taberna kritika

2007-11-29 oder was alles weg

vielleicht auf die FORM ver oder

gegessen blitzschnelle ANTWORT

für DICH manches wie sie da wie er es da

wie es da pulst plüscht bauscht

so lieb mit so lieb mit

oder lippen saum sacht

kräuselt

oder was alles weg fiel was ich alles aus liess welches Decrescendo mir entging ich niederschrieb und nicht exzerpierte was ich nicht notierte was es hier gibt und nicht gibt und doch gibt es gibt hier nicht Stunden Schläge doch das Läuten von Glocken doch doch ich hörte täglich, ja, kurz vor sechs, ja, und dazu die Rufe die Anrufungen die kleinen Töne das Ansagen das rasche Sagen das Gerede im Reden das Anschwellen der Sätze und ihrer Überlagerungen das Ausklingen liebe Lisa (ich) lese heute aus meinen Gedichten, erwarte Kontroversen, sind die Übersetzungen nun gut, es mag an den zugrunde liegenden Originalen liegen, die ja auch nicht nach jedermanns Gusto sind ich grüsse Dich

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Schöftland: Der Schein trügt

Es bleibt offen, wen oder was dieses Publikum da taxiert, beobachtet, ablichtet, im Hintergrund Zitate einer malerischen Altstadt. Geschichte. Auf dem Bild von Floh von Grünigen, Sänger und Musiker der Berner Gruppe Schöftland, ist dieses Hauptakteur und damit werkgewordene Rezeptions- und Systemtheorie schlechthin.

Musikalisch, kann man sagen, liedtextlich nehmen Schöftland ebensolche Konstruktionen auf und spielen sie an und durch, wie etwa in “Der Schein trügt”, das auch Titelpate für das jüngste Release wurde.

(..)

doch der schein trügt

und der freund lügt

und trotzdem

und trotzdem

wollen alle auf die bühne

Das Kunstwerk (die Band, die Musik, das Ereignis, der Rahmen) formiert also ein Gegenüber und erhebt dieses selbst zum Sujet. Das zu erinnernde, festzuhaltende Ereignis ist sein Stattfinden und Dabeisein. Die Bühne wird, aus dieser Perspektive, so zur Scheinbühne, erlogen, und ihr Gegenpart, die Gegenbühne, auf die alle wollen, ist wahr und reell.

Doch auch so trügt der Schein, denn der Ansatz setzt für den Betrachter dieser Situation eine Dialektik in Gang, die in Blickwechseln auf die Bühnen, die Frage nach eigener Bühnenhaftigkeit und Inszenierung stellt.

Objektivierung könnte man diesen Vorgang nennen, und die Frage, ob man nun auf diese Bühnen wollte, wird prekär und zum Thema von Identität … Zu solchen Überlegungen laden Schöftlandlieder ein.

“Element of Blumfeld” wurden sie in Foren und bei Twitter genannt, und sicherlich nicht zu unrecht. Tatsächlich müsste man noch Namen wie Fink und Kante hinzuaddieren, alles Bands, die sich gewissermassen in Beobachtungen 2. Ordnung ausgewiesen haben, um das Koordinatensystem zu vervollständigen.

Kaum zu glauben, dass dieses Projekt ein Bernerisches ist. Auf den Tracks sind solche Spuren musikalisch verwischt. Auf der Bühne jedoch kommen sie wieder klar zum Tragen. Die Publikumsadresse, live und in Mundart, gibt der Musik wieder einen konkreten Ort, und verleiht ihr eher Authentizität, als dass sie genommen wird.

In jedem Fall hörens-, sehens-, empfehlenswert:

http://www.schoeftland.com/

http://www.myspace.com/schoeftland

http://www.chop.ch/

Clap your hands (notula nova 68)

Rückblick: http://www.abendschein.ch/site/weblog/loslabern_fast/

“Jede Sekunde stirbt ein Nichtraucher” (Titel aus dem A1 Verlag)

Überhaupt: Standbeschilderungen, Ensemble, die Trinität von literarischer Logistik um die Jahrhundertwende: “Taschenbücher”, “Roman”, “Knallerpreis”.

Wörter: Brieftheorie. Briefschuld. Situativer Gedankenauswurf. (Und, ein Romananfang eines DKZV-Autoren: “Die Nacht war unheimlich und hundemies.” Stattdessen: “Raumfahrt ist die Weiterentwicklung des Kirchturmes”, oder “Rom liegt im Kopf – Bethlehem zwischen den Beinen“)

Über Achternbusch sprechen: immer an den Rändern deftig bleiben.

Zum Konzept des Weblogs als literarästhetische DB und seiner Vorhaltungen: Überlegen, ob man nicht auch vielleicht mit httrack eine Lösung findet, aufdatierende Werke als offline-Monumente zur Verfügung stellen zu können. In welcher Weise arbeitet man da aber wieder an einer Dekonstruktion von DB? (In der NZZ vom 31.10., wieder die alten Ressentiments: Foucault als Antihumanist, und: “Die Spassfraktion der Postmoderne” … alte Sabbertante.)

Man hat geklatscht nach der Lesung. Mit diesem Klatschen hat man anerkannt: dass da etwas ist und nicht nichts. Oder: dass es Stimme war und nicht etwa Auto. (Paare: die philosophische Arbeit der Begriffsschöpfung. Die literarische Arbeit der Begriffsanwendung. Dagegen spricht: “Das Pferd im Traum des kleinen Hans ist KEIN Vatersymbol” (Deleuze))

Positiv, dennoch

1: gute Gespräche geführt

2: Bücher verkauft

3: Code gezeigt

4: Rolf-Dieter Brinkmanns Tochter kennengelernt

Dann: werden wir Teil einer Weltpremiere –

Lafleur, Stan: Die Ballade von Heidi als erwachsener Frau

seine Heiligkeit, der Rhein, massiv auf Drogen

scheint rein in die gesteinigte Botanik, kennt

da garnix, rast talab mit voll verbotner Wucht

bleibe bei uns, Herr, denn es will Abend, wer

Tag für Tag verdunkelt, s wird bös, richtig bös

Zapfenschlag. & s Wimmern von Gequältem

unterm Teppich, fühlt sich schutzlos an & weich

mit Haut aus Tannenrinde & Milch stapfen die

Männer, kennen ihre Arbeit, kennen die Angst

von ihren Großmüttern, ewig im Eis strudelnden

Seelen, verflucht, verhärmt, befirnt & von

der Kanzel herab bejagt zu jeder elften Messe

welcher Touristendepp ist zu solcher Unzeit

noch schaut er fasziniert aufs Leuchtdisplay

seines GPS, weiß er nicht daß im Gestrüpp

& aus dem Radio schallt ihr Lied, sitzt sie am

Tisch, zwei Flaschen Wein, moderne Frau

Hände & Füße leidlich vertauscht, am Denken

wie irre, die Logik verrauscht, sich allmählich

auflösend in ihrem wunderbaren Kleid, das Lied

verebbt, im Kopf beginnen die Schmerzen am

Hausaltar zündet sich die Schwarze Madonna

in Ruhe ne gekräuterte Kippe an, bevor sie

gütig ihr allerstrafendstes Gesicht aufsetzt



(c) Stan Lafleur. Geboren 1968 in Karlsruhe. Lebt in Köln als freier Autor, Journalist, Regisseur, Spoken Word-Performer. Zuvor diverse Studien, Reisen und Erwerbstätigkeiten. Zahlreiche literarische Veröffentlichungen (Lyrik, Prosa, Hörspiel) in Print, auf Audio- und Videodatenträgern, in Radio, TV und Internet. Hunderte Live-Auftritte. Ausgewählte Gedichte wurden für Zeitungen, Zeitschriften, Anthologien und Festivals ins Arabische, Englische, Französische, Italienische, Kroatische, Persische, Polnische, Rumänische, Russische und Spanische übersetzt. Erhielt für sein Schaffen verschiedene regionale, nationale und internationale Auszeichnungen.

Links:

http://www.stanlafleur.de/

http://rheinsein.de/

DOI: 10.17436/etk.c.011

Der Nullpunkt von Text (ist030)

I–II Zitat Aus Norbert Haas u.a., Im Zug der Schrift, darin: Groddeck, Textgenese und Schriftverlauf: Über Nietzsches Schwierigkeiten die eigene Schrift entziffern zu können und dessen Prinzip des “mihi ipso scribo” // Und je mehr sich die Ichschrift auftürmt, umso dringender die Frage, was da eigentlich gemacht wurde. (Nein, was gemacht wurde ist klar, gemeint ist eher: [Was] in erster Linie gemacht wurde. In vielfachen Spuren wurde der Ansatz (ein Ensemble von Ansätzen) schon im Text genannt, sodass eigentlich nur zu bündeln und zu ordnen wäre. Nachlassbearbeitung. Was in erster Linie hiesse: den eigenen Text noch einmal zu lesen und zu schreiben. Zu re[…]ieren und das (auch maschinell) Gelesene mit einzubeziehen. Hier das Nietzsche-Problem. Und eines, das zu einer [starken] Konvergenz zwischen Autolektüre und der Lektüre eines anderen […] wurde. (Unbenommen: „ich ist dabei immer der Andere wenn die Zeit verstreicht“, sagen wir, 1 Jahr vergeh[t] und das als […] III Es sei also zunächst dahingestellt. Aber noch eine andere Frage wird aufgeworfen und […] eine – schon vorbereitete – Antwort: Die der Darstellung. Die [Praktische] Lösung faksimilierter Ausgaben und Editionen wurden technisch schon [hinzugenommen] und so [reflektiert] und umgesetzt, dass von Anfang an Faksimiles erzeugt wurden, dass von den Faksimiles als Originalen gesprochen werden muss [diese] vielleicht als solche elektronisch zugängig gemacht werden können. Wie, das ist nun die Frage, und man arbeitet daran. Die Darstellung des Komplexes sollte selbst schon die Komplexität des Vorgangs spiegeln. Eine spezifische [Matrix], die den digitalen (Original-)Text ([aus] dem digitalen Notizblock) an die Grenzen eines hypertextuellen Gebildes bringen soll, so eine Überlegung // Die Schrift als faksimiliertes Selbst. Die Präfiguration des Abbilds (der Abbildungen). Die Editionswissenschaft. Das Edieren des Unvermittel[baren]. Der unmittelbare Text. Die seltsame Kluft zwischen Schrift und Text. Die textuelle Ordnung. Die Schwierigkeiten. Ichschrift und Nachlass. IV Barbarei. Weshalb lasse ich meine Seen tadeln? Verzeihe, ach date! Seltsamerweise besteht vermehrt Dulden. ist erstaunlich unscharf + voller möglicher Geschichten sodass eigentlich zu Sudeln zu ordnen wäre. den eignen Teil zu normen. Ich vergeh als leere bar. Es Sei also zu dach gestellt. Der regenarmen Frage, die der digitalen Narbe, lieb Ich, Überlege. Zink des Abbilds. Text. Oral.