taberna kritika

Aus dem Aldi-Newsletter (notula nova 77)

Und: Ein literarisches Weblog zu betreiben heisst auch: Antworten auf Fragen zuzulassen, die niemals gestellt wurden. Dabei ist auch die Sichtbarkeit jener von nur untergeordneter Bedeutung. (Daniel Kehlmann plötzlich als Leser zu sehen, als Abb. eines Lesers, will heissen: im positiven Akt der Lektur, hat etwas äusserst Irritierendes. Stellte man sich die Wikipedia als Persona vor, allegorisierte man sie (diese Art doppelter Allegorie), wäre es, als würde sie heimlich mit dem Brockhaus unanständige Dinge tun.)

http://www.meindaumenkino.ch (Für das Projekt: Fritz liest Walter … das Kunstwerk …)

Spezialangebote Aldi Suisse, ab Montag, 28.12.09 (Auswahl): Office Thermobindegerät A4 (24.90) / Office Spiralbindegerät (39.90) / Office Starterset für Spiralbinder (9.90) / Office Thermo-Bindemappen (12.90)

In Oechsle: Ein gut gepflegtes literarisches Weblog als reifender Fasswein, der mehr und mehr an Würze gewinnt. Charakter. Ablagerungen enthält (Abgiessen!). Im Laufe der Zeit. (Weiters als Allg. ausbauen …)

Und: die Erdhörnchenhaftigkeit sogenannter Weihnachtsfeiertage. (Derweil: Nach jmd. “norden”, wie eine Kompassnadel. (Ich norde, Du nordest, er/sie/es nordet …)

Zum Floor (Länge / Breite) in m2: Mag sein, ich spreche manchmal länger am Stück, als Du. Im Gesamt aber, in der Länge, überragt doch das Andere.)

V Romantische Signifikanten

Kannst Du deinen logozentrismuskritischen Ansatz noch genauer erläutern? Welche Grenzen offenbaren sich dabei bei einer rein maschinellen Schrifterzeugung und –darstellung? (sja)

Um dem eine noch (wortwörtlicherweise) epochalere Bedeutung zu geben und diese, nach Hoinkis (9) selbst mit einer historischen Zäsursituation in Beziehung zu setzen:

„An der Schwelle zum 19. Jahrhundert dagegen kann ein romantischer Ästhetiker wie Friedrich Schlegel schon einen ganzen Aufsatz der Unverständlichkeit widmen und dieses Phänomen nicht nur ironisch feiern, sondern ins Zentrum der ästhetischen Theorie rücken. Und das Bemühen der Autoren, gezielt unverständliche Texte zu produzieren – d.h. daß um 1800 gerade umgekehrt das unverständliche Schreiben zur ästhetischen Norm avancieren kann -, kann nun schon zum Thema der Literatur selbst werden. In gelungener Ironie stellt uns ein aufmerksamer Beobachter der zeitgenössischen literarischen Schreibpraxis – Jean Paul – einen Autor – das vergnügte Schulmeisterlein Maria Wutz (1790) – vor, der aus der Not heraus, auf der semantischen Ebene keinen unverständlichen Text zustandezubringen, darauf zurückgreift, auf der Ebene der Materialität des Mediums – der Schrift – einfach „Unleserlichkeit“ herzustellen (dies gelingt ihm aber nur im Medium der Handschrift (Hervorhebung, H.A.), im gedruckten Text dürfte dies kaum noch eine erfolgreiche Option sein). An die Stelle der Unverständlichkeit tritt einfach die Unleserlichkeit (sicherlich auch eine schöne Selbstparodie der Romantik und seiner eigenen Schreibpraxis, die hier Jean Paul gelingt):

… denn da alles in Hexametern, und zwar in solchen, die nicht zu verstehen waren, verfasset sein sollte: so musste der Dichter, da ers durch keine Bemühung zur geringsten Unverständlichkeit bringen konnte …, aus Not zum Einfall greifen, daß er die Hexameter ganz unleserlich schrieb, was auch gut war. Durch diese poetische Freiheit bog er dem Verstehen vor. (Jean Paul 1995/1790, 35)“

Will man diese Praktiken also in einen anderen Jargon übersetzen, käme man vielleicht zu dem Befund, dass prä- oder frühromantisches bis hin zu romantischem Schreiben vor allem auf Operationen am Signifikat, dem aber selbst gewisse Flexibilität (Stw: progressive Universalpoetik) bescheinigt wird, ausgerichtet ist. Mit dem Einbezug oder der Verlegung des Augenmerks auf Schriftlichkeit, die in bewusster Unleserlichkeit zwangsläufig Bedeutungs- (wenn nicht Überschüsse oder Vakanzen, so doch) Unsicherheit in poetologische Konzepte integriert, werden Operationen am Signifikanten wieder mit in den Schreibprozess hinein genommen.

Oder etwas drastischer formuliert: eine so avanciertere Zeichentheorie versucht durch Wiedermiteinbeziehung handschriftlicher Signifikationseffekte Verantwortlichkeiten in der Beziehung Idee/Ausdruck umzuverteilen, was aber wie selbstverständlich und theoretisch auch in vorgängigen Konzepten romantischen Schreibens angelegt ist. Binnenspannung und Bedeutungsoszillation in einer so als Zeichensystem gedachten Produktionsanordnung, ist also unter „romantischen“ Gesichtspunkten in gewisser Weise vollumfänglich nur unter Einbeziehung von Manuskriptur denkbar. Typographika, später, verweisen also in dieser Folge (wir haben uns längst daran gewöhnt), doppelt, auf ein Präzisions- aber auch Amputationsverhältnis, das selbst im unverständlichsten Falle eine Lesbarkeit impliziert, die so vielleicht gar nicht gewollt ist.

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(9) In: Tim Hoinkis, Lektüre. Ironie. Erlebnis. System- und medientheoretische Analysen zur literarischen Ästhetik der Romantik. Bochum, 1997. S.35f. Dieses Zitat auch weiter hinten in der Ichschrift „Über die Unverständlichkeit“.

@etkbooks twitterweek (20100313)

im pdf auf s.13 auch mal ein feature über unsere mitarbeiterin & lektorin h. müller, dort allerdings in ihrem hauptjob http://trunc.it/69758 / new blog post: 2007-12-07 Die anstrengenden Tage des http://bit.ly/adpDug / ja, genau! Wo ist eigentlich subkontent.at? / new blog post: Respektive http://bit.ly/dpXySq / aus derzeit unerfindlichen gründen forwarded etkbooks.com nicht so, wie es soll. wir sind da dran … / Web 1.0: Das Cyberzine Missing Link von 1996/97. http://claudia-klinger.de/archiv/MissingLinkAusstell/ #lbn / new blog post: Einladung (zum Diskurs) (notula nova 76) http://bit.ly/diWJEb / nach dem schreck am frühen morgen: die seiten laufen wieder … #lbn / Literaturhaus Basel, Dramentag am 13.3.: „passieren“ von Elisabeth Wandeler-Deck. http://www.etkbooks.com/dlnis Mehr: http://trunc.it/66t8m / litblogs.net / etkbooks.com / abendschein.ch: temporäre Nichtverfügbarkeit der Seiten wg. Hardwarearbeiten des Serveranbieters … #lbn / new blog post: Lichtenstein, Swantje: Gespräch zwischen einer Tür und dem Raum http://bit.ly/bu6cg6 / fremdscham fressen verachtung auf. / @jurijmlotman ah, die #pipeline. ja, so pflege ich eine nice-to-read-liste … / new blog post: IVa Ichschrift und Differenz http://bit.ly/avahde / @jurijmlotman gerne! aber (stehn etwas auf dem schlauch): wann haben wir gleich hingewiesen? / die konkrete poesie heisst ja auch so, weil sie so abstrakt ist. /

2007-12-07 Die anstrengenden Tage des

von bäumen blättern blätter

feuerwerk oder war es doch ein

genau genommen ausserhalb

grünt mit palmen kleiner herbst

manchmal blendet dich nilgrün

das wetter ist hier kein thema

heu macht man hier im winter

für den sommer

Die anstrengenden Tage des Besichtigens. Das Datum schreiben. Meide Wörter auf –ung möglicherweise Lust auf Lust Endsilben zu meiden, erkundige (mich) nach eventuellen Idiosynkrasien in anderer Sprache, Arabisch? Französisch? oder nice weather today wie? wie hier vom Wetter sprechen erwähne feinste Temperaturschwankungen Lichtdifferenzen bei den Pyramiden heute es ist Freitag Gruppen um Gruppen von Kindern Mädchen Buben von Jugendlichen lachen kichern auch GANZE Familien oder 1 Familienfesttag oder die Kleinen reiten auf Kamelen Pferden oder auf das Besehen der Pharaonenbarke vergessen oder doch auch das noch mitgenommen nämlich die Erinnerung an

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