taberna kritika

Dranmor Korrespondenz 4

Lieber Herr Abendschein,

Inzwischen ist auch eine wissenschaftliche Fassung (mit Fussnoten usw.) meines Dranmors-Aufsatzes erschienen, allerdings handelt der Aufsatz nicht nur von Dranmor. Der Aufsatz erschien in der Zeitschrift “Transit” der Univ. Berkeley, sie finden ihn unter:

“Wenn die Schweizer Heimat exotisch geworden ist. Das Thema der Heimkehr aus Brasilien bei deutschschweizerischen Autoren”, Transit, Univ. of California at Berkeley, Vol. 2: No. 1, Article 60402. (link)

Mit freundlichen Grüssen,

J. D.

PS Ich bin demnächst längere Zeit in der Schweiz, vielleicht könnten wir uns mal treffen, es würde mich freuen, mit Ihnen über Ihr Dranmor-Projekt zu reden.

Lieber Herr D.,

wenn das klappt, wäre das schön. Bin in nächster Zeit öfter mal auf Reisen, aber Sie können ja bei Gelegenheit einfach mal durchgeben, wann Sie vielleicht in Bern sind.

Bin übrigens dieses Jahr auch wieder hier dabei, lese diesmal aber nicht aus meinem Dranmor-Manuskript …

Herzlich

H.A.

4.3

im kleinen hotel // gegenüber hantieren die körper die / von uns gelösten die / vielfach von weinen und schnäpsen / geschüttelten glänzenden flächen des äusseren / inneren bis zur erschöpfung geschnauften / bewegens der hände und füsse und / stellen dazwischen in eckigen renkungen dünstend und / reibend die kissen und alles um uns / das heisst das was noch blieb / von gehäuteten körpern die / haut der geruch doch der geist oder / wie man den rest noch zu nennen beliebt blieb / klamm wartend da draussen im gang auf / dem flur in der tasche von ihr oder / mir nicht zwei geister ein einziger ist es / geworden beim werfen der endlosen sätze und blicke auf / das was uns beide seit heute / verbindet die nacht allerdings ohne / uns bis zum morgen alleine dort / draussen behaust bis ein früher gedanke an / gestern dich weckt und du morgens erwachst / neben mir vor dem fenster / gräbt einer ein sehr lautes loch //

STAFFELEI AUS BUCHSTABEN

im Gehen, im Wahrnehmen

der Fliegen auf den Schnauzen

der Jungstiere, im Glockenläuten,

im Da-bin-Ich der Kinderschuhsohlen,

die vornewegleuchten.

(Hans Eichhorn, Unterwegs zu glücklichen Schweinen, S.10, 2006)

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luftbibliothek

erst jetzt stosse ich auf diese anmerkung mit einem zitat von charles babbage in franz dodels weblog, das zunächst verwirrte, dann aber klarer und verständlicher wurde und bald eigene vermutungen (lange gehegte, vage vorgestellte, nie formulierte modelle) bestätigt. und noch weitergehend: die frage worüber oder warum schreiben* ein für alle mal beantwortete. denn es geht sehr wohl um eine sehr sehr kleine aber ganz konkrete form der einflussnahme.

10374-10378: Vgl.: Charles Babbage, The Ninth Bridgewater Treatise. A Fragment. First publishes 1837; 2nd ed. London 1838; Chapte IX., On the Permanent Impression of our Words and Actions on the Globe we inhabit: “The pulsations of the air, once set in motion by the human voice, cease not to exist with the sounds to which they gave rise. […“> The waves of air thus raised, perambulate the earth and ocean’s surface, and in less than twenty hours every atom of its atmosphere takes up the altered movement due to that infinitesimal portion of the primitive motion which has been conveyed to it through countless channels, and which must continue to influence its path throughout its future existence. […“> Thus considered, what a strange chaos is this wide atmosphere we breathe! Every atom, impressed with good and with ill, retains at once the motions which philosophers and sages have imparted to it, mixed and combined in ten thousand ways with all that is worthless and base. The air itself is one vast library, on whose pages are for ever written all that man has ever said or woman whispered. […“>“

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* wenn wir das schreiben nicht nur als grundlage und vorstufe des gesprochenen wortes (voice), sondern analog, die bewegungen des schreibens und die dadurch verursachten druckwellen als akkumulierbar, speicherbar oder sonstwie (atmosphärisch) repräsentierbar vorstellen. weitere stichworte: schallarchive, lichtbildarchive, druckwellenarchive, luftliteratur