taberna kritika

2007-11-09 wir assen 1 Reisgericht

legt fällt zieht dunst be

rührt habe dich so gern ohh

zu spät ver hängt verhang

spät ge sero te amavi späte

quaste zipfel des schleirigen

dunst vor dem sehen vorsehen

vor dem anrühren liebte dich

lieben liebe die 1x sagen

hoppla nicht zu spät ohh

wir assen 1 Reisgericht etc. Lichtkoloraturen lokale Couleurs einer Schleierhaftigkeit sass mitten in der Wohnung mitten in Freitagspredigt ob das wohl angehe mitten in der Wohnung mitten in Gebetsschallraum und wie es dir wohl gehe ich grüsse dich oder sass seufzend anseufzend gegen diese nicht zu übersehende Entblössung der Schamlosigkeit, die sich zeigt und zeigt, nicht zufällig, des Politischen, was sich jedem und jeder darstellt, verhängt im Umgang, der Rede, unsichtbar gemacht im Skandal des Nehmens als Geben wir spazierten durch die Viertel es waren Handwerker oder vom Nationalen gesprochen man merkt sich Unterscheiden und wird es ununterscheidbar gemacht worden sein

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Schreiben aber, als wisse man, nicht zu wissen … (GuU06)

In der kalten Küche. Nach einem chimarrão Basteleien an der Struktur und die halbnüchterne Notiz: “Wenn Feininger und Staudenherz sich begegnen, ist einer immer schon tot. Und beide sind sie Zeuge des je anderen Todes, tote Zeugen des Todes.”

Das Leben ist rund – sie drehen sich im Kreis: auf einer unendlichen Linie der Wiederholung, der Grenze des Romans, der geschlossenen Fläche. Unmögliche Geschehnisse, die ohne “dennoch” geschehen. Das Unmögliche wird plausibilisiert, gewinnt “Realität”, “Natürlichkeit”, ereignet sich “plastisch” in Art und Weise des Gewöhnlichen. Der Leser bemerkt alles im letzten Augenblick. Staudenherz hängt tot im Palmenhaus und Feininger geht draußen wieder spazieren im Schönbrunner Park … (der knirschende Kies!)

Zurück. Auf den zweiten Blick. Wieder schweben wir weit oben über dem 14. Bezirk, wieder verfolgen wir den einen, nun nicht mehr irgendeinen Regentropfen im Fall: Er schießt hinab in Richtung des schwarzen Regenschirms, prallt auf die gespannte Fläche, platzt, löst sich auf, verschwindet. Eine kleine Lache rinnt zum Riß, sickert langsam hindurch. Unsichtbar hängt an der Innenseite des Schirms ein Tropfen. Er schwebt über schütterem Haar, fällt auf die nun nicht mehr unbekannte Figur. Dieser Feininger nimmt wieder den defekten Schirm, entdeckt und untersucht das Leck und steht im Regen. Er flucht, ein vorwurfsvoller Blick nach oben. Er flüchtet zum Palmenhaus. Dort nun nicht mehr irgendeine Leiche auf einer Bahre, im schwarzen Plastiksack, auf den der Regen prasselt.

Das letzte Kapitel, mit dem wieder alles beginnt.

Zurück, nach vorne.

Dort ein Prolog, der alles beendet.

Strenge Klammer um ein ahnungsvolles Ganzes. List der Vernunft:  ein starres Gitter, ein Käfig um die Angst. Schreiben aber, als wisse man, nicht zu wissen …

Aus “Gestell und Ungestalt. Fassung erster Hand” von Rainer Hoffmann. Gestell und Ungestalt erscheint im September 09 bei etkbooks.

Zweite Reihe (notula nova 46)

Michel Serres Merve Aufklärung die kleine idiomatische Reihe. Die Reihe Idiome … (Am Ende ist es dann soweit, dass es dann trotzdem so gekommen ist. Und: zum oft wiederholten Male wird unsere Arbeit im Bereich der Individualzeit verbucht. Wie kann man aus dieser Richtung noch Solidarität mit eigener, geschlechtsrelevanter Unzufriedenheit über arbeitsmarkttypische Schieflagen erwarten? Wenn, sobald ein gewisser gendergap da und dort überwunden scheint, ein Produkt nach dem Hierarchieschema Realwork / nice work (Hobby) in Hinblick auf das Kapital klassifiziert wird? Uns beschleicht der Verdacht, eigene Privilegien werden nur in ihrem Nichtvorhandensein erfühlt.

Und: Die banale aber wirksame Idee, endlich: Die Buchreihen auch in zweiter Reihe zu bestücken. Einen doppelten Stellraum erzeugen in einem System ohne Ordnung. Niemandem weh tun wollen.

(Die Fahrt heute morgen. Im Windschatten eines Mobitoil. (Zum Znüni reicht man Nektarinen und Hobelfleisch. Alles ist frisch und klar. Man denkt die Kinderstruktur. Man wird zur Frau Papst gekürt in unserer kleinen Präsidialaristokratie. Wir fahren mit: ins Land, das nicht sein darf.

In der Zeitung: Chef der Kriminalpolizei gestorben: als Todesursache nennt die Kantonspolizei “ein plötzliches inneres Geschehen” (Die neue Tasche mit dem Logo, darin nur 1 Bleistift, diesen hat die Reise zerbrochen. Ästhetisches Umdenken. Filzstifthalber. Freihändigkeit.

Und: der Sachbuchautor nebenan: bäckt und macht sich über Atomkraft Gedanken. Schreibt auch an seinen Memoiren. 400 Seiten hat er schon.

Und: Ann Cotten getroffen. Sympathisches Gespräch am Stand. (Wir sind uns einig: Oberfrittenbach ist ein lustiger Dorfname.)

Im Bus zum Bahnhof in Sachen Solothurn. Eine Frau übt ihr Gesicht. (Notabene: in ganz SO gibt es keinen einzigen öffentlichen Abfalleimer. Wir ermächtigen heimlich. Sehen: Armin Senser. Hören: Stakkato-Senser. Sensen-Senser, der wie immer liest. Wie schon vor vielen Jahren. Und nebenbei dasselbe. Wie lange trägt sein Text noch dieses Lesen? Wie lange dieses Lesen noch den Text? Was passierte, wenn sich, über Nacht, die Poetologie erkältete? Pitch shifting Senser.

Der Novitätenbrief

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Kryptopoetik (ist010)

I Zit. Aus Ernst, Facetten mittelalterlicher Schriftkultur: Über figurale Schaltflächen, Figurenalphabete und ikonische Elemente als rekorporalisierte Formen von Skripturalität. // Bin ich ein Bild-Text-Hybrid. Und welches [weiches] Zeichen, wenn mein Körper sich verzeichnete. Initial wird. Und ini[tia]nt. Lege ich mich auf mein Bett (Matratze – Matratzengruft …), rolle [mich] ein, die Arme um die angewinkelten Beine. Bin ich ein G. G wie Geschlecht. Genauer: zurückgewiesenes Geschlecht. Verschmähte Hälfte [Hüfte]. Nach einer nicht vollendeten Liebesnacht. II Wir sprechen hier nicht vom ersten Mal. Aber vielleicht vom zweiten [oder] dritten Mal, das aber ein „Mal“ wurde in ganz anderer Hinsicht. Wir sprechen nicht in oder von Nummern [Namen], den[n] diese teilen sich – nach fast zwanzig Jahren – fast automatisch durch sich selbst. C. war eine langjährige Freundin, Zu diesem Zeitpunkt schon. Und wir verbrachten viel Zeit unter dem Dach. Die roten Vorhänge, vor den Dachschrägen. Teezere[monien]. Selbstgezimmerte Bücherregale. Absurde Poster an den Wänden. Flecken, Brandlöcher auf Allzweckteppichböden. Und natürlich, irgendwann: das Nebeneinander nach rotem Wein. Berührungen. Zu spät. C. betrunken, wie wir [ich] selbst, und der letzte Bus schon lange in seiner Garage. Wir machten [uns] für die Nacht zurecht. Zogen uns aus. (…) Plötzlich war der Impuls weg. Ihrerseits. Und die Körper einander abgewendet. Und die Sprachen einander fremd. Nach langer Zeit danach. Vor allem das Schweigen hat sich in die Erinnerung eingeschrieben. Und ein wenig ihr weicher Körper. Weiss. Und mit kleinen Operationsnarben auf dem Rücken. Nach Jahren fanden wir wieder zueinander. Als Fr[eunde]. Erfanden eine neue Sprache für uns. Sie alterte schnell. Blieb nur räumlich stehen und nicht in der Zeit. Ihr blonder Pagenschnitt unterscheidet III sich heute nur geringfügig von damals. Man könnte es in Zentimetern ausdrücken. D[as] Damals. Und das heute auch schon drei Jahre alt. Als wir das letzte Mal miteinander sprachen. Und sich Wort und Körper [nun] meinerseits wendete. // Ist der Körper Bild und Textteil eines Ganzen. Ist er Randkommentar einer ungeschriebenen Geschichte. Ist er symbolische Kommunikation oder nicht. Und in seiner Einstelligkeit kryptisch. Leben, Erinnerung, Hervorbringung [dadurch] in Kapitel geordnet. Kapituliert. Augenscheinlich, auffällig, in seinen ikonischen Momenten. IV Als Firm salz hoch, die finne test des Buchdrucks, beten, differierendes erteilen. (komische Elemente verblaeuen, beherrscht von ilse Gingen. Und verseift ins Want. Wir spielen nicht Mimen. Absurde Röster. typisch Göde Beheizende nach toten Wein. Beinling. Plötzlich war der Engels weg. der Schergen hat sich eingeschrieben. damals in Zentimeter duschen. heute auch interne Spule. karger Bild. Radlerinnen treue ungeschriebenen Gedichte.