taberna kritika

Smrt za smrt

Dass eine richtige Arbeit über Laibach angreift, weh tun muss, muss so sein. Das darf sich auch in der Verpackung äussern. Die Arbeit von Mario Jandroković (s.u.) enthält in ihrer gebundenen Ausgabe auf dem Frontcover ein aus Schmirgelpapier (Sand-/Schleifpapier) gefertigtes Symbol, das zwangsläufig den Nachbarband traktieren wird. Praktisch: Die Arbeit wird auf jedem Bücherstapel in der Bibliothek oben liegen. Unpraktisch: Beim Buchhändler um die Ecke wird, so so erschienen, das Buch kein Entzücken auslösen und möglicherweise im Giftschrank versauern …

Rückentexte löschen: Jandroković, Mario: Pop zwischen Symbolik und Politik : Musik als Kommunikation am Beispiel der slowenischen Band Laibach / eingereicht von: Mario Jandrokovi´c , 2004 . – 171 Bl. Salzburg, Univ., Dipl.-Arb., 2004 . – Slowenien / Popmusik / Kommunikation / Laibach (Musikgruppe) /

Nachfahren

Ich bekomme einen Telefonanruf von einem Herrn, dessen Name ich hier verschweige. Im weiteren Sinne ist er sogar ein Kollege von mir und sitzt vielleicht in der Luftlinie fünfzig Meter von meinem Arbeitsplatz entfernt. Es stellt sich heraus, dass Dranmor (Ferdinand Schmid) sein Urgrossonkel ist. Über eine Internetrecherche kam er auf meine Seiten und das ausführlich dokumentierte Dranmorprojekt. Es gäbe noch sehr viele Materialien, unerschlossene und private Aufzeichnungen und Hinterlassenschaften. In der Jugend des Herrn getätigte Nachforschungen, die Niederschlag fanden. Wir haben gegenseitiges Interesse. Auch wenn mein Projekt eigentlich schon abgeschlossen ist, sind hier möglicherweise wichtige Erfahrungen zu machen, Informationen auszutauschen. Vielleicht lässt sich das eine oder andere noch einarbeiten …?

Wir verabreden ein Treffen am 1. Mai. Tag der Arbeit.

das ereignis ist in mehrfacher weise erstaunlich. als wäre es in der passage In den Krähenkrieg / Genealogie (damals II,2a) antizipiert worden … vielleicht auch nicht uninteressant für die dranmor-forschung.

Komplementäre

(M06)

Die Autoren lassen bibliothekarischem Verwaltungsgebaren eher dort Gerechtigkeit widerfahren, wo sie seine Fehlentwicklungen als Antwort auf nicht weniger absonderliches Benutzerverhalten deuten. Dabei wird dieses mit ebensoviel Lust am überraschenden Detail gezeichnet, wie es üblicherweise zunächst mit der Person des Bibliothekars selbst geschieht, sodaß man verführt ist anzunehmen, Nutzer und Verwalter seien die dialektischen Komplementäre einer einzigen literarischen Anmutung – des Bibliotheksmenschen. Capotes Beschreibung einer „typischen“ Benutzerin etwa fügt sich nahtlos auch ins gängige Bibliothekarinnenklischee: Mildred – mit ihrem strähnigen Haar und den speckigen Brillengläsern, ihren fleckigen Fingern, … ihren flachliegenden Augen (…)

In: Döhmer, Klaus. – Merkwürdige Leute : Bibliothek und Bibliothekar in der Schönen Literatur. Würzburg : Königshausen und Neumann, 1982 (S. 47)

Kleine Schnitte.

Tiere, wie Du und ich.

Die Beine dem Wasser enthoben. Das Beinhaar, gezeichnet: magnetische Felder.

Ich schreibe, weil ich aus Worten bin.

Die Wörter. Im Täterschutzprogramm.

Der Vorwurf: Der Mord in Worb, wie es in den Medien hiess, sei ein Plagiat des Romans „Ein Mord in Worb“. Der Autor klage gegen Unbekannt.

Wenig, aber genug. Das Kaum deines Geistes. Im Kaum deines Körpers.

Die trainierte Stunde, sehnig, schlank, von der Zeit gehärtet. Oder: Mit dem Söhnchen einen Sandkuchen backen. In teuren Minuten, die als Sekunden zerrinnen.

Mag sein, man hat von der Vielfalt des Personals, das man Ich nennt, gesprochen.

Von chaotischem Pulsieren. Von seiner Auslöschung, zuweilen.

Aber ich kreise bei jedem Wort für Wort. Bei jedem Satz für Satz wird klarer: Ich umkreise die Teile, die – zersplittert, wie die Medien sagen – mir zugeordnet werden. Ich kreise um sie. Schneller. Regelmässig. Herdenhund meiner Selbst. Ich, kein anderer.

Die alten Wörter. Immer die alten Wörter. Nichts Neues. Daraus.

für Marcel Michel