(Materialien zu DTmF, als Ergänzung zu diesem Thema)
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p.s.: vier der stoffe (nr. 001, 003, 006, 010, aus der anfangsphase der serienentwicklung) sind gerade erschienen in: außer.dem 13 (1/06)
(Materialien zu DTmF, als Ergänzung zu diesem Thema)
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p.s.: vier der stoffe (nr. 001, 003, 006, 010, aus der anfangsphase der serienentwicklung) sind gerade erschienen in: außer.dem 13 (1/06)
auf umwegen nach hause // beschwören die blätter / da war einmal jemand den / kannte ich gut so / wie sonst niemand andren so / gut wir beschlossen uns nie / mehr zu kennen so / eisern und eng unsere nähe die / wieder entfernte uns hierhin und dort / hin so weit wie nur möglich auf / diesem planeten und doch / wird es wieder ein sich sehen / geben ein wieder und wieder sich sehen auf / ein wiedersehen in anderen körpern und köpfen in / zeiten und unzeit vertrauen die wieder und wieder / sich sehen sich wahrscheinlich wieder / zu sehen / bin ich mir fast sicher //
Man sitzt wieder darüber. Und das betrifft immer auch die tatsächlichen (auch: konstruierten) Referenzen innerhalb der drei (s.o.) Textblöcke des Dranmor-Projektes. Man muss vielleicht von einem dreischichtigen Modell der Selbstrezeption und zitierung sprechen, oder von einem Schreiben*-und-Lesen Dritter Ordnung (im Falle slm). Hat sich der überschreibungen-Part noch ausgiebig an der Dranmor-Haupttextvorlage bedient, nimmt sich der slm-Text (in Ausschnitten) von den überschreibungen. Gemeint sind die klein dargestellten reflexiven Einlassungen des Ichs, was die Auseinandersetzung mit seiner imaginären Leserin/Lektorin angeht. Slm ist also, was das ganze parasitäre Textgefüge angeht, sicher einerseits derjenige Text, bei dem am meisten Unterbau vorhanden ist. Andererseits soll er ein Fliesstext werden, der noch am ehesten für sich selbst stehen kann …
*einem scheiternden schreiben und lesen. und ja, liebe h., vielleicht sage ich es nicht zum ersten mal, vielleicht aber jetzt zumindest am explizitesten: dranmor ist eine bartlebyade.
(Materialien zu DTmF, Signaturelement: descriptor)
der, wie behauptet, auch title sei, um für weitere nötige Verwirrung zu sorgen. Über einen Artikel über Gregory Crewdson (Der Bund, 8.6.06. zu seiner Werkschau in Winterthur) werde ich angestossen. Über verstörende Bilder, die eben nicht einzeln von ihm getitelt, sondern einer Reihe ein mehr oder weniger kryptischer Reihentitel verpasst wird, heisst es. Und: er legt keine Fährten mit Bildunterschriften, sondern will, dass die Betrachter, die Betrachterinnen auflaufen in ihren ganz eigenen Phantasien, die seine Bilder auslösen.
Als ursprünglich die Idee aufkam, die Materialien zu signieren und auch zu erschliessen, gab es noch die Vorstellung, ein kontrolliertes Vokabular zu entwickeln und anzuwenden, sodass innerhalb des Materials auch natürlichsprachliche Beziehungen und Hierarchien sichtbar würden (Fährten). Nun, es hat sich etwas anders entwickelt. Vergeben wurde eine Art descriptor oder auch Phrase, die etwas über den Inhalt der jew. kleinen Form erzählen sollte. Viel mehr Spass machte es mir aber, mir jeweils einen Titel auszudenken, der vielleicht gerade noch zum jew. “Stoff” passte. Der also sehr wohl dazu assoziierbar war, und als solcher auch Assoziationen auslösen sollte, der die kleine Form aber nicht als Ganzes einfing, sondern sogar auf den Holzweg schicken konnte. Der descriptor fungiert also mittlerweile auch als Titel-Element. Und damit konnte auch ein alphabetisches Register angelegt werden, das in seiner Seltsamkeit schon wieder wie ich denke Auskunft gibt, über die Stossrichtung des Projekts. Das Register wurde somit auch wenn man so will – zu einem “handlungstragenden” Element der Stoffserie.
Man erinnert sich an einen Roman. Das heisst: man erinnert sich an Bilder, die ein Text erzeugt hat mit unserer Hilfe. Keine konkreten Ereignisse, aber Stimmungen. Situationen: ein Bahnhof, vielleicht. Im Herbstlicht. Ein Kaffeehaus in Salzburg. Ein Koffer auf einem Marktplatz in der kleinen Stadt. Nicht der Roman hat diese Bilder (die Pflastersteine, die den Koffer grundieren, den der Held vergass) erzeugt. Er gab nur Anlass. Unsere Erinnerung hat sie moduliert. Einen Roman zu lesen, ist immer auch: sich zu erinnern. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
eine alte rezeptionstheorie, eigentlich. die privaten wortaneignungsverhältnisse bestimmen das identifikatorische moment im lesen. der roman ist aber auch die summe der aneignungen. will sagen: nicht der roman ist fiktional, sondern die akte der lektüren. spricht man also vom roman, muss von der nicht zu beziffernden summe der lektüren des romans gesprochen werden.