taberna kritika

Starwriter Graphik (notula nova 81)

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Aha, der Graf von Monte Schizo

Nachträgliche Erklärung zur Kafkaedition (on demand): Der Text als Problemperformance. Die Auslotung von Rand und Begriff: Gattung, Werk, Text, Lektüre, Edition, Ikonographie usw.

F, Fidelité (Treue): (Der Hut, der Spiegel, das Gesicht mit Zigarette, die Kommode. Das gespiegelte Bücherregal. Das Obst in der Schale. Ein Stapel Schriften. Eine Lampe. Ein grüner Stuhl.) Die Geste, kurz bevor sie Bedeutung bekommt. Der Charme. Und: Freundschaft ist Komik. Und: Die Freundschaft als eine Bedingung des Denkens. Und: Die Emanation Foucault.

Andererseits ist der Mensch die Identität der Dinge. Ist seine physische Adresse der Fingerabdruck jeder Entität. (Plötzlich, epiphanisch: Der leere Moment.)

Überhaupt: gibt es kein gleiches Recht im Unrecht (H. Eichel). (Die Computer der Zukunft werden mit uns reden können, als wären wir Menschen.)

Unter diesen Voraussetzungen und Annahmen muss vielleicht “Werk” nicht mehr als Adressierung oder Signatur auf einer Zeitachse verstanden werden, sondern eher als Vektor, besser: als vektorielles Kontinuum sichtbar gemacht werden. (Vgl. Starwriter Freestyle Graphik)

Architextur: Aufblitzen des Erzählens

Günter Eichberger porträtiert Elisabeth Wandeler-Deck und Da liegt noch ihr Schal

(…)

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Ein Nicht-Ort ist Sihlbrugg, allerdings nicht im Sinne einer positiven Utopie. An der „Durchfahrlandschaft“ baut sie gleichsam weiter, nicht mit Baumaterialien, sondern mit dem Material der Sprache. „Hänge weitere Architekturen hinein mit ihren Personenfiguren – es entstehen Architexturen. Es blitzt Erzählen auf.“ So nimmt Gestalt an, was gar nicht da ist, wenn auch „nur“ als Text.

Ist das Motel im Buch „Da liegt noch ihr Schal“ nun ein reales – eben jener nach amerikanischem Vorbild in die Schweizer Landschaft „gepflanzte Fremdkörper“ – oder eine Art „Memory Motel“, das aus Erinnerungen zusammengesetzt ist und im nächsten Moment des Vergessens in sich zusammenstürzt, wie in der Nummer der Rolling Stones und einem Theaterstück von Wolfgang Bauer? Wandeler-Deck zitiert dazu aus Peter Eisenmans „Aura und Exzess“: „Fiktion wird zur Simulation, wenn sie ihren fiktionalen Zustand nicht als solchen erkennt, sondern versucht, einen Zustand der Wirklichkeit, der Wahrheit oder der Nicht-Fiktion zu simulieren.“

Die Türen, die nach draußen führen – Pforten der Wahrnehmung – , machen das Motel erst aus. Von innen können wir das Gebäude nicht sehen, wir müssen uns ins Freie, „ins Offene“ begeben.

Und wie liest sich das?

„Oh rufen wir, dem Text die Haut abziehen! Dem Gebäude die Haut abschälen!“ (Laut Roland Barthes ist die Sprache eine Haut: „Ich reibe meine Sprache gegen die andere. Sie ist, als ob ich Wörter anstelle der Finger hätte oder Finger an der Spitze meiner Wörter.“ Und aus dieser Reibung entsteht die Lust am Text.)

(…)

Mehr: http://www.gat.st/pages/de/nachrichten/4255.htm

X Die andere Wahrheit des Texts

Und der OCR-Anteil im Gesamt? Das ist doch auch „Fremdtext“ oder autorschaftlich fraglicher Text. Wie wäre etwa dessen Qualität zu beschreiben? (bhfr)

Es wurde oben (II, IVa, VI) schon angeschnitten und soll hier noch ein wenig weiter erläutert werden. Analog zum Verhältnis der Fremdautorschaft und deren wechselseitigen Einverleibung in den Text (in die Texte) muss noch einmal auf das der Fremdleserschaft hingewiesen werden. Jenem Textanteil also, der in der Form einer Optical Character Recognition (OCR) (16) wieder als Ichschriftelement auftaucht. Das Verstehen, d.h. das Nicht- oder Missverstehen (die Varianz) ist also, je nach Tagesform der Handschrift, grösser oder kleiner, aber immer gegeben, da der Zustand wie beim „Training“ eingefroren wurde, auch: ein gewisser Nullzustand des potentiellen Texts, wohl nicht mehr erreicht werden kann. Typischerweise entstehen also Abweichungen, die aber wie selbstverständlich zum möglichen Apparat von Lektüre hinzugezählt werden müssen. Diese „misreadings“ können und sollen also (vgl. o. Derrida) unter dem Aspekt poetischer Produktivität gesehen werden, einerseits, weil diese Textabweichungen durch ihren spezifischen Rekurs (das Trainingsprogramm, die Aneignung meiner (Ur-)Schrift durch die Software) eine andere Wahrheit des Texts bedeuten, und diese Wahrheit der Misslektüre selbst wieder, nun auch als maschinelles Phänomen, das poetische Prinzip a) dieses Textes und b) dieser Anordnung bzw. c) des Schreibens insgesamt, präsentieren.

Oder auf diese Weise: Die Abweichung als ästhetisches Surplus und – innerhalb eines Ichschriftelements – die Konfrontation der zwei Textqualitäten (die Handschriftlichkeit, das Typographem), dieser Dualismus erinnert mich auch sehr an einen Chiasmus der Art: Das unlesbare Lesbare verschränkt sich mit dem lesbaren Unlesbaren. Diese Bereiche sollen also einen Dialog (17) darstellen, der, wenn man unverschämterweise so will, auch noch einmal an populärpsychoanalytische Vorstellungen von Befragungs- und Wechselspielszenarien erinnern könnte.

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(16) Hier: doch eine etwas zu allgemeine bzw. unscharfe Feststellung. In das Erkennungsverfahren wurden auch automatisch Teile anderer Erkennungsdienste hinzugezogen, z.B. der Kontextanalyse wie bei ICR-Verfahren (Intelligent Character Recognition) üblich. Generell, da diesem Lektüremodus ein Trainingsprogramm vorausging, muss vielleicht sogar von einer IWR-Methode (Intelligent Word Recognition) gesprochen werden. Da mir die exakte Arbeitsweise des Programms aber nicht im Detail bekannt ist, spreche ich hier vorzugs- und neutralerweise allgemein von einer „Lektüre“ bzw. „Fehllektüre“ (reading / misreading). Das Ergebnis dieser Lektüre, das “Verstehen” der Maschine, wird ja nur in dem Moment relevant, wenn aus diesem (miss-)verstandenen und rein formal decodierten Text, neue, andere, abweichende Verstehens- und Schreibimpulse erzeugt werden sollen. Eine qualitative Bewertung dieses Fremdverständnisses interessiert hier also primär nicht.

(17) Die OCR/Misslektüre als 4. Element wird allerdings in einer anderen Abteilung selbst wieder transkribiert. Das nun nichtmaschinelle Erkennenwollen des als Abweichung Erkennenswerten bedeutet freilich eine Rückholung des Textes in den Bereich menschlichen, semantischen Verstehens. Folglich sind im Gesamttext des Werkes also diverse Dialogsituationen angelegt, die – ohne diese weiter zu differenzieren oder zu benennen – keine symmetrische Dialogizität insinuieren sollen.

@etkbooks twitterweek (20100417)

„Eine große Pfütze Herzblut im Wohnzimmer gefällig? Gewinnt eine Wohnzimmerlesung mit Oswald Henke” http://www.oswald-henke.de/ #grübel / Zwinkertext #wörter / unterirdisches börsenblatt: http://bit.ly/bWe7Uy . (via @Lotree) #lbn / wahrscheinlich handelt es sich aber eher um ein strukturelles problem./ Aschechaos #wörter / fehlen gerade die worte zu sagen, warum etwas weniger falsch ist, als das andere./ vielleicht wird man sie in 50 jahren aber auch mit gleichem beigeschmack futuristen nennen. /interessant! der medienticker schweigt. und erfreut sich lieber an pr-zitronen der woche. http://www.perlentaucher.de/artikel/6145.html #lbn / @goncourt das erklärt auch den zwang zur binärdifferenz in anderen abteilungen … / ok. jetzt hab ichs kapiert. habe alle “man“s im text automatisch durch “ich” ersetzen lassen & bekomme nun 1 ahnung von kontur … / goncourt: @etkbooks Die von jeder konkreten geschichtlichen Kriegssituation abstrahierte Archetypisierung des “eigentlich Soldatischen”, Affirmation./ goncourt: @etkbooks «was das Soldatische eigentlich ausmacht». Mit der Sprache fängt die Positionierung doch schon an. / @goncourt kann darin beim besten willen keine position finden, wobei eine verschleierung von position natürlich auch position ist. qed. / goncourt: @etkbooks Was für ein peinlicher Text./ da fällt uns doch wieder ein versuch von #hettche “über das soldatische” ein. http://trunc.it/792mv (das gut verdeckte denken der position) / new blog post: Wenn Literatur sich im Werk erschöpft http://bit.ly/9tTzFP / new blog post: 2007-12-12 mehr als vollendet oder http://bit.ly/bld2Y2 / Alles nochmal gelesen. Neuer Lieblingssatz: “Bei alldem geht es um eine Teilhabe an Literatur, deren Zugang nicht mehr primär der Text ist.” / wir erhalten eine “Ausschreibung zur Buchmesse Peking 2010”. hm. warst du da schon mal, schatz? / sollte mich langsam wirklich “Helmut Abend­schein” nennen, sooft, wie man falsch geschrieben wird. dann wird der impactfaktor besser … / “Internet und Literatur gehen nicht zusammen? Unsinn!” ANH zu hettche in freitag http://trunc.it/72dfy #lbn / ja, das neue lesezeichen ist da! http://www.litblogs.net/inhalt-012010/ (wirklich gute ausgabe, diesmal …) #lbn / Schwabenscherz #wörter / new blog post: Private Voodoo (WM-T-Shirt-Collection / Thomas Blaser) http://bit.ly/aR7dlD / schon wieder server down … ☠ … #lbn / RT @steffenmeier: RT @hasiewicz: Deine Enkel werden wissen, was du getwittert hast: Library of Congress erwirbt Twitter-Archiv #lbn / verd***t! re:publika verpasst. naja, dann schau ich mir halt irgendwann die wiederholung an. / die produktions- und rezeptionsästhetik des haiku als klingelton. / “schrieb als erste[r] [gattung] für [medium]” #écriture #titlehype #journalismus / “vom metrischen Handwerk völlig unberührt gebliebene Zeilen” #wörter / new blog post: Reibe den Shenshu (notula nova 80) http://bit.ly/cDS4To / “Was sind statistische Gedichte” ? http://hor.de/was-sind-statistische-gedichte.html #lbn / @goncourt immerhin: 3 1/2 zitatjahrgänge in der gedenkecke http://trunc.it/7271i / Rolf Dieter Brinkmann, Die Welt als Ungeheuer http://trunc.it/76v9i / zwei hunde kämpfen / ein herrchen lacht ein andres / weint früh am morgen / Gerontometer #wörter / new blog post: Simon, Christoph: einen kleinverleger http://bit.ly/dcgvB2 / nur zu “(Digitale Literatur aus Zürich)” @textunesberlin: wir sitzen, falls geographisches eine rolle spielen sollte, in bern. / oh. die BC als “fundstück der woche”. merci @textunesberlin … http://trunc.it/726pv / Verlage_Online: RT @volandquist: Mit erwähnt: “Schmidt liest Proust” – RT @“Neue Wege auf den Buchmarkt: Blogger veröffentlichen ihre Werke” http://trunc.it/6tbk5 / http://www.splitstory.com/ #lbn /