
taberna kritika
Leberaufstrich
“Reinknien und durchkämpfen! Es lohnt sich” (NLZ)
Das Nachdenken über Fusspflege mag eine Möglichkeit sein, einem manchmal zweifelhaften Phänomen zu begegnen. Eine andere ist die Auseinandersetzung mit Ball- und Sprachpflege, die das Ereignis auf sich selbst anwendet. Besonders schön bei der Rezension von Fritz Michels 4:2 in der Neuen Luzerner Zeitung von gestern ist allerdings der Besprechungskontext, in dem durch “4:2” gewissermassen eine zweifache Bearbeitung eines dort präsentierten Autoren angeschlossen wird – auch, wenn eine gewisse Lesekompetenz anempfohlen wird, was aber nicht unbedingt gegen das Buch sprechen muss.
Wir möchten den Text aber nicht nur Hardcore-Fussballfreunden (die wir mit diesem Titel ganz sicher nicht ausschliesslich avisiert haben) ans Herz legen, sondern auch all denjenigen mit Interesse an normativen Auf- und Abschreibesystemen …
Und bitte nicht vergessen: Der Text ist nur noch bis heute abend haltbar und zerfällt wahrscheinlich mit der Neuauflage der Partie CH-TUR zu Staub.
Die Reinen
§ 13
Also ausführlich : in den Wissenschaften hat man sich bereits, wenn auch widerwillig und oft genug noch heute kopfschüttelnd, in Jahrhunderten endlich gewöhnt, die »reine« von der »angewandten« zu trennen. Hat eingesehen, daß rundherum verbohrte Pioniere auf schmalen Einmannpfaden in die Wildnis der Welt eindringen müssen : selbst wenn der lange Weg mitten in einen Sumpf führte, weiß man jetzt wenigstens, daß da einer ist ! Der »Höhere Mathematiker« hat in seinem Fach keinerlei Verbindung mehr zum »Volk«; der »einfache Mann« steht ihm wie ein Neger gegenüber. Dennoch ist die Arbeit des Professors unerläßlich; denn seine Schüler, die Techniker, die »Angewandten«, bauen daraus Brücken und Atombomben.
Man lasse doch endlich dem Wortwissenschaftler die gleiche Gerechtigkeit widerfahren ! Und teile sie getrost ein in die »Angewandten« mit Breitenwirkung, und die »Reinen« Experimentatoren ! Es würde sogleich Alles so einfach ! : die Ersteren schrieben für die »Leser«, »das Volk« die Letzteren für sich untereinander, und ihre evtl. Schüler, die »Angewandten« !
Allerdings ist Eines noch zu sagen : man besolde von Staats wegen die »Reinen« dann auch, etwa ebenso wie die Universitätsprofessoren; es werden wenig genug sein. Wie lange mag es dauern, ehe sich die hier ausgesprochene Erkenntnis Bahn gebrochen hat ? Lange sicher. Deshalb : wenn »das Volk« eine Differentialgleichung sieht, erschrickt es des Todes und ehrt das verrückte Unbegreifliche; diesen Vorzug hat auch eine Opernpartitur. Aber Worte ? Buchstaben ? Beherrscht sie nicht Jeder ? ! Hat doch Jeder selbst Lesen und Schreiben gelernt; ausführlich in der Schule ! Kann also auch urteilen, he ? ? ! !
§ 14
So seht Ihr aus ! !
Aus: Arno Schmidt, Berechnungen (1953). In: A.S.: Der Platz an dem ich schreibe, Haffmanns, 1993, S.17f.
The Importance of Taking a Piss
Prognosis
A
CH
POR
B
DE
OES
C
FRA
ITA
D
SPA
SVE
1/4
CH-OES 2:0
D-POR 1:0
FR-SVE 4:2
SP-IT 1:3
1/2
CH-D 0:4
FR-IT 5:6 n.P.
1/1
D-IT 2:1 nV.
Von Fritz Michel