Er sah sie, wie sie am Fenster stand, und er wusste, dass er etwas vergessen hatte, ohne aber, dass er hätte sagen können, was es war.
taberna kritika
Schönbrunn, Spaziergang im Bilderbuch der alten Mode.
Antinomie: Ich schreibe, also bin ich.
Der Wissenschaftler sieht gern zu, wie die Welt von seinen Tatsachen zugerichtet wird. Wir sollten seiner Entschuldigung, er sei doch nur Beobachter gewesen, nicht länger Glauben schenken. Wir sollten ihn als Zeugen seiner Verbrechen verhaften.
Schönbrunn, Spaziergang im Bilderbuch der alten Mode. – Endlose Alleen, aufgereihte Baumskelette. In der Stille das Knirschen des Kies. Die langen Schatten der Kegelbüsche.
Feuchte, dampfende Wiesen, das Schnattern der Enten hinter Nebelschwaden. Gußeiserne Laternenpfähle, das ferne Licht im Palmenhaus. Alte Frauen in schweren Mänteln. Sie schauen auf und sagen zu mir freundlich: “Grüß Gott!”
Augenblickliche Wehmut: “Ach, ihr meine Moleküle! In dieser Konstellation werden wir nie wieder zusammenkommen.”
Notizen und Informationen zu TCT-H (R(R))
The Chomskytree-Haiku (Rhizome(Rhizome))
[dies als Prezi-Include:]
Der ursprüngliche Projektansatz bzw. die Ideenskizze wurde im EXPOSÉ festgehalten. Dieses befindet sich auch als Dokument in dieser digitalen Installation.
Das TCT-H (R(R)) ist eine komplexe, intermediale Allegorie poetischen Arbeitens
Die Arbeit ist auch zu lesen als Sinnbild für eine poetische Praxis (poēsis), die versucht eine Idee (in diesem Falle: diese Allegorie) aus Vorhandenem (Wörter, Wortteile, Bildelemente, Strukturen, Materialen) und Innovativem (jew. neue Installationen, Verbindungen, Techniken) umzusetzen. Sie bedient sich dabei unterschiedlichster Sprachen, Zeichen und Medien (Wörter / Worttext, Fotografie, Bildabstraktem, Animation), die nichthierarchisch miteinander in Beziehung treten bzw. wechselseitig aufeinander einwirken.
Zum Begriff der Allegorie
Die Allegorie verwandelt die Erscheinung in einen Begriff, den Begriff in ein Bild, doch so, dass der Begriff im Bilde immer noch begrenzt und vollständig zu halten und zu haben und an denselben auszusprechen ist.
Die Symbolik verwandelt die Erscheinung in Idee, die Idee in ein Bild, und so, dass die Idee im Bild immer unendlich bleibt und, selbst in allen Sprachen ausgesprochen, doch unaussprechlich bliebe.
Goethe: Maximen und Reflexionen, Nr. 1112 und 1113
Motor: Grobe Strukturen, wechselseitige Impulse
Als gröbste, einander Impulse gebende Strukturen dieser (und hierin auch dargestellten) Arbeit werden stellvertretend das Baumparadigma von Noam Chomsky bzw. das Wurzelparadigma von Deleuze/Guattari verwendet:
Wesentliche Theoriebaustein sind also der Baum als Denkfigur und Organisationsprinzip gegenüber seinem Theorieantagonisten, dem des Rhizoms (als Figur nichthierarchischer Kontingenz und Allesmitallemverbundenheit).
Tafeln
Zur Analogie mit den 10 Tafeln des Rorschachtests. In beidem stecken Instrumente produktiver Hermeneutik, die sich ganz auf die subjektive Annäherung und Assoziation mit einer Vorlage verlässt, hier die Klecksbilder, die zu einer Aussagenproduktion führen, dort eine Textfläche (der 10 Magazinseiten als Tafeln), die zu einer formalisierten Textproduktion (Haiku) führt …
Raum / Zeit
Das TCT-H (R) ist eine Arbeit, die sich mit räumlicher Ausdehnung und Arbeitsprozess, also zeitlicher Ausdehnung beschäftigt. Dies gilt nicht nur für die einzelnen Installationen (Szenen) der transmedialen Objekte oder gar der einzelnen Elemente (Tafeln), sondern auch und vor allem in der letzlich vorliegenden Prezi-Präsentation (TCT-H (R(R))), die hier spezifische Möglichkeiten bereitstellt, z.B.: Zooming (Herstellung von Tiefe, zusätzlich 3-D-Effekte, nicht nur Fläche), der Bewegungen von Element zu Element, besonders im Filmmodus des autoplay (Loopingoption) und wiederum als bewegliche, räumlich-zeitliche Installation, die neben oder gegenüber einer einzelnen, analogen Installation zu beamen wäre. Das TCT-H (R(R)) ist damit ein zum Leben erwecktes TCT-H (R).
poesis
– auch in der Bedeutung des Verknüpfens bzw. Webens – wird hier wortwörtlich und übertragen benutzt und umgesetzt. Es wird wörtlich, aber auch wortbildlich durch die immer in Erscheinung tretenden Instrumente und Materialien (Schnur, Streifen, Hammer, Wasserwaage, Rollkoffer, Nägel etc.) bzw. durch variierende Hintergründe und unterschiedliche Formen von Öffentlichkeit symbolisiert bzw. diese selbst sind beteiligt an der Herausbildung von Strukturen. Der Poet (Weber) wird verkörpert durch jeweils autorschaftliche Signaturen (Bild des Knüpfenden, Hängenden, Klebenden in Aktion / im Arbeitsprozess).
Zugriff / Navigation
Der Zugriff auf das TCT-H (R(R)) erfolgt entweder über eine selbständige Mouse-Navigation auf dem Bildschirm resp. dem Navigationstool des Prezis (am Bildschirmrand, rechts bzw. Navigationsleiste, unten). Diese digitale Arbeit liegt in zwei Versionen mit geführten Rundgängen (loopfähige autoplay-Optionen) vor : autoplay s = Demomodus, ausgewählte Elemente und Materialien. Und: autoplay l = Variante für ca. 1-stündige Beamershows mit vollständiger Material- bzw. Elementdarstellung.
(…)
“Animalisch anregende Porträts”
“(…) Liebevolle Erwähnung finden im 2010 erschienenen Prosaband «Von Tieren» 17 Arten: vom Esel («Steht die lebenslange Verdammnis zum Schleppen von Lasten im Zusammenhang mit lasterhaften Charakterzügen?») bis zur Ameise (Die «ersten Urbanisten» mit einem «Hang zu verdichteter Bauweise»), von der Sau (pure «Daseinsfreude» ausstrahlend und für uns doch nur «Abfallverwerter und Fleischvorrat») bis zum Elefanten (dessen «masslose Erscheinung» kontrastiere mit «unscheinbaren Körperteilen» wie dem «lächerlichen Schwänzchen» und wecke beim Homo sapiens die Hoffnung auf Verständnis «für Ungereimtheiten der eigenen Erscheinung»).
Die im Haiku-Endlosgedicht charakteristische Mischung aus sinnlich präziser Wahrnehmung und lustvoll schweifender, aus vielen Quellen schöpfender Reflexion zeichnet auch diese anregenden Tierporträts aus. Er sei weder militanter Tierrechtler noch fanatischer Vegetarier, sagt Dodel, ihn habe vielmehr der «anthropomorphe Blick» auf das Tier interessiert, all die Projektionen und Vermenschlichungen in Märchen und Fabeln. Immer wieder nimmt Dodel in den Tierporträts auch Bezug auf die antiken Autoren Aelianus und Physiologus sowie auf den Biologen Eduard Wilhelm Posner («Das Seelenleben der Tiere», 1851) und setzt diesen meist menschliche Überlegenheit zelebrierenden Tierstudien seinen «staunenden, zweifelnden Blick» entgegen einen Blick, der Momente der Nähe zum Tier emphatisch beschwört, aber auch Fremdheitserfahrungen nicht unterschlägt. (…)”
Rezension in: Der Bund, 21.6.11
Franz Dodel, Von Tieren: http://www.etkbooks.com/von_tieren

