taberna kritika

Jede Negation beginnt mit einer Bejahung der Zeit.

In uns tobt so vertraut die Angst, daß es uns gelang, den einst heiligen Wahn ins Fürchterliche, Kranke zu verschieben.

Verfallsgeschichte der Systeme: von Großgehegen zu Laufställen am Abgrund.

Das Helle zieht mich tiefer hinab.

Wie trunken, wie gierig malt uns das Lebendige die Wirklichkeit! Wie schematisch und routiniert skizziert der Realist das Leben.

Jede Negation beginnt mit einer Bejahung der Zeit.

Das Unmittelbare ist eine komplizierte fixe Idee.

p42

Concert bruitiste (notula nova supplement 22)

Nachtrag zu Spieltheorien (notula nova 31)

Hugo Ball

Simultan Krippenspiel (Concert bruitiste)


Aufführung: »Große Soirée« am 31.5.1916 in der »Meierei« in Zürich, Spiegelgasse 16.

Vorgetragen von Hans Arp, Hugo Ball, Emmy Hennings, Marcel Janco, Marietta di Monaco, Tristan Tzara

Ein Krippenspiel. Bruitistisch

I. Stille Nacht.

Der Wind: f f f f f f f f f fff f ffff t t

Ton der heiligen Nacht:

hmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm

Die Hirten: He hollah, he hollah, he hollah.

Nebelhörner. Okarina – – – – crecendo. (Steigen auf einen Berg) Peitschenknallen, Hufe.

Der Wind: f f f f f f f f f f f ffffffffffffffffffffffffffffff t.

II. Der Stall.

Esel: ia, ia, ia, ia, ia, ia, ia, ia, ia, ia, ia, ia, ia,

Öchslein: muh muh muh muh muhm muh muh muh muh muh muh muh (Stampfen, Strohgeräusch, Kettenrasseln, Stoßen, Käuen)

Schaf: bäh, bäh, bäh, bäh, bäh, bäh, bäh, bäh,

Josef und Maria (betend): ramba ramba ramba ramba ramba – m-bara, m-bara, m-bara, -bara- ramba bamba, bamba, rambababababa

III. Die Erscheinung des Engels und des Sterns.

Der Stern: Zcke, zcke, zcke, zzccke, zzzzzcke, zzzzzzzzcccccccke zcke psch, zcke ptsch, zcke ptsch, zcke ptsch.

Der Engel: (Propellergeräusch, leise anschwellend, tremolierend, bis zu erheblicher Stärke, energisch, dämonisch)

Ankunft: (Zischen, Zerplatzen, Bündel von Licht in Geräuschen)

Lichtapparat: flutet weiß weiß weiß weiß weiß.

Fallen aller Mitwirkenden: erst auf die Ellbogen, dann auf die Fäuste. So, daß zwei Geräusche entstehen, die zusammenhängen.

Plötzliche Stille: – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

IV. Die Verkündigung.

Geräusch der Litanei: do da do da do da do da dorum darum dorum do da do, dorum darum, dorum, darum, do da do, do, doooo.

Tutti: Muhen, Iaen, Ketten, Schalmeien, Gebet, Stern, Schaf, Wind.

Stilisiertes Lachen: H a ha. haha. haha. haha. haha. haha. haha. haha.

Steigerung bis zu höchstem Lärm. Tanz nach gepfiffener Melodie

Der Engel: Dorim darum dorum darum, dorum darum, dododododododododooooo (das Ende des »doooooooo« sehr schmerzlich und bedauernd)

V. Die heiligen drei Könige

Der Stern: Zcke zcke ptsch, zcke zcke zcke zcke zcke ptsch! zcke zcke ptsch! ptschptschptschptsch. zcke zcke ptsch ptch ptsch.

Die Karawane der drei Könige: Puhrrrrr puhrrrr (Schnauben der Pferde, Trampeln der Kamele).

Die drei Könige: rabata, rabata, bim bam, rabta rabata, bim bam ba, rabata rabata rabta, rabata bim bam. bim bam. bim bam.

Glöckchen der Elefanten: Bim bim bim bim bim bim bim bim bim

Flöten

Trompete: Tataaaaaaaaaaaa! tataaaaaaaaaaaaaaa!

Schnauben der Pferde: Puhrrrrr, puhrrrrrrrr, puhrrrrrrr.

Wiehern der Pferde: Wihihihihih, Wihihihihlhi, Wihihihlhih.

Kacken der Kamele: Klatschen der Hände mit sehr hohler Fläche.

Der Stern: Zcke zcke zcke ptsch!

VI. Ankunft am Stalle.

Eine Kerze leuchtet auf. (Der Saal war vorher verdunkelt. Man sieht jetzt die Orchestermitglieder. Sie haben schwarze Tücher umgeschlungen, so daß ihre Gestalt verschwindet. Sie sitzen außerdem mit dem Rücken gegen das Publikum)

Josef: Bonsoir, messieurs. Bonsoir, messieurs. Bonsoir messieurs.

Esel und Öchslein: Ia ia ia ia ia ia a ia, muh muh muh muh muh muh

Geräusche von Kupfergeräten, Klappern von Kannen, Stoff-, Taft-Geräusche, Gläsertöne, Schöpfen, Rieseln, Schlüsselgeräusche

Josef: Parlez-vous français, messieurs? Parlez-vous français, messieurs?

Die heiligen drei Könige: Ah, eh, ih, ohm, uh, ah, eh, ih, oh, uh! aih, auhh, euhhh, eh ih, oh uhhhh! Ahhhhhhhhhhhhhhhh!

Maria (pfeifend): Schlaf Kindlein schlaf! Schlaf Kindlein schlaf! Schlaf Kindlein schlaf! Schlaf Kindlein schlaf!

Josef: kt, kt kt potz! kt kt kt kt Potz! kt kt kt kt potz!

Jesus: schmatzend schmatzend schmatzend schmatzend schmatzend.

VII. Die Prophezeiung.

Plötzliche Hammerschläge. Nageln. Rattern. Klappern.

Zurufe der Knechte: He hollah! he hollah! he hollah!

Zymbeln, Pfeifen, Johlen, Volksmenge Bellen.

Die Pharisäer: Rabata, rabata, rabata, rabata, sallada, salada, sallada, sallada, sallada, sallada, sallada, rabata bumm, rabata bumm, rabata bumm, rabata bumm.

Die heiligen drei Könige: oh oho oh oh oh oh oh oh oh oh oh oh (sehr schmerzlich)

Esel und Öchslein (sehr schmerzlich): Muh iahh, muhhhhh, iahhhhh, muhhh.

Lamm: bähhhhhhh, bähhhhhhhhh, bähhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!

Klagelaute der Maria: Ahhhhhhhhh, ahhhhhhhhhh, ahhhhhhhhhhhhhhhhh!

Glocken und Glöckchen: Bim bam bum, bim bam, bum, bim bam, bum. Gong gong.

Nageln: – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Und da er ward gekreuzigt

Da floß viel warmes Blut.

Krippenspiel

I.

Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei ihren Hürden. Die hüteten des nachts ihre Herde. (Wind und Nacht. Ton der Nacht. Signale der Hirten. (Tzara: kleine Laute. Peitschenknallen)

II.

Maria aber und Josef lagen im Stalle zu Bethlehem auf den Knieen und beteten zum Herrn. (Während Ball und Janco beten, diesen Text wiederholen. (Schalk muh, Schlüssel. Arp: bäh, Strohgeräusch.)

III.

Am Himmel aber leuchtete der hellste Stern über dem Stalle von Bethlehem. Und siehe der Engel des Herrn machte sich auf und erschien den Hirten. Und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie. Und sie fürchteten sich sehr. (Stern, Brausen des Engels, ganz stark, dann Cymbel. Lichtapparat und Fallen. (Janco.) Pause.

IV.

Und der Engel sprach zu ihnen: fürchtet euch nicht, denn siehe: ich verkündige euch eine große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr. (Do da do des Erzengels, dann Freude tutti. Steigerung. Crescendo. Dann: do da do doooooo des Engels)

V.

Und die Weisen aus dem Morgenlande machten sich auf mit ihrer Karawane, mit Kamelen, Pferden und Elefanten, die reich mit Schätzen beladen waren, und der Stern führte sie. (Stern, Wiehern und Schnauben der Pferde, Gang der Elefanten, Sprechen der Könige, Trompete. (Tzara; Arp), Glöckchen. Der Stern. Alles schwellend und abschwellend)

VI.

Und sie fanden den Stall und Josef begrüßte sie. (Bon soir, messieurs) Rabata rabata. Muh. Bäh.) Aber Josef verstand ihre Sprache nicht. (rabata, rabata.) Tzara: o mon dieu, o mon dieu (Schlaflied Emmy, Ah eh Tzara ih oh der Könige. Dann ah eh ih verstummend. Nur noch Gesang der Maria, Laute. Schmatzen des Säuglings und Beten: ramba rambaramba.) Pause.

VII.

Maria aber bewegte all diese Worte in ihrem Herzen. Und sie sah einen Berg und drei Kreuze aufgerichtet. Und sah ihren Sohn verspottet und mit einer Dornenkrone gekrönt. Und sie kreuzigten ihn. Aber sie wußte, daß er am dritten Tage wieder auferstehen werde, verklärt. (Johlen der Menge). Rabata rabata (Janco), Tzara: Pfeifen. Ball: He hollah! Nageln. Schalk: Klappern. Arp: bäh bäh. Rabata Rabata, sallada. (Crescendo) Nageln und Schreien. Dann Donner. Dann Glocken.

(Quelle)

Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 01/2012)

Leidglocke: Wann immer einer unglücklich ist, soll die Glocke des Königs läuten – der König schläft nicht mehr. Sooft jemand auf der Welt unglücklich ist, soll eine Glocke zu(r Idee von) Gott klagen – auf Erden geht der Ton von Glocken nie unter.

Ob man die Menschen so klein züchten könnte, dass wenigstens viel mehr Platz hätten auf der Erde – wenn sie sich schon alle fortzeugen wollen? (Allerdings verfriert ein Zwerg in Menschengestalt.) Aber es würde das Problem wohl einmal mehr nur aufschieben …

Das Bleibende, das Wiederkehrende, das Vergängliche, das Tote.

Die Sympathie läuft der Begründung immer ein Stück voraus und ist oft unanfechtbar. So bleiben Urteile selbst dann problematisch, wenn sie rational begründet werden.

Der Traum von der Objektivität der Erkenntnis ist ausgeträumt. Sowieso: Es ist stets mehr drauf angekommen, mögliche Prozesse der Gewinnung von Daseinswerten zu erhaschen, als endgültige Resultate vorzuweisen.

Stumm lauscht der Chor der Totenmasken ins Archiv der ewigen Stille: Was ist nicht leer wie unsere Augen? Was ist nicht hohl wie unsre Nasen? Was nicht gefühllos wie unser Weiß?

Liebe ist nicht immer Zuphall.

Ein Kunstwerk ist wie ein besser zu handhabendes Kind: Man erträgt allen Frust im Leben, weil man sich immer einredet: »Aber dafür entsteht ja ein Werk!« Und später, wenn die ›wirklichen‹ Kinder anfangen, sich gegen die Eltern aufzulehnen, ist es bei einem Buch immer noch so, als würde es alles akzeptieren. – Aber im Hinblick auf Jahrmillionen: Ist das tatsächlich alles so?

Was schreiben wir anderes als Alternativ-Biographien? Selbst wenn wir über Ameisen schreiben.

Zum Blog Salzkristalle & Trüffelpilze

Das Herz von Reika Teruaki











































Quote „Ich trage die Fotos von zwei Frauen mit mir. Zwei Frauen, die mir helfen wollten. Sie wollten, dass ich meine Einsamkeit in die Tasche wegpacke und die Tasche aus dem Fenster werfe. Ich habe stattdessen ihre Bilder in die Tasche gepackt …“ (S.31)
Source Das Herz von Reika Teruaki, Autor Nicoleta Craita Ten’o, Verlag tredition, 2011, 68 Seiten
Keywords Ausstellung, Tasche, Bücher, Bilder, Schuhe, Fotografien
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Produced 02.09.2009, 08:16 AM
Added 02.12.2009, 04:57 PM
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@etkbooks twitterweek (20120204)

spott funktioniert erst dann richtig gut, wenn man “immitieren” korrekt schreibt. / die literarische häkeldeckchenfraktion mit super-ego. / Ich bin der Schneider Cacadu … / nbp: Die Routinierten – die Huren der Angst. bit.ly/yvfFZb / @stoffelstab naja, macht nichts. reclamzitate gaben sowieso immer abzüge in der b-note & diejenigen magerer googlescans sind kaum beweisbar. / (RT @etkbooks) On Tour mit Art & Language und Niklas Luhmann / Christian Matthiessen / Kulturverlag Kadmos Berlin #pipeline /@stoffelstab die neuen cover sind aber schon so etwas wie ein abschiedsgruss an das klassikergeschäft. / reclam my ass. / nbp: Literapedia Bern bit.ly/ynyeHh / nbp: Rücktrittbremse bit.ly/zohTzy / nbp: Die Geliebte des Doktor Colbert bit.ly/z0kZ9d / Users who installed this also installed: / @etkbooks Vor allem ein Abschied an den Titelgestalter, will mir scheinen. / @etkbooks Oder wie wir in den wilden 90ern sagten: “Reclam the street!” / nbp: @etkbooks twitterweek (20120128) bit.ly/z9eiN1 / deine aura versperrt die sicht auf den text. PLUS: Gedanken zur kommenden Abstimmung zur Buchpreisbindung in der Schweiz aus Sicht des Leitmedienwechsels: http://wiki.doebe.li/Beat/DieAbloesungDerBuchdruckgesellschaftMitGesetzenAufhalten



(text vs. aura)