelt. Und doch verändert sie – in diesem Ausschnitt – die Qualität des Stranges.

Die Einlassung in diesem Beispiel ist unschwer als eine explizit literarische in einem ansonsten pragmatischen Thread erkennbar. Der (ignorierte) Troll pfopft den Text, so könnte man es vielleicht bezeichnen, das Gesamt mit einem diskursfremden Anderen, infiziert und hybridisiert diesen, nun einmal ungeachtet des (kaum abschätzbaren) Ausmasses der Textmenge, verschiebt aber deutlich die Grenzen der Aussagevielfalt. Aus Sicht des – nicht festgelegten Lesers – kann vielleicht sogar konstatiert werden: der – als pragmatisch entworfene Diskurs – rückt gesamthaft selbst näher in den Bereich der Verhandlung von Fiktionalem. Der Troll, den man hier einen literarischen nennen könnte, hätte damit die Funktion einer – wie stark auch immer – Fiktionalisierung von Welt(text) und stellt den virtuellen Diskurs, der sich als welthaltige Stimmenansammlung geriert, darum auch als fiktionales Gebilde aus bzw. macht auf dessen mediale Rahmenbedingungen aufmerksam. Im Grunde addiert er also selbst das Thema der Fiktionalität von Weltkonstruktion und praktiziert damit auch eine bestimmte Form antirealistischer Theorie eines Internen Realismus. Diese Form der Propfung liesse sich – etwas mathematisch anmutend – mit der Formel

A: P<-NP

beschreiben (18). Dessen Arbeit am „Welt“-Begriff, so die Interpretation wäre kurz als Typ A des literarischen Trolls zu bezeichnen.

Nach Christiane Heibach (19) können wohl auch Blogs mit offener Kommentarfunktion als partizipative Kommunikationsumgebung beschrieben werden, wenn diese nicht nur literarische (Primär-)Inhalte veröffentlichen, sondern selbst Literatur bzw. Dichtung sind oder sein wollen. Unter diesem Blickwinkel liesse sich die Trollfunktion noch etwas differenzierterer darstellen.

Der Kommentar als Trolltext in einem Literarischen Weblog, kann ein gewöhnlicher (P) sein, oder eben auch: ein „literarischer“. Viele Trolltexte werden sich allerdings zwischen diesen zwei Polen (P/NP) bewegen. Ein Trolltext kann eine psychologische Intention haben, sprich: auf die Manipulation der Beziehung Leser-Autor aus sein, nur die Autorschaft angreifen oder untergraben oder sich selbst als Scheinsubjekt oder dritte Position im Diskurs aufspannen wollen. Je nach zur Verfügung stehenden Mitteln (oder veranschlagtem Literaturbegriff) wird diese Einlassung auch als eine literarische, der Trolltext als ein literarischer zu fassen sein.

Aus Sicht distanzierterer Beobachtung wäre zu verhandeln, inwiefern jew. ein solcher Text als literarisch ambitionierter einzustufen wäre, womit sich allerdings automatisch eine weitere Diskussion um generelle Literaturbegriffe und –konzepte umschlösse; der Ansatz für eine traditionelle Form der Kritik.

Ohne diesen Mechanismus nun weiter zu erläutern oder zu erproben, wird diese (nicht unumstrittene) Form der Einlassung hier in der Formel

B: NP<-(N)P

markiert bzw. generalisiert und dieser – in Abgrenzung Typ A – einen eigenen, anderen Typenstatus (B) einräumen. Während Typ A – hier und in beispielhafter Interpretation – eher auf die Gemachtheit von Welt und Erfahrung verweist und damit eine relationistische Position vertritt, könnte man bei Typ B zu einem differenten Ergebnis kommen, das als Beschreibungseventualität und –variante zur Verfügung stünde (vgl. dazu ausführllicher das Kap. 5A).

Weitere Beispiele wären zu nennen, die weder der einen noch der anderen Type zugeordnet werden könnten. Eine explizit literarische Äusserungsform, die in „nichtpragmatischer Weise“ auf einen nichtpragmatischen Post, Beitrag oder Kontext antwortet, z.B. ein Gedicht mit einem Gedicht o.ä. beantwortet (20) oder einen literarischen Text im Kommentar einfach weiterschreibt, Textgrenzen überschreitet, Schnittstellen von hybridautorschaftlicher Publikation als Fortsatz nutzt (21), könnte damit konsequenterweise in der Formel

C: NP<-NP

umschrieben werden, und könnte als rein ästhetische Intervention mit der Absicht der Werkmanipulation aufgefasst werden. Eine scheinbare Zweckfreiheit (aus ästhetischer und Leserperspektive in einem klar als Literarisches Weblog (22) erkennbarem bzw. annonciertem Blog) eines Trolltexts wird bisweilen unterlaufen, indem dem Text (mit dem wieauchimmer semantisch ausdeutbaren Nickname) ein Link hinzugefügt wird, der als klar transitorischer Interventionsversuch zu bewerten ist (Typ C1). Auch hier zielt in gewissem Masse der Text auf Aufmerksamkeitsakkumulation ab, will diese aber von der originären Postseite abziehen bzw. entfernen. Möglich wird damit eine theoretische und praktische Verschickung des Lesers (durch einen semantisierten oder nichtsemantisierten Link) ins Leere (auf eine nichtexistente Website oder, erläuternd, auf ein gegoogeltes Bild o.ä.) oder sogar auf eine eigens dafür geschaffene Trollseite oder einem Thread (23), die oder der eine Identität der Nichtidentität an einem anderen Ort (24) (Typ C2) aufzubauen versucht.

C1: NP<-NP’ (transitorisch, fiktionales Objekt)
C2: NP<-(N)P’’ (transitorisch, fiktionaler Ort)

Auch maschinell (25) oder halbmaschinell generierte Einträge (via Robots, Spamattacken, Trackbacking) können – je nach Literaturbegriff, s.o. – diesem transitorischen Typus zugeordnet werden, werden aber, wegen ihres willkürlichen, nicht auf ein konkretes Objekt zielenden Charakters, von letzteren stärker zu unterscheiden:

D: NP<-(N)P’’’ (transitorisch, pragmatischer Ort)

Hinzuzufügen wäre, dass bei allen transitorischen Typen (abzüglich D) ein je offenes und variantes Wirken und Verhalten auszumachen wäre, denn ohne die Kalkulation eines gewissen Lustgewinns (seitens des Trolltextverursachers) im – aus literarischer Sicht – Spiel mit Text, wäre eine sich fortsetzende Trollvertextung in einem Thread kaum vorstellbar. Eine spieltheoretische Annäherung (26) an dieses Thema wäre der Vollständigkeit halber noch anzugehen.

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18 In der Folge: „P“ = Pragmatischer Text, „NP“ = Nichtpragmatischer Text, die Apostrophierung markiert die mögliche Verschiebung, Varianz, Metonymizität, Differenz zu den vorgängigen Typen

19 Christiane Heibach, Literatur im Internet, 331

20 vgl. http://parallalie.twoday.net/stories/621605/#comments

21 vgl. http://www.abendschein.ch/site/comments/die_bilder_varianten_entwurf/

22 Zur Differenz „Literarisches Weblog“ / „literarisches Weblog“ bzw. LW (NP) vs. lW (P): Ersteres, wie in AN Herbsts „Weblog als Dichtung“ als eines, das selbst „Literatur ist“ im Gegensatz zu Blogs, die die Software lediglich zu Publikationszwecken nutzen. Herbsts „Literarisches Weblog“ Die Dschungel.Anderswelt sei auch genannt als Beispiel für eine Präsenz mit offenem oder moderiertem Kommentarkanal. Es wären natürlich auch Wikis oder andere Systeme mit solchen Schnittstellen denkbar, allerdings sind bislang nur wenige (Bsp.: BC / http://bc.etkbooks.com/) bekannt, die auch mit ihrem „Sein als Dichtung“ (vgl. „NP“), als solche wirken, gegenüber denjenigen, die explizit nur poetische / literarische Inhalte präsentieren.

23 Zur Identität von verteilten Trolltexten. Auch denkbar ist der Troll als verteiltes Textich von verteiltem Text (wenn rekonstruierbar, erahnbar, z.B. durch Nicknames, E-Mail-Adressen, IPs). Vgl. Dieter Roth (als Troll) / Advertisment (pragmat. vs. poet. Text)

24 Bsp. für eigene Trollwebsites: http://zumgoldenentroll.blogspot.com/2010/03/kundschaft.html#links / http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/irgendwie-ist-es-ja-reizend/

Festzuhalten sind aber auch literarische Weblogs / Websites, die häufig eine (multiple) Identität vorzugeben suchen, in der Absicht andere Erscheinungsformen anzugreifen bzw. gegen diese pejorativ zu wirken. Diese sind nur am Rande als literarische Trolle zu bezeichnen. Identitäten werden dort hinter Masken versteckt, sind aber eher als Avatare zu verstehen, da Avatare reale Identitäten hinter Masken verstecken. Trolle dagegen sind reine Masken.

25 Je nachdem, ob denn solche (auch kontingente) Texte als literarische seitens der Leser mitgelesen / verstanden werden wollen. Hierbei muss noch unterschieden werden: die Möglichkeit der Leseperspektive eines (Troll-)Texts von Innen (vom Hauptautor bzw. Admin, also diejenigen, die auf Backendinformationen Zugriff haben) bzw. Aussen (alle anderen). Bei obigem wird eine Sicht der Aussenperspektive angenommen.

26 S.a. Trolling als Spiel (Spiellevels etc.): http://www.jfo.org.uk/info/new/troll.htm

* http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/8757/cougar-milf-und-andere-sex-schubladen/comment-page-3/#comments