taberna kritika

100

falsches licht

[das nicht sichtbare licht. oder: das nicht reflektierbare licht. wir sind dem spiegel zugewandt: DU bist nicht zu sehen. ich stehe in deinem schatten. du stehst im falschen licht.”>

Karaoke-Bars, Regelpoetiken

“Bei Bibliotheksbesuchen können Sie die absurdesten (…) Funde machen (…)”

In: Porombka, Stephan: Kritiken schreiben.  Ein Trainingsbuch. S.29. Konstanz, UVK, 2006

addendum. sie stehen in zweiter reihe. vor ihnen auf der bühne eine junge frau (oder ein junger mann) mit einem mikrophon in der hand, singend, lippen bewegend. sie sind entzückt. sie freuen sich. sie freuen sich aber nicht, weil ihnen die darbietung sonderlich gefiele oder diese gelungen wäre, sondern, weil sie den refrain wieder erinnern, den sie gleich mitgrölen werden. sie befinden sich übrigens nicht in einer karaoke-bar, sondern in einer rezension, die auf grundlage obigen buches geschrieben wurde …

2.1

auf umwegen nach hause // beschwören die blätter / da war einmal jemand den / kannte ich gut so / wie sonst niemand andren so / gut wir beschlossen uns nie / mehr zu kennen so / eisern und eng unsere nähe die / wieder entfernte uns hierhin und dort / hin so weit wie nur möglich auf / diesem planeten und doch / wird es wieder ein sich sehen / geben ein wieder und wieder sich sehen auf / ein wiedersehen in anderen körpern und köpfen in / zeiten und unzeit vertrauen die wieder und wieder / sich sehen sich wahrscheinlich wieder / zu sehen / bin ich mir fast sicher //

||: Lesen / Schreiben / Bearbeiten :||

Nun wird eine Einordnung schwierig, was aber in der Natur der Sache sich verwischender (Gattungs-)Grenzen selbst liegt. Dieser kleine Eintrag könnte/müsste sowohl in den Rubriken Dranmor, überschreibungen oder auch sie liest mich (slm) auftauchen, da er sie alle gleichermassen betrifft. Er taucht hier an übergeordneter Stelle auf, auch, weil genau an dieser Stelle eine Filialisierung und Vernetzung wohl am besten sichtbar wird.

Man sitzt wieder darüber. Und das betrifft immer auch die tatsächlichen (auch: konstruierten) Referenzen innerhalb der drei (s.o.) Textblöcke des Dranmor-Projektes. Man muss vielleicht von einem dreischichtigen Modell der Selbstrezeption und –zitierung sprechen, oder von einem Schreiben*-und-Lesen Dritter Ordnung (im Falle slm). Hat sich der überschreibungen-Part noch ausgiebig an der Dranmor-Haupttextvorlage bedient, nimmt sich der slm-Text (in Ausschnitten) von den überschreibungen. Gemeint sind die klein dargestellten reflexiven Einlassungen des Ichs, was die Auseinandersetzung mit seiner imaginären Leserin/Lektorin angeht. Slm ist also, was das ganze parasitäre Textgefüge angeht, sicher einerseits derjenige Text, bei dem am meisten Unterbau vorhanden ist. Andererseits soll er ein Fliesstext werden, der noch am ehesten für sich selbst stehen kann …

*einem scheiternden schreiben und lesen. und ja, liebe h., vielleicht sage ich es nicht zum ersten mal, vielleicht aber jetzt zumindest am explizitesten: dranmor ist eine bartlebyade.