taberna kritika

EDWARD HOPPER

Zwei Nachtschwärmer

in jener Stadt, die nie schläft.

Hinter ihrem Rücken die Finsternis,

vor ihnen die leuchtende Leere,

und Mr. Ganymed füllt ihre Gläser

mit tödlicher Stille.

(Günter Kunert, Ohne Botschaft, S.23, 2005)

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der willige postbus

an den leser/die leserin, der/die seit einiger zeit mit grosser hartnäckigkeit versucht, hier einen text oder informationen zu den suchworten der willige postbus zu finden: sie müssen sich nicht weiter bemühen. ich kann mich nicht daran erinnern, jemals etwas darüber* geschrieben zu haben.

* aber bitte helfen sie mir: was genau suchen sie oder stellen sie sich darunter vor …

Klappentexte

Beobachten wir einen Leser in einer Buchhandlung: Er nimmt ein Buch in die Hand, schlägt es auf, blättert darin und ist, für ein paar Augenblicke, völlig von der Welt getrennt. Er lauscht jemandem, der spricht und den die anderen nicht hören. Er nimmt zufällige Satzfragmente auf, schliesst das Buch und betrachtet den Umschlag. Dann vertieft er sich oft in den Klappentext, von dem er sich eine Hilfe erwartet. In diesem Moment öffnet er – ohne es zu wissen – ein Kuvert: Die wenigen Zeilen ausserhalb des Buchtextes sind in der Tat ein Brief: der Brief an einen unbekannten Leser.

(aus: Das unendliche Buch. Der Klappentext als Brief an den unbekannten Leser. Von Roberto Calasso)

auch eine Idee, die möglicherweise schon umgesetzt wurde. für hinweise dieser art bin ich natürlich sehr dankbar. auch eine idee aber, die mich schon lange umtreibt und die als kleine form, haben Die Träume meiner Frau also ihre 100-stoffe-grenze erreicht, vielleicht endlich umgesetzt werden könnte, nämlich

eine serie mit fiktiven klappentexten zu schreiben.

natürlich habe ich mich dabei wieder an alban nikolai herbsts erzählideen-beitrag vom letzten jahr erinnert, die man über diese form aufgreifen und umsetzen könnte. es wären also kleine metatextchen zu texten, die bislang noch nicht, unvollständig bzw. nur in autorenköpfen existieren. ob ich o.g. ideen herbsts aufgreifen kann/darf, muss ich noch abklären …

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Was also können wir dafür, dass der Boden eines von uns angemieteten halben Zimmers, dreihundertzwanzig D-Mark, achtkommafünf Quadratmeter, auch von der Obermieterkatze bewohnt wird? Da sind Obermieterkatzenhaare überall und das, was passiert war, konnte schliesslich jedem passieren. Irgendwann fällt ein nasses Hemd zu Boden und es war sicher nicht auszuschliessen, dass das eine oder andere Haar daran kleben bleiben wird.

Da muss man nicht cholerisch werden. Da muss man nicht das Hemd noch einmal einzeln waschen wollen und einen dummen Satz sagen. Da muss man sich nicht wundern, wenn man sich am anderen Morgen mit einer durchgeschnittenen Kehle findet.