taberna kritika

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Der neue Nachbar war zu Gast. Der neue Nachbar ass für sein Aussehen mit Anstand und auch beim Gastgeschenk liess er sich nicht lumpen. Erst nach dem Nachtisch wurde ihm seltsam. Dann, beim Cognac liess er die Maske fallen.

Die Hörner, die überlange Zunge, das heisere Röcheln und sein leicht animalisches Odeur schienen um so liebenswerter, denn man offenbarte uns ein wahres Gesicht.  Hinter der schlanken, feuerrot vernarbten Front zeigte sich eine aufgedunsene Mondlandschaft mit weissen Punkten. Die linke Wange zierte ein zur Seite gewehtes Flachsbärtchen und über der tiefen Stirn prangte ein gestreifter Russenhut. Selten hat uns der Abend so unangenehm berührt.

zur erklärung (s.a. dtmf 70)

Schwitzt Wahrheit nicht? (1)

(…) Ist diese vermeintlich so grelle und zynische amerikanische Popliteratur in alledem nicht unglaublich viel näher an unserem Alltag im 21. Jahrhundert als die gegenwärtige deutsche Erinnerungsliteratur vom Schlage Wildenhain, Jirgl oder Geiger? Ellis’ Prosa hat sie einfach, jene «horrible texture of truth», von der wieder mal nur im Originaltext die Rede ist. Mit «roch entsetzlich nach Wahrheit» ist das nicht übersetzbar. Denn die Wahrheit schwitzt nicht, sie ist kein Zersetzungsprodukt, sondern eine Textur. Und egal wie viele Leichenteile herumliegen: Texturen riechen nicht, schon gar nicht im Pop.

Moritz Bassler über Bret Easton Ellis (Lunar Park). Vgl. aber anh.

80

Die Halbwesen sitzen schräg oben auf Klippen und geben ihr bestes seine rasante Fahrt zu unterbrechen. Er bewegt sich, nicht in Gedanken, die hätte er lange schon unter Kontrolle gebracht, meint er, unaufhörlich unter seiner warmen Decke mit durchwachsenen Ohren durch den dunklen Raum. Er sucht Land und Frau und einen schönen Ort für die letzten Tage.

Die Halbwesen geben ihr bestes, aber sie wissen nicht, dass es nicht mehr reicht, nur noch Töne abzusondern. Der Ton will Gesang sein und Sprache und noch tiefere Tiefe haben, um in die Ohren zu dringen. Törichte Sirenen! Wisst ihr nicht: wer träumt, der verleiht seine Ohren. Sie sind die Augen der Nacht.