Von Thomas Morawitzky erschien am 4.1.2013 ein Porträt über Hartmut Abendschein und Projekte wie etkbooks und litblogs.net in den Stuttgarter Nachrichten. Den Artikel können wir hier leider nicht zum Download anbieten, vermitteln diesen aber gerne auf Anfrage …
taberna kritika
Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 12/2012)
Echte Tragik ist zu allen Zeiten ein Ärgernis: Die einen finden es absurd, andere lächerlich, wieder andere staatsgefährdend
Der Geisteszustand kann als Landschaft geschildert werden. Die Landschaft kann als ein Geisteszustand geschildert werden. Wer sieht den Unterschied?
Nur äußerste Schwäche der Einbildungskraft führt dazu, dass jemand immer und immer wieder reisen muss.
Das Teditative der Kunst: Sie und damit die Zeit, das Leben soll lang weilen.
Wann ist ein Leben nicht ein Leben? Wenn Eindrücke ohne Zusammenhang keinen Wunsch nach Zusammenhang wachrufen?
Aber was denkst du auch. Du hast noch fünf Tage. Oder besser gesagt fünf Nächte. Das hat dir der Arzt gesagt. Und auch angedeutet, dass sie voller Qual sein werden. Gelindert nur durch etwas Morphium. Und anderen heftigen Schmerzmitteln und starken Beruhigungstropfen. Um dich selbst in den letzten Stunden noch ruhigzustellen. Nur nicht auffallen. Auch im Tode nicht.
Ach, hör doch auf. Warum willst du noch bitter sein in den letzten Momenten deines Lebens? Schließlich hast du das Dasein selbst zumindest ab Mitte des Lebens immerhin als ein Geschenk begreifen können. Wir wissen nicht, woher wir kommen, wir wissen nicht, warum wir sind, wir wissen nicht, wohin wir gehen, aber immerhin sind war da. Als eine Art heller Schein zwischen der vorangegangenen Nacht voll Dunkelheit und einer nachfolgenden Nacht. In diesem knappen Abschnitt ist uns die Gabe gegeben, nachdenken zu wollen, nachdenken zu können. Sofern uns der Körper nicht schmerzt und ständig ablenkt.
Am Ende ist also der Leib. Jetzt sind die Schmerzen da, die dich nur noch sehr vermindert denken lassen.
Es ist, wie es ist. Und wie es ist, ist es fürchterlich.
Zum Blog Salzkristalle & Trüffelpilze
21 (wort des jahres 2010)
Du und ich
In dir das Meer, die Wellen, helle Strände,
geheime Tiefen, weites Firmament.
In mir die Dürre, Wüste ohne Ende
und toter Kies, auf dem Geziefer pennt.
In dir die Kammern wunderbarster Schätze,
okkulte Schönheit, Glanz vom Orient.
In mir die traurig abgeschiednen Plätze,
wo Müll verrottet, stinkt und schwelt und brennt.
In dir, gleich der Akoya, feine Perlen.
In mir Gerümpel, Reste, Schrott, Zerfall.
Und doch wählst du mich unter all den Kerlen.
Sag mir, Geliebte, hast du einen Knall?
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