Gleichmütig traurig wie schwebende Seekühe.

International stranger. – Viele Male starrten meine müden Augen in sein Angesicht. Und jedes Mal strahlte er zurück, ritt immer wieder aufs Neue in den Sonnenuntergang. Er, „le cowboy dans la solitude de la vie sauvage“. Ich, der Abgerichtete unter vielen im Neonlicht.

In einer halben Nacht gelang es einer Maschine und ihren Hilfsarbeitern, das höhnende Bild von Billy The Kid für die französische Ausgabe eines deutschen Waffenjournals 40.000fach zu reproduzieren.

Gestern Sport. – Er bewegte sich wie ein animiertes Knetmännchen, dem sie jedes dritte Bild gestrichen hatten.

Einsam, verlassen, voller Erinnerung – ihm war wie ein Kinderspielplatz im Winter.

Wir lachen mit dem Tod, den wir in unserem Zwerchfell spazieren tragen.

Gleichmütig traurig wie schwebende Seekühe.

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Ihr Lob des Flexiblen dient immer nur den gleichen Zwecken.

Für Pascha und Tiger. – Tiere wachsen uns anders ans Herz. Leiser, ferner, unbemerkt. Und erst wenn sie gestorben sind, wird uns gewahr, wie sie es auch erwandelten. Vor ihrem Grab bleibt ein Tierkern zurück. Und wir lauschen in uns einsam seinem Selbstgespräch.

Weltschnipsel. – “Die sieben Konterrevolutionäre wurden am langen Sams… äh … letzten Samstag hingerichtet.” (SAT 1, „SAT-Blick“, 22.6.1989)

Das Harmlose wurde existenziell: das Geplauder am Gartenzaun übers Wetter.

Ihr Lob des Flexiblen dient immer nur den gleichen Zwecken.

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Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 06/2011)

Brauchtum: Spezialform der Tyrannei.

Von der Überlegenheit der Schreibkunst: Schreiben ist ja nicht (nur) ein ›Spielen‹ mit Worten; es ist auch ein stetig hochkomplexer Versuch, die Intelligenz selbst, alles Wissen und unsere Mitteilungsmöglichkeiten davon neu zu arrangieren und zu komponieren. Das ist zum Beispiel bei einem Bild nie möglich. Auch wenn es mathematisch exakt aufgebaut werden kann, ist da nur noch Mathematik drin, nicht gleichzeitig noch alle möglichen Überlegungen etwa zur Methode selbst und tausenderlei in der Welt und im Kopf (also jenseits der Augen). Und doch ist ein Text oft mehr mit Wärme gefüllt als ein Bild. Nur die Musik schafft es auch noch, diese doppelte Höhe der Komplexität und Fülle allen Denkens gleichzeitig mit einer Empfindungswärme zu versehen, die solche Kunstwerke nie zum Kitsch werden lässt.

Der Tod als das Eindringen der absoluten Banalität ins Reich der Literatur.

Der bärenstarke, junge, heldenhafte Soldat: Ich werde sie alle killen. Ich werde der größte Held meines Landes sein. Ich werde –

Der kleine Profi: (knallt ihn ab)

Der Kollege des Bären, ein ebenso trainierter, schöner, junger, stolzer Mann: Mein Bruder! Ich werde Dich rächen. Du sollst nicht vergebens gestorben sein. Ich werde –

Der kleine Profi: (knallt ihn ab)

Nehmt doch den Dichtern endlich die Ostsee weg!

Kain opferte nur Pflanzen, Abel auch Fleisch; Gott gefiel nur das Opfer von Abel, was dann letztlich zum Todschlag führte. Gott ist eben ein Schweinehund.

Aber die Hölle wollte keinen Bauchrednerquasisprechanonymus aus mir machen. Sondern ich soll die mögliche Wahrheit weniger den tauben als den leisen Ohren mit dem Federvieh Computer predigen. Federn übrigens haben auch die Gelehrten hinter den Ohren, die mit all ihren Federn gleich wie die Vögel mit ihren ganz befiederten Ohren besser hören als mancher mit seinen nackten langen Ohren.

Hochgradig närrisch sind die, die glauben, das Glück des Menschen beruhe auf dem Wesen der Dinge selbst. Denn nichts ist echt. – Sich täuschen zu lassen wäre also nicht arg? Es wär das einzig Ungetäuschte. Weil das Gefühl echt sein kann.

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