taberna kritika

nachtrag: bilddoku, beiträge grüner salon 2. mai 2009

nachtrag zu hier

beitragende:

inka ehlert – violoncello

sätze 1-3 aus der 1. suite von j. s. bach

für cello solo

hartmut abendschein

notula nova

lesung

installation / präsentation etkbooks

dorrit bauerecker – klavier, akkordeon

christina c. messner – gesang

barbie, paprika und franz. chansons

stan lafleur

die welt auf dem fusz

lesung

martin gerke – klavier

florian stadler – akkordeon

dorrit bauerecker – akkordeon

christina c. messner – violine

improvisation

ulrich dürrenfeld

videofilm: prozession

heiko weidemann – gitarre

“summer”

ausstellung: sabine jansen: barbiebilder

ulrike geitel: grüne bilder

bilder, unsortiert, unvollständig:

Präsentationsskizze etkbooks @ Köln / Eigelstein, heute abend

Präsentation / Installation etkbooks

(Dispo: Bücher, Karten, Laptop, Beamer, digiframe, Poster)

edition taberna kritika, etkbooks, gegründet 2007

Plattform für Experimentelle Literatur

Bücher, digitale Texte, Weblogs, andere Medien

Experimentell meint: sprachliche, narrative, formale & hypertextuelle Experimente sowie Schreibweisen der Abweichung …

Neuerscheinungen, das spezifisch Experimentelle:

Markus A. Hediger, Das TamTam Grand Hotel, Erzählung

Spiel mit dem Topos der Migration auf Grundlage biographischer Fiktion.

Errichtung eines mehrschichtigen Systems fiktionaler Ebenen, eines Verwirrspiels der Figuren, Geographien und Identitäten. Zeigt die Unaufhebbarkeit der Differenz biographischen vs. fiktionalen Erzählens. Das Eigene und das Andere oszillieren zwischen Rio de Janeiro und der Schweiz.

Elisabeth Wandeler-Deck, Da liegt noch ihr Schal, Prosa

Entstehung von Geschichten und Sprache bzw. Sprachvarianten an einem Nicht-Ort, nämlich der kleinen Ortschaft Sihlbrugg nahe Zürich, die eigentlich eher Autobahnzubringer, also Transitstrecke ist. In 6 Kapiteln werden Figuren, Schauplätze und Interaktionen angerissen und beobachtet und die Beobachtungen jeweils in unterschiedlichem Beschreibungsmodus skizziert. Wandeler-Deck ist auch Musikerin, was man dem Text anmerkt. Sprachmelodien, Refrains, Fugenhaftes werden zu einer komplexen Partitur angeordnet. Erprobt werden auch unterschiedliche Grammatiken, Wahrnehmung- bzw. Bewusstseinssprachen des Ortes und der Dinge, die sich dort ereignen.

Andreas Louis Seyerlein, Callas Box 2.0, Digitale Erzählung

Das Werk erhielt einen Preis beim Wettbewerb „dichtung digital“ im Jahr 2001, ausgeschrieben vom dtv-Verlag u.a. In dieser Neuauflage der Multimedialen Erzählung (Text, Bild, Ton etc.) geht es um eine Schiffshavarie und die letzten Kommunikationsmomente und -versuche eines an Bord Gebliebenen mit der Aussenwelt. Die Seite wurde in Flash programmiert. Ein Blick in den Quelltext wird also verunmöglicht. Daher auch die Box-Betitelung, die auf die Existenz von kaum knackbaren Blackboxes bzw. Aufzeichnungsgeräten in Flugzeugen und auf Schiffen etc. verweist.

Hartmut Abendschein, Bibliotheca Caelestis, Tiddlywikiroman, Prototyp

Ein „Roman“, der die Möglichkeiten eines Java-Wikis nutzt, das in nur 1 Datei vorliegt und beliebig modifizierbar ist. Funktioniert auf jedem USB-Stick und ist von den Servern der Dt. Bibliothek downloadbar. Die BC beschäftigt sich generell mit tatsächlichen und spekulativen Bibliotheken in der Zeit jüngster Medienumbrüche und Digitalisierungen. Die BC besteht aus einer Vielzahl von Elementen, einer eingebetteten Erzählung, Materialien zum Thema „Bibliotheken in der Literatur“, kleinen Formen, die diese Motive aufgreifen und verwandeln und dramatischen Stoffen. Die Textelemente sind in einer Vielzahl von Gruppen gebündelt und kombiniert und diese Struktur ist beliebig erweiterbar. Generell soll damit die Auflösung oder auch Enthierarchisierung von Wissenssystemen problematisiert werden.

Hinweis auf etkbooks @ SWIPS / swiss independent publishers / Kleinverlagsszene CH

Lesung aus Notula Nova, H.A.

Die im Entstehen begriffene Textsammlung, die auch im Weblog taberna kritika verfolgt werden kann (Rubrik: notula nova) ist ein Notizenprojekt. Der inoffizielle oder Arbeitstitel eines potentiellen Manuskripts würde lauten: „Theorie und Praxis“. Es handelt sich um eine Art Cut-up- oder Collagierungsprojekt aus den Notizen privater Beobachtung, gemischt mit spontan entstandenen haikuähnlichen Formen und in Abwechslung mit deren Reflektion bzw. angereichert mit einer gewissen Sprache der Distanz.

Lesebeispiele, nono: 0, 2, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 14, 15

wo: eintrachtstrasse 14-16, ab 20h, special guest: stan lafleur

Immer dieselbe Strasse …

Immer dieselbe Strasse, wo auch immer. Ach so. Kein Bier mehr, nein, einen kleinen Espresso vielleicht ja doch bitte. Das Projekt “Malewitschs Tektonik” war eine Planungsaufgabe im vierten Studienjahr. Das liegt ja nun schon sehr lange zurück. Ende der 1950er Jahre? Etwas später? Sie weiss nicht mehr so genau. Der Plan war – gemäss der Idee des Suprematismus, einer künstlerischen Bewegung, die von Malewitsch angeführt wurde -, aus einer Art Verkehrsskulptur in einer gegebenen Landschaft, mit einem gegebenen Programm von Funktionen und einer gegebenen Grössenordnung Architektur zu schaffen. Ausgehend von der suprematischen Idee begannen wir, Fragmentierungen im Strassenverlauf zu betrachten und daraus eine neue Art von Plan zu entwickeln bis hin zu, ach, da lachten wir schon wieder, Fliessräumen. Die kleine Bar abends ist der Frühstücksraum morgens abends ist der Frühstücksraum gerade das Richtige nach langer Fahrt. So die erschöpfte Verkehrsplanerin (Name). (18/18. Aus DlniS, Kap.6)

Mission accomplished? (notula nova supplement III)

cit.

(parallalie am 26.01.09): “Nach wie vor aber das Interesse für Sprache auf der Suche nach ihrer Form.” Das setzte voraus, daß die Sprache etwas Eigenständiges ist. Die eine Form sucht, die sie nicht hat. Aber die Fragestellung interessiert mich im Zusammenhang mit den “Aporien”. Ich verstehe darunter die Suche nach der Fähigkeit, die Ratlosigkeit so zu formulieren, daß sie sich selbst den Rat gibt, den sie vergeblich sucht. D.h. die Ratlosigkeit ist auf der Suche nach ihrer Rathaftigkeit. Was von der Formulierung der Ratlosigkeit abhängt und den Rücken, die dem Auffinden der Rathaftigkeit in den Weg gestellt werden Mal so exzentrisch formuliert.

(notula nova am 26.01.09): “ich versuche mich mal an ihrem ersten punkt. wenn “sprache” vielleicht das ensemble von regelsystem, wortvorrat usw. und deren tatsächlichen anwendungen ist (ähnlich langue/parole), so meinte ich mit “form” also letzteres. ein sprachinternum. für mich hat das bedeutet, dass ich – in kenntnis einiger sprachformen (ausdrucksmöglichkeiten, oder auch hier: schreibweisen), und in unkenntnis vieler anderer – mitunter versuche (notula nova ist so ein projekt, und darum ist das alles auch sehr selbstbezüglich … und in gewisser weise paradox), analog zur sprache, die versucht einen teil ihrer selbst zu erkunden, mechanismen einzubauen, die beziehungen zwischen (hier nun, das wäre in diesem falle so die grössenordnung:) textteilen willkürlich und unwillkürlich zu ermöglichen. kurz: notate, die miteinander zu tun haben, und solche, die nichts miteinander zu tun haben, werden konfrontiert und werfen auf einmal bedeutungen ab, die auch für mich manchmal frappierend sind.

ein schönes beispiel, das sie geben, ist es, indem sie obiges zitat mit dem bartheszitat in berührung bringen. und dies zusammendenken, wie z.b. mit ihrer analyse der Suche nach der Fähigkeit, die Ratlosigkeit so zu formulieren, daß sie sich selbst den Rat gibt, den sie vergeblich sucht. also mit und in dieser form auszusagen, dass eine gewisse (neue?, andere?, abweichende?) form der fragestellung entstehen kann, wenn nur die antworten oder auch aussagen (neu?, anders?, abweichend?) arrangiert oder gelesen werden, fand ich nun reizvoll. und vielleicht ist das nun auch ein guter effekt bei diesem ansatz: dass das eine oder andere in paradoxien oder auch aporien münden kann, ist dabei nicht auszuschliessen. ist eigentlich vorprogrammiert. wenn dann daraus vielleicht trotzdem ein text entsteht, der einigermassen (vielleicht interessant und) interpretationsoffen sein kann und zugleich seine gemachtheit (und seine form) mit ausstellt, sodass eine antwort also immer auch sein muss (ich formuliere mal salopp) achtung, fingierter text – rat gibt es woanders, aber wenn genug hierin rumgewühlt wird, hat das möglicherweise konsequenzen für die weitere suche und ihre ergebnisse, dann ist damit vielleicht schon eine zentrale aufgabe erfüllt.”