taberna kritika

Leserpost

Ein Leserinnenbrief, hierzu

Lieber Hartmut Abendschein

Mein Preisgewinnbüchlein ist wohlbehalten bei mir angekommen und seit einigen Tagen immer in meiner Begleitung (Tasche, Hände, oder auf dem Schreibtisch). Vielen vielen herzlichen Dank!

Zuerst möchte ich Ihnen einfach sagen, dass das Büchlein, das ja eigentlich ein Riesenbuch ist, in seiner Mehrdimensionalität, wenn ich an seinen Inhalt und an die Bilder der einzelnen Traumtexte denke, wunderschön ist, in seiner Schlichtheit und Einfachheit, dem Material, und dem Layout. Ich habe selten so ein wunderschönes Buch in der Hand gehabt!, das aus einem Guss zu kommen scheint und mir dadurch schon viel Freude bereitet.

Nun bin ich am Lesen der Traumtexte und kann in den spielerischen WortBildSprachfluss wunderbar eintauchen. Auch die Kurven und die Passierung durch die Bildübergänge in immerneue Ein- und Ausblicke der einen Themensequenz kommen mir sehr entgegen, auch die, aus verschiedenen Richtungen kommenden Winde, die immerneue Bildern herantragen, ist mir von der Malerei und der Entstehung einer, immer wieder neu sich konzentrierenden Konzentration vertraut.

Ja, ich wage Ihnen zu sagen, dass es mir sehr vertraut ist, so Sprachbilder zu lesen und das sie mir in ihrer bildlosen Bildhaftigkeit als einen reichen Klang auch nach dem Schliessen des Buches begleiten. So das wäre mein erster Eindruck 🙂 Wenn ich alle Seiten gelesen habe, werde ich Ihnen wieder berichten.

Mit herzlichen Grüssen

m

todo

– ein lehrgedicht über die gasarten (arno schmidt, der platz, s.34)

– „Von jeder Seite betrachtet ist also die Erzählung die feinste und idealste aller Prosaformen, mehr noch: aller Literaturformen überhaupt.“ (ebd., s.35)

Ansichten eines Fauns

Meine Schreibstube ist Schraubstube

Mein Nymphensittich nur

Ein durchgereister Gast

Meine Sprache schweisst dagegen Bücher ein

(Ich schöpfe Fabeln, Geister: Eine Frau bringt einen zuhause auffällig gewordenen Käfer aus Mitleid in den Zoo. Setzt ihn da aus im Palmenhaus. (Wo niemand wandelt, ungestraft …). Erfährt drei Wochen später aus der Zeitung, dass Fauna und Flora dieses Zoos urplötzlich an einer unbekannten Ursache zugrunde gingen.)

Ich mache eine

Vertiefung in die Breite

Tätige ein

Investitionsminimum

(In Vogelfleisch Bäume lange Nächte)

Denke nach über die

Zweifache Nachnutzung meiner Welt

Dann über diese

Meiner Selbst

(Löst sich die Lust wie Licht im Abendrot)

Sei meiner Asche Friede

Auf dem Balkontisch liegt

Gespaltenes Haar

Sowie das Fehlerfinden und die

Späte Ernte meiner ungetanen Taten

(Meine Beute ist das zufällig Gefundene und stets ein Fest)

Dagegen

Wäre ich der Liebe Gott

Ich würde mich wohl auch verdrücken

(In die Schatten der Vulkane oder)

Hinein in so ein Nest

Den Schrebergarten Europas

(Rosen Lilien undsoweiter)

Sagen sie auf der Idiotenrennbahn

“It’s only botox, Baby “

Und bleib

In deiner eignen Fanzone

Freund roter Nasen

(Heute Nacht habe ich im Traum eine fremde Wohnung möbliert. Sehr rustikal, für meinen Geschmack. Und mit ganz unerhörten, nie gesehenen Möbeln. Da war ein Zugang zur Terrasse und statt der Grenze gab es Wald an Wald. Beton davor. Und junge Menschen zogen ein. Die Tür zu meinem Zimmer war ausgehängt. Ich wurde Durchgangszimmer. Am nächsten Tag: ein Low-Fi Männerabend.)

Seht

Mein Schreiben richtet sich an

Menschen nur mit ehrlicher Lektur

Drum

Will ich nichts mehr planen

Will nun flexibel bleiben

Will andere Sprachen sprechen lernen

Flöten dazu

Impossible is nothing

They say

Und deuten auf ein sizilianisch

Igelgrab auf Sylt

(Ein Dünensingen findet statt. Geleitet von dem ungewissen Herrn von Strate.)

Will weiter nichts dazu bemerken

Noch jede Ansicht trug ihr Ende

Im Gepäck

Ein Doppelrohr aus Schilf