taberna kritika

VII Au / tog / ra / phie

Im Moment und Akt des Schreibens entstehen, diesem Verfahren nach, gleichzeitig zwei unterschiedliche Urschriften bzw. Exemplare eines Textes – dasjenige auf Papier und ein rein Digitales. Welches wäre das “ursprüngliche” oder “Original”? Oder spielt diese Frage hier keine Rolle? (bhfr)

Wie in keinem anderen vergleichbaren Kunstwort ist die Aura der Autographie eingeschrieben. Im Falle der Ichschrift ist eine aus jener Perspektive zu betrachtende, wortwörtliche wie übertragene Bedeutung für das Verstehen dieses Verfahrens (dieser Produktion) notwendig. Die Herstellung der Schrift verzweigt und überträgt sich im Moment des Schreibaktes in zwei mediale Typen. Es wird einerseits ein „handfestes“, materielles (die Schrift des Kugelschreibers auf das Papier, die Gravur ins Papierfleisch) und gleichzeitig (synchron, ja, es wäre sicher spitzfindig zu untersuchen in welchem Millisekundenbereich das frühere Ankommen der einen oder anderen Spur auf dem Trägermedium stattfindet) die Bewegung in Farbe, Gravur bzw. Code in ein (Ur-)Digitalisat (12) verwandelt.

Es wäre also buchstäblich zu unterscheiden bzw. zu fragen, welcher der beiden Originaltypen (dieses Doppeloriginals?, dieses Originaldoppels?) der ursprünglichere, in diesem Falle potentiell auratischere ist. Eine Reproduzierbarkeit (13) im Benjaminschen Sinne wäre im Falle manifester Schrift, die zwar einmalig ist, doch beliebig vervielfältigt (entauratisiert) werden kann, gegeben. Das Digitalisat aber, das ebenso reproduzierbar, und in sich schon Kopie im Moment der Versendung (z.B. qua Weblog und im Moment des Auftauchens in diversen Readern und Archiven) trägt, das eben aber eine andere, weitere Qualität (die der Bewegung) mit einschliesst.

Die textkritische Befragung von Urschrift (Autograph) muss künftig also theoretisch und technisch das Vorhandensein einer doppelten Schrift (Originale: manifest / Digitalisat) mit einschliessen. Was den Benjaminschen Aura- und Werkbegriff angeht, sehe ich die Möglichkeit oder Notwendigkeit einer De- bzw. annähernden Rekonstruktion des Aurabegriffes im Zeitalter der Abbildungsoptionalität originärer Schreibbewegungen. Eine Reproduktion eines Ensembles aus originärer (manifester) Handschrift und Urdigitalisat (weitere Originalitätseinschreibungen: time-stamps, DRM-Wasserzeichen), mag zwar unter erschwerten Bedingungen möglich sein, durch den sinnlichen Doppelcharakter eines so verfassten autographischen Dokumentes gerät dennoch zumindest die Idee oder der Begriff der (einen) Spur (14) ins Wanken bzw. in Bewegung und verändert möglicherweise die Distanz zu einer als idealauratisch gedachten Werkrezeption.

—-

(12) Zur Erklärung dieses speziellen Effektes: Bei der Übertragung der Datei in eine entsprechende Software ist gut zu beobachten, wie sich die Schrift-Bewegung noch einmal vor dem Betrachter aufbaut, diese also nachgebildet wird. Wird also bspw. eine spätere Ergänzung auf der Seite an einer vorangegangenen Stelle eingefügt, so kann das im Vorgang der Übertragung bzw. Sichtung nachvollzogen werden. Das Digitalisat wäre also aus dieser Sicht, gegenüber dem manifesten Autograph, das präzisere, sinnlich mehrstelligere, sodass eigentlich diesem (Digitalisat / Vorgang) eine – so vorhanden – vorrangigere Auraeigenschaft zukäme. Etwas strenger formuliert: es gibt zwei Originale der Schrift. Und Zeichentheoretisch auf die Ichschrift als Bildkunstwerk angewendet: beide Versionen können als Werk aus synchronen wie diachronen Zeichen betrachtet werden. Die Diachronie (die Aufbaubewegung) im Falle des Digitalisats ist hier aber eine doppelte, weil die Schrift als fortlaufender Text, das Fortlaufen ihrer Selbst reflektiert bzw. darstellt.

(13) „Die Aura ist [die] Erscheinung einer Ferne, so nah das sein mag, was sie hervorruft […] was im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerks verkümmert, das ist seine Aura“ (Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit).

(14) „Die Spur ist [die] Erscheinung einer Nähe, so fern das sein mag, was sie hinterlieߓ (Walter Benjamin, Das Passagenwerk: Der Flaneur).

@etkbooks twitterweek (20100327)

„Erfinde du doch der Drossel ein neues Lied” (das macht doch schon die klingeltonindustrie …) / new blog post: 2007-12-09 des Tags im Segel http://bit.ly/chi1c7 / hätte fast vergessen zu erwähnen: wir fahren jetzt los richtung köln und sind da bis sonntag … / haha, tatsächlich. an klookbooks hat man auch gedacht … / @rittinergomez richtig! noch richtiger: “bunte” (das philosophische quartett: #kerkeling #wanders #friedmann #willemsen) / rittinergomez: @etkbooks: 3sat, quo vadis? // auf alle fälle bunt. / 3sat, quo vadis? / Christoph Hägele: Politische Subjekt- und Machtbegriffe in den Werken von Rainald Goetz und Thomas Meinecke #pipeline / ““gender“” #wörter / new blog post: The Captain Of Her Heart (notula nova supplement VIII) http://bit.ly/b0JEYd / Gendolla / Schäfer (Hg.): Beyond the Screen. Transformations of Literary Structures, Interfaces and Genres. transcript 2/10 #pipeline / der literaturen-fragebogen geht heuer an senta berger. #unfollow #literaturen / http://www.dailylit.com/ … #lbn / @frescosecco trotzdem danke! ich teste auch selber mal ein bisschen rum … / frescosecco: @etkbooks bisher nur ein Hinweis von @andybee auf die Apps von GlobalRadio (UK). “Single station” apps, also nicht in Ihrem Sinne. / @frescosecco merci / frescosecco: What do you think is the best streaming radio app for Android? (asking for @etkbooks) / frescosecco: @etkbooks Da hab ich noch mangelnde eigene Erfahrung, ich zapf aber gleich jene meiner follower an… / @frescosecco gibts da eigentlich ein empfehlenswertes für android? / Wenn dein Pferd tot ist, steig ab. (Indian. Sprichwort) / “Wellensittiche verstehen und artgerecht halten” #falschorder / new blog post: Geistige Landesverteidigung http://bit.ly/cY3C7A / new blog post: VI Emblematik, Allegorese http://bit.ly/c16zUY / tatort (köln): quo vadis? / heute: käse-wurst-salat “achternbusch art” / http://www.weak-records.ch/ / 36:37f /

2007-12-09 des Tags im Segel

die strasse gequert

den hals gewagt die füsse

den kopf hingehalten grade

noch entkommen

laut geflucht bei verschlossenem

mund

aber das stimmlos

wenn fluchten

töten könnten grade noch mich

in den gastgarten

gerettet mich in gestrecktem

galopp ganz ruhig herzgerast

des Tags im Segel der Metaphern verfangen der Schrift dans la voilure oder Voile als eine Bezeichnung einer Stoffqualität sowieso und verweist Stoff sofort auf das TEXTILE und gleich wieder ab und weg und mich entwunden dem Segelgewirk was Material wäre Stoff für den Bau man lagert diversen BAUSTOFF das Bauwerk wächst und wächst durch sein Gerüstgewirr verwundert blicke ich durch die Stangenmenge die Luft die Zahlen sehe das Verpflichtende in müden GESICHTERN oder ein Meinen meinerseits (m)ein Baustoff oder die Versuchung der Orthografie nämlich Laut um Laut Wortbelagerungen über und überlegt hinübergeschoben oder was dann die Möglichkeiten des Übersetzens

index

The Captain Of Her Heart (notula nova supplement VIII)

Wilen: Die Heizung ist nicht angesprungen. Draussen ists wärmer als drinnen. Wir erneuern unseren Zivilisationsbegriff. Was kann schon ein Handy, was das Internet, wenn es kalt ist? Hunger. Wir frieren mit unseren Oberschenkeln am Plumpsklo fest. Die Familie leidet für einen Text. (Den Kindern sagen wir: “Wir spielen Sibirien”. Die notfallmässig angereisten Verwandten wissen einiges besser. (Der Reichtum an gutem Rat). Es bleibt aber kalt. Und Luft. Ein Anruf einer Krankenkasse. (Callcenter, man kennt das ja. Nachfassspam. Prämienspardiskurse. Sie wissen genau, wann sie nicht anrufen sollen. Und tun dies nicht.) Die Verwandten haben ihre Werbe- und Belästigungskorrespondenzadresse dieser Ferienwohnung zugeordnet. Clever!

OMEGA Plus

Sarner Holzfeuer

Innenaussen Kältechoque

Plus OMEGA Plus

(F.M.: bitte übernehmen Sie … sich nicht.)

Kälte ist ein Skandal

Hitze ist ein Skandal

Mittelmässigkeit skandalös

Und das Nichts nicht weniger

(Alles liesse sich an diesen Punkt denken. Nur das Neutrum (noch) nicht. Schweig nun stille, Hochofenhab. Feure an, aber rede nicht!)

Soldor

43210

Und das Maronifach

Burgundia

Parisienne

(Il fumo uccide!)

Ja, Normalität, Ja!

… ist das Mass der Gewöhnung

(Im Nebenzimmer: Lautes Geschrei und Gefluche. Käpten Sabberbarth und Käpten Hummerzwick streiten sich um den letzten Pfannkuchen. Bachmann Art.)

Und, Behauptungsprosa: setzt nicht Welt, sondern Behauptung, in nächster Instanz den Behaupteten und sein Behauptetes in Szene. Das Andere aber sammelt Material, Zeit und zeigt Welt. Nordet diese. Ist von dieser. Das Ergebnis (das Gezeige) will die Machtlust (das Verlangen) jener skandalisieren und verschwindet selbst im Material. Es sieht sich nicht. Will es gar nicht.

Überhaupt: Wer ist der Käpten dieses Satzes?