Lieferbar: Uns trägt das Angesungene.

Uns trägt das Angesungene.

Mögliche Texte

Dominik Riedo

CLXXX) Ein Buch in Gebärdensprache.

Möglichst pervers.

(Klappentext)

Kann Skizze Werk sein? Wo fängt ein Werk an? Wann und warum hört es auf? Welche Akteure sind daran beteiligt? Was bedeutet das für die Autorschaft?

“Uns trägt das Angesungene” beschäftigt sich in performativer Art mit solchen Fragestellungen. Dominik Riedos “Mögliche Texte” sind Ideenskizzen von noch zu schreibenden Romanen, Erzählungen, Essays etc., in deren – zuweilen flapsigen, mündlich anmutenden – Vorwegnahme das ganze Drama unserer Endlichkeit und Kultur der Optimierung steckt. Das Buch wird in der schamlosen Ausstellung seiner (Un)Fertigkeit zur doppelten Allegorie einer offengebliebenen Korrektur.

Oktober 2014, 88 S. in Farbe , 19 x 12 cm, Klebebindung

ISBN: 978-3-905846-31-7, €12 / 15 SFr

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Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 09/2014)

Bald-bald, bald-bald

Ruft’s aus dem Wald

Bald-bald, bald-bald

Mach ich dich kalt

Das ist der Sept, der Herzensbrecher der späten Zeit; er wedelt Frischblut mit dem Fächer.

Warum leben, wenn man als Offen-Leger der rechtlichen Untaten anderer (der aktuellen Meinungs-Macher) so wohlfeil gehenkt werden kann?

Spoken Brot. Mein Vater mit dem Gebiss im Brot. Letzthin.

Wie gut man über Qualen der Knabenjahre lächeln kann. Umgekehrt gilt das aber auch …

Ich zweifle, also ist etwas.

Es wird Herbst. Ich erlaube es. Trotzdem blüht mir, den Blättern zufolge, bald schon eine saftige Strafe.

Für die XXX und ihr Untier, ein kleines Märchen: Es war einmal ein kleiner Fehler, den viele Volkspopulisten machten: Sie verwechselten Demokratie mit Mehrheitsdiktatur. Dass Minderheitenschutz ein essentielles Element einer Demokratie ist, war ihnen nicht bewusst. So wurde ihnen auch nicht bewusst, dass kein ›Volkswille‹ (Riecht ihr die Erde?) über alles, alles in der Welt gehen darf, wie zum Beispiel störende Menschenrechte. Jaja, und das ist schon fast das Ende.

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Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 08/2014)

FEUERBACH UND DER SÜDEN – EINE REISE GEN ITALIEN (REPRISE UND FORT-SETZUNG)

Wenn wir sprechen, sind uns für das, was wir sagen können, verschiedenste Schranken gesetzt: Unter anderem von der Grammatik der verwendeten Sprache, von den äußeren Umständen des Sprechens, von der besprochenen Wirklichkeit, von der Logik. Poetisches Sprechen versucht, sich von einzelnen oder mehreren solcher Einschränkungen zu befreien; und zwar so, dass dabei gegenüber den gewöhnlichen Verständigungsweisen nicht nur eine Störung, sondern zugleich ein Gewinn herbeigeführt wird.

Das kann auch auf die philosophische Grundhaltung Feuerbachs übertragen werden: Die Tatsache, zur Gattung Mensch zu gehören, ist für Ludwig Feuerbach nicht ein das Individuum ausschließlich belastendes Erbe. Sie ist vielmehr Angebot und Herausforderung für den Einzelnen, die Schranken des Stammes zu durchbrechen, innerhalb des Menschseins freier zu werden in der singulären Abweichung vom Allgemeinen. Neben dem sprachlichen Kunstwerk sieht Feuerbach vor allem die sexuelle Sozialbeziehung als sehr direkte Möglichkeit, das Leben individuell zu gestalten: Einfach gesagt schon nur im Gegensatz zu dem, was früher wildes Fortpflanzen war.

Wenn Goethe nun auf seiner Italienreise auf dem Rücken seiner Geliebten die metrischen Rhythmen der gerade entstehenden Gedichte sich vorklopfte (»Oftmals hab‘ ich auch schon in ihren Armen gedichtet / Und des Hexameters Maß, leise, mit fingernder Hand, / Ihr auf den Rücken gezählt, sie atmet in lieblichem Schlummer / Und es durchglühet ihr Hauch mir bis ins tiefste die Brust.«), so vereinigt er genau diese beiden Elemente: In der Liebe die Freiheit der Lyrik (Abweichung) vom sonst vorgegeben Rhythmus des Sprechens und Lebens (Norm).

 

 

Nach der ersten Liebesnacht. Sie werden, sagt er, dieses Zimmer niemals mehr verlassen. Er hat über Nacht die Fenster und Türen zugemauert. Sie aber zieht den Vorhang weg und sieht die Straße draußen, die Menschen, die Autos. Das habe er getreu nachgemalt, ihm gefalle das wie eingefrorene Bild des Daseins draußen. Nein, sie solle das nicht weiter berühren, die Farbe brauche noch etwas Zeit, um ganz zu trocknen. Morgen dann sei es wunderbar. Sie geht und legt sich ins Bett.

Im Moment unseres Sterbens durchleiden wir innerhalb einer Millisekunde unser gerade vergangenes Leben 666 Mal von neuem: die Qual, der Schmerz! (Verriet mir ein kleiner Zwerg mit Schere in der Hand …)

She loves you bla bla bla.

 

 

Ich möcht‘ ins Grab

Mich legen an

Sie

Ich möcht‘ ins

Grab mich legen an

Sie

Alles nur

Nicht ich

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Lieferbar: Entropia, oder Hochzeit auf dem Lande.

Entropia, oder Hochzeit auf dem Lande.

Erzählung

Michael Perkampus

Das hat’s lang nicht gegeben: zerpolterte Pfeifenerde; The Magic Of Porcelain; Akkordeon=Spül, Sechsämtertropfen; das ganze Dorf ein schmuckes Kästchen, von oben bis unten bemalt mit der Farbe Nostalgie, sowas wie das Idealbild des Idafeldes auf Atlantis nach Plato; wenn man sich vorstellt, wie das alles hier einmal lustgärtnerisch entstanden sein muß: Pavillon, geckernde Damen=Echos, Perlenregen, Hütchen: hüh-hotte-reite-bloß-nicht-so-schnell-ich-stürze-ja-sonst; sag doch bitte jemand, daß das nicht meine Zeit ist! Kam ganz gymnós von den letzten Luperkalien zurück. Sag doch bitte jemand, daß das genau meine Zeit ist! Von Festen bin ich ganz angetan; als sei die Zeit gar nicht vorhanden, alles rauschend: die Krähen der Zeit: »Wieviel Cornix bleibt uns denn noch?« : Ich in Schweinel=Häuten; ich vor einer gefüllten Schale Eicheln: ich, Pelasgos. (Klappentext)

“Das ist ein wunderbarer Prosatext. Erinnert an die Wucht des Arno Schmidt, er: der Text schwirrt mir vor Augen und Ohren – haben Sie Dank. Ich freue mich darauf, dieses MS als Buch vor mir liegen zu sehen.”

Friederike Mayröcker

Rosarium Philosophorum. Die chymische Hochzeit von Rex & Regina findet in einem kleinen oberfränkischen Dorf, das allerdings durchaus seine Historie hat, seine Entsprechung in der Andeutung einer festlichen Vorbereitung. Mehrere Entitäten versuchen sich in der Darstellung der Geschehnisse, und immer wieder aufs Neue scheitert deren Versuch. Scheinbar unzusammenhängende Passagen, scheinbar nicht zueinander passende zeitliche Abschnitte, teils aufgespalten in apokalyptische oder orgiastische Bilder dominieren. Andeutungen verdunsten im Sprachgewühl: dies alles in einer unzeitgemäßen Orthographie gehalten. Diese Hochzeit wird somit auch als symbolistisches Gebilde ‘bricolagen’ Erzählens gefasst, das die Absicht hat, über die Ränder jeglicher begrenzter Realität hinauszugehen und die Grenzen der Sprache nicht anzuerkennen.

MEHR: http://www.etkbooks.com/entropia/

Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 07/2014)

RUMMS

Knall gegen den Bordstein

Klapp die Augen zu

Und blas die Sternchen aus

Uff, da kommt kaum Luft

Das letzte Lichtlein

Brennt noch ein wenig

 

Fragt der Zwerg: Wie bringt man eine lange lange Frau unter die Haube?

Diese zwei Katzentypen: Maika wollte nach der Spritze, die sie ohnmächtig und schmerzlos machte, noch weglaufen, obwohl der ganze Hinterleib von der Krankheit gelähmt war. Sie zog sich mit den Vorderbeinen vorwärts, es zerriss einem fast das Herz. – Nosi dann schaute mich nur erlöst an, weil der Schmerz endlich weg war, egal, was dann noch kam.

So sind die Menschen vor dem Tod auch verschieden. Wie sollte es anders sein?

Warum schreibst du so viel? – Damit es Herbst wird.

Was ist die Welt? Als ich als Kind beim Lastwagenschlauchrutschen auf einem steilen Abhang hoch in die Luft geschleudert wurde und die umliegende Welt ‹normal› sah, dann auf dem Kopf, ‹normal›, auf dem Kopf, wusste ich, bevor ich hart aufschlug, dass das, was wir kennen, nicht immer das ist, was auch noch sein könnte.

Es passierte mir wieder, als ich einen Unfall hatte: Mir tat es heftig weh und ich hatte Schleier vor den Augen, auch schwarze Punkte, die sich nach innen drehten. War da die Welt getroffen? – Als mein Freund kurz danach auch hinfiel auf dem Spielplatz, wusste ich: Von außen sah es nach nichts aus. Ein Kind fiel hin, na und. Aber für ihn wurde seine Welt düster. Bis er von seiner Mutter gestreichelt wurde und getröstet.

Nachtstadt: Joseph Roth und James Thomson: Sie gewöhnten sich das Saufen nicht ab und blieben dafür, was sie waren: Schriftsteller am Rande der untergehenden Welt.

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