taberna kritika

Windbruch (notula nova 8)

Am Sonntagmittag verlassen die Gäste das Haus. Ich lasse das Wasser aus dem Bassin und spritze es ab. Aller Voraussicht nach werden die Zigaretten reichen, bis die Geschäfte wieder öffnen.

Rosenbuschdornen

Obszönität der Natur

Bildreligion

Geträumt, ein Adlerpärchen hätte sich in meinem Zimmer eingenistet. Ich konnte die Vögel vertreiben. Die Reinigung des Raumes nahm Ewigkeiten in Anspruch. Dann: In einem Zug von Hall zu einem Freund nach Berlin. Nie dort angekommen.

Sommerbericht // Der nicht mehr beschrittene, der / umgangene Thymianteppich. / Eine Leerzeile, quer / durch die Glockenheide gelegt. / Nichts in den Windbruch getragen. // Wieder Begegnungen mit / vereinzelten Worten wie: / Steinschlag, Hartgräser, Zeit. (P. Celan)

(Die Pferdebremsen haben sich spezialisiert. Das Antibrumm wirkungslos. Der Umbruch: geräuschlos. Die Wörter auch: Fassade, Betonriss, Leben).

Erntetag

Jeder, der Gemüse mag,

liebt den Ausruf: Erntetag!

Weil man gern der Arbeit Früchte

schließlich auch genießen möchte.

Frisch, gesund und ungespritzt.

Hier wird kein Konzern gestützt.

Also steh ich vor den Beeten,

froh zunächst, doch dann betreten:

Übers Fallobst zieht der Schimmel

unter dunkelgrünem Himmel.

Fünfzehn gingen ans Getier,

sieben Äpfel bleiben mir.

Der Salat: fatal geschossen.

Schnecken: froh und unverdrossen.

Winzig ist die Möhre bloß.

Herr, der Sommer war doch groß!

Sieh dort die Kohlrabi-Form,

ist die nicht total abnorm?

Dito die Kartoffelknollen –

die kann keiner wirklich wollen.

Welke Wicken! Kranke Kressen!

Und ich brauch doch was zu essen.

Wo einst Wirsing war, wächst nichts.

Liegt es an der Art des Lichts?

Liegt es am Diktat der Sterne?

Hat Gemüse mich nicht gerne?

Oder liegt es gar daran,

dass ich gar nicht gärtnern kann?

Ja, da wären noch die Beeren,

wenn da nicht die Amseln wären.

Kommt doch jährlich das Gefieder

nur der Beeren wegen wieder.

Auch der Lauch ist knochentrocken.

Mausetot, die Artischocken,

wie auch Gurkenart “Grimaldi”.

Bleibt jetzt bloß der Gang zu Aldi.

taz > (GROa)

Die Badenden (notula nova 7)

Das Gras ist nieder. Der Feigenbaum trägt dieses Jahr zwei Früchte mehr. Die Frösche sind schon am morgen heiser. Das Schwimmbad auf der gegenüberliegenden Seeseite öffnet früh. Man kann sie nicht sehen, die Badenden, aber der Wind trägt Stimmen der Heiteren über die Wasseroberfläche. Eine Schwanenfamilie rüstet sich am Ufer. Bald werden die Birnen reif sein. Und mit ihnen das gesamte menschliche Geschlecht.

In der NZZ: Wenn Volksmusik im Radio ertönte, hiess es bei uns in Zürich einst: “Stell ab. sonst regnet’s morgen.”

Noch zu schreibende Ratgeberliteratur: “Belohnungsaufschübe wirksamer gestalten”.

Und: „Das gelungene Kind“.