taberna kritika

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Das Gartencenter ist eine andere Welt. Schon am Eingang hinter gleitenden Glastüren schlägt uns dichter, schwüler Dschungel entgegen. Ein Señor erklärt uns die Rosen und seine Liebe zu Pflanzen. Und Bäume und Sträucher, von kleinen Quellen umflossen, Schlangen darauf mit fünfsieben Wirbeln und unendlichen Schwänzen; sie tragen Früchte: lydiae narratae. Der Duft runzliger Zieräpfel aus Kakanien und anderen, schon lange abgebrannten Regionen und ein paar unbestimmte Feinstaubpartikel in humider Luft. Wie in der Sauna, sagen wir, und mit grosser Salust: Hier ist alles, das Universum, Pommes Frites und auch Erquickung an einem lieblichen Hain.

Dann wandern wir weiter. Ein Staudamm befindet sich gleich in der Nähe des Ausgangs. Dorthin zieht es uns mit nur ein paar kleinen Förmchen im Gepäck. An der Kasse klickt und piept etwas. Der Kassierer zieht unsere Karte ein.

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IN REINKULTUR – was ist der widergang denn anderes als auf-

erstehung vom phrasenruch und der stumpfheit der staben?

(Ulf Stolterfoht, traktat vom widergang, o.S., 2005)

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Im Mittelalter hat man sich nicht schlafen gelegt. Phasenweise. Angst und Respekt vor dem Liegen als Körperposition des Todes, oder: die Assoziationen und Erwartungen dieser Stellung zu einem Geschehen letalen Zusammenhangs waren einfach zu gross. Man ist stehen geblieben oder hat sich, später wenigstens, auf einer Art Fauteuil in Schräglage gebracht, um dann ein wenig zu dösen, belehrt er mich. Ich schweige dazu, rolle mich von ihm ab und öffne die Fensterläden. Ich drapiere mich quer über mein Sofa und entzünde ein Streichholz.