taberna kritika

Rheinsein Pp.

Dieses hübsche Unikat von Stan Lafleurs Rheinsein erreichte mich kürzlich. Den in Schaffhausen lebenden Schwiegereltern hat Ansichtskarten vom Rheinfall („volle shampoonade!“) so gefallen, also will ich ihnen das Exemplar noch eine Weile lassen und vielleicht später etwas darüber berichten.

Doch zur Edition: Als Hommage an den außergewöhnlichen, unterdessen weltweit und nun sogar in Deutschand stilbildenden argentinischen Verlag Eloisa Cartonera versteht sich der Berliner PapperLaPapp Kartonbuchverlag, der mit Auszügen aus Rheinsein seine literarische Existenz beginnt. PapperLaPapps Kartonbücher werden auf Recyclingpapier xerografiert, getackert und nur in kleinen und kleinsten Auflagen hergestellt. Die große Besonderheit: handbemalte Kartonumschläge verwandeln jede Kopie in ein Unikat. Bemalt werden die Bücher zunächst in Workshops von Schülern, Künstlern, sonstigen Interessenten.  (…) Nach Deutschland importiert wurde die Kartonbuch-Idee vom Berliner Dichter und lyrischen Südamerika-Experten Timo Berger, der längere Zeit in Buenos Aires lebte. Daß die Idee um die Welt geht, beweist u.a. auch ein fundierter, lediglich im Schlußabschnitt mittlerweile überholter englischsprachiger Artikel in The China Post vom 06. Januar diesen Jahres. Eloisa Cartonera veröffentlicht vor allem zeitgenössische und avantgardistische lateinamerikanische Literatur, aber auch mit der Verlagsidee sympathisierende internationale Autoren. Ziel dieses Projekts ist Hilfe für die auf der Straße lebenden Cartoneros (d.h. Altpapiersammler), denen der Verlag die Kartons abkauft, sowie das finanzielle Überleben der Gründerdichter. Ehemalige Cartoneros und Arbeitslose fungieren als ehrenamtliche Verlagsmitglieder. Die Textseiten der Eloisa-Bücher werden in einen Einband aus Karton gearbeitet, der von den Arbeitern frei und farbig gestaltet wird. Mehr / Bestellen …

Form follows medium (notula nova 74)

Und, zu entwerfen: Eine Theorie der Geschichte der Formgrenzen. Und eine Praxis ihrer Abbildung entlang der Grenzformen. Und eine Art und Weise des Zeigens und Sprechens über. (Die “Theorie der kleinen Form” ist vor allem eine Rezeptionstheorie. (Jede Menge Theorietransfer und Debatte mit RH zum KF-Begriff. Als Verteidigungswerkzeug, nicht als Waffe. Leider undokumentiert. (Darum der insgeheime Wunsch eine private Dokumentations- und Verschriftlichungsapparatur zu besitzen. Indianer zu werden. My private surveillance archiver. Ein httracker für Sprachhandlungen und andere Äusserungen.))

Überhaupt: die Umspielung von Sprache mit Sprache. Von Text mit Text. Vollbewässerung. Urbarmachung. Pflanzung. Nildelta. Tidenphänomene. Undsoweiter.)

Zur Überprüfung eine(r) Metapher: Hauff lesen. Und: Das kalte Herz Europas. (Ja, sagt der Text. Ich will deine Zeit. Ich bin das Begehren 2.0. Ich bin narrative Keramik, undsoweiter.)

Weitere Wörter:

Präferenzursprungseigenschaft

“Nur über Indien, konnt ich nichts findien” (liegt quasi auch auf der Hand, da haben wir aber gelacht.)

(Und: Heute Nacht schon wieder von Kampfhunden geträumt.)

Und: “ersatz father” (Hier ist “ersatz” der Ersatzvater in “ersatz father”. Dann, im Zug nach Mailand, die Simulation zurückgelegter Distanz und noch zurückzulegender Distanz via Screen, googlemaplike. Wie in den Flugzeugen. Die Visualisierung von Fortschritt und Bewegung als Visualisierung von Fortschritt und Bewegung des Schienen- im Medium des Luftverkehrs. Zwischendrin und immer mal wieder: weisse Berge, Gletscher, Luftaufnahmen von Geschichte.)

Oder, etwas nüchterner, technischer: Die “kleine Form” als kleinstes, nichtpragmatisches Element eines literarischen Weblogs. (Damit wird auch der gattungsdekonstruktivistische Ansatz sinnvoll. Tatsächlich (vgl. Redaelli) wird jede kleine Form, egal auf welche Gattungstypika von Gedichten, Kurzprosa etc. ursprünglich angespielt oder abgezielt wurde, zwangsläufig zur kleinen Form im Kontext des spez. Mediums harmonisiert.)

Nicht aber: das kulturkritische Kunsthandwerk. (Dieses hat, ausser seiner eigenen Form, keinen Begriff für das Andere.)

III Kleine Formen, Semiose

In I. erläuterst Du, welche Bedeutung und Folgen für Dich selbst die eigene Handschriftlichkeit besitzt. Welche Folgen hat darüber hinaus das handschriftliche Verfassen von Texten etwa in formalästhetischer Hinsicht und nicht zuletzt in Hinsicht auf den Inhalt des Textes und sein Bedeutungspotenzial? (sja)

Zu schreiben, oder überhaupt: an ein Schreiben zu denken, ausgehend von einer Idee, die sich noch auf der Suche nach ihrer Form befindet, einer kaum umrissenen Einheit also, die sich bislang lediglich in einer Wolke von Begriffen (tag cloud) zusammenziehen könnte, näherte ich mich dieser Unternehmung, wie auch schon einigen vorangegangenen, über ein Denken in Modulen, oder vielleicht besser: einem, wie bei vielen Schreibenden üblich, Erzeugungsprozess von kleinen Elementen, die in sich schon gewisse poetische Spuren oder Kerne, Ansätze oder Skizzen hinsichtlich eines Themas tragen, also möglicherweise einen Satz von Variablen darstellen, die aber offen genug sein müssen, als Gerüst und Baustelle eines grösseren Zusammenhangs zu dienen, gleichzeitig aber auch als unabhängige, frei stehende Skulptur figurieren könnten, soweit und insofern ausgeführt, dass ein klarer Gedanke oder eine Idee, zumindest extrahierbar, ableitbar oder zu erahnen wäre, dies wenigstens mit einigen, wenn auch kleinen Schnittmengen zu Elementen mit vielfach anderen „Variablen“. Dies sollte ein Grundzug sein dessen, was ich (auch jenseits aller klassischer Gattungen) immer wieder „kleine Form“ (oder deren Sammlung) nannte, und die auch hier eine Rolle spielen soll.

Waren frühere kleine Formen und deren Verbünde ganz oder hauptsächlich fiktionale heterogene (Die Träume meiner Frau), fiktionale homogene (Dranmor, ein Passagenroman) Mischtypen aus Sach- und fiktionalem Text (Bibliotheca Caelestis), so geht dieser Ansatz noch einen Schritt weiter und bezeichnet als „kleine Form“ o.g. Amalgam unterschiedlichster Textsorten. So gesehen, können also in einer (Ichschrift-)Einheit narrative, poetische, prosaische, assoziative, automatische oder automatisierte, deskriptive und transkriptive Passagen ineinander übergehen oder sich miteinander in Beziehung setzen, bzw.: sie werden miteinander konfrontiert. Erklärtes Ziel war es ausdrücklich nicht, solide, abgeschlossene Texte zu fabrizieren, die dann auf Kohärenz analysiert werden könnten, sondern – so oder so – ein Ergebnis anzustreben, eine Schrift, ein Schriftstück, das einen gesamten ästhetischen Prozess abbilden konnte, aber unter einem anderen Modus der Bewusstseinsübung. Vielleicht mag man das ein stark strukturalistisch beeinflusstes Verfahren nennen, aber, wie gesagt, soll diese Produktion, da nicht wiederhol- oder verfeinerbar, auf stabilen Parameter aufbauen, die ein spezifisches Gewebe oder Geflecht, zumal mit offenem Ausgang konzipiert, – und vor allem jenseits üblicher literaturkritischer Gattungsdiskussionen oder Bewertungen – sprachlich auch wieder einzufangen vermag. Mit der hier also als Variante oder Spezialgattung vorgestellten „kleinen Form“ soll also nicht eine poetische Schablone im herkömmlichen Sinne gemeint sein, sondern die Poetizität einer Textur meint hier gleichzeitig noch eine weitere, produktionsästhetische Kategorie im wortwörtlichsten Sinne mit. Das Hinzudenken der Bildlichkeit des Produkts und die Planierung (Nivellierung) inhaltlich ureigener, divergierender Textmuster durch die Oberfläche eines gleichgestaltenden Zuges (der Handschrift, nämlich).  Weiter zu untersuchen, ob dieses Verfahren auch auf (fremder) Rezeptionsseite fruchtete oder bestimmte Effekte zeitigte, kann nun leider nicht von dieser Schrift geleistet werden. Aber aus eigener Beobachtung heraus, bin ich versucht zu sagen, dass, was die Beurteilung des eigenen Textes angeht, eine über die Handschrift produzierte, kleine Form tatsächlich qua solcherlei Massnahmen der Ästhetisierung von heterogenen Texten, und zwar viel mehr noch als „kleine Form“ im o.g. Sinne gelesen wurde, als sie (6) bei der Wiederbeschäftigung mit diesen den Eindruck erwecken konnten. Oder, zeichentheoretisch gesprochen: arbeitet handschriftliches Schreiben direkt oder hat Einfluss auf den Inhalt eines Textes. Und: die Verbindung von Signifikant (Handschrift) und Signifikat ist eine andere, als letzterer mit typographischen Signifikanten.

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(6) vgl. Transkriptionsseiten, unten

@etkbooks twitterweek (20100220)

@bov morbus bohlen? / Verleger Egon Ammann als “Blick“-Kolumnist http://www.boersenblatt.net/362990/ (staun.) … #lbn / new blog post: 2007-12-04 (ich) liebe am Wasser http://bit.ly/czvntk / mauszfabrick: @etkbooks nicht dass ich wüsste, wäre aber amüsant; sollte generell mal wer machen / @mauszfabrick wurden die von hegemann auch verarbeitet? / @verlagsreport paul boldt hätte aber seine freude an ihr gehabt … / huiuiui. ganz schön viel flash für ne 4stündige lesung … http://www.uv-lesung.de/ #lbn / aus der laokoondebatte sollte man aber auch mitnehmen, dass intertextuelle verfahren rein gar nichts mit sampling zu tun haben … / Ein ma(h)lendes, dominantes Nagerchen mit seinem Gott als privat-öffentlichen Herrensignifikanten. Eignend. http://bit.ly/aXEDlN / new blog post: Kleine Abschweifung (notula nova 73) http://bit.ly/aXEDlN / new blog post: Über das Schreiben als Bauen und Entwerfen II http://bit.ly/9WmPmI /binary turn #wörter / new blog post: Kölner Trilogie III: Aschermittwoch http://bit.ly/932HDo /und: vergnügt sein, heisst einverstanden sein. / new blog post: isla-volante-literaturpreis 2010 http://bit.ly/csL3QX /new blog post: II Materie, Material, Materialität (Zu den Rahmenbedingungen) http://bit.ly/d5QeIw / new blog post: Kölner Trilogie II: Rosenmontag http://bit.ly/bsbrgg / @goncourt das hakerl der veröffentlichung. /