taberna kritika

Safe 5

(B39 zu M39)

Dear B.

Thank you for your enquiry.  At the time of writing and publication of Ms Byatt’s book “Possession” the London Library had a shelfmark/location called Safe 5, one of several locations where books were kept in secure accommodation and not on the open shelves. Shortly afterwards, the Library acquired a new secure wing, and all books from the Safes were transferred into it.  They were not kept in their previous shelf order.  The book which prompted Ms Byatt’s fictitious invention, R.W. Mackay’s The progress of the intellect … 2 volumes, 1850, is now shelved in a different area, and the volumes on either side of it are not the same.  At the time the Library did not have a shelfmark listing, and it would be difficult to recreate the order of the books as they were pre-1991.

There is a shelfmark browse function in our online catalogue, but Safe 5 is no longer a shelfmark.  Some but not all books with that shelfmark now have the shelfmark Mod or Mod, 4to.

I hope this answers your query.

A. S.

Deputy Librarian

The London Library

14 St James’s Square

London

SW1Y 4LG

Tel: 020-XXX-XXXX

http://www.londonlibrary.co.uk

—

Dear B.,

Thank you for your email.  I have passed your query onto the Deputy Librarian who will get back to you with a response.  The shelfmark you are enquiring about is an old shelfmark of ours which used to be called “Safe 5”.

Kind regards,

T. A.

Issue Desk

The London Library

—–Original Message—–

From: “B.”

Sent 12/12/2007 9:22:39 AM

To: enquiries @ londonlibrary.co.uk

Subject: Shelf Number 5

Dear Sir or Madam,

for a novel I am doing some research, which all in a sudden leads me to the London Library. In Antonia S. Byatt’s novel “Possession”, there’s a passage (I only have the German translation, there: Page 9) in which a Librarian of the London Library hands out a Book to Roland Mitchell. The book used to be in the prohibited Shelf (or Box?) Number 5 („Sperrfach Nr.5″), between the titles “De priapo” and “Die griechische Knabenliebe”. I wanted to ask you if there’s an option in your Online-Catalogue to retrieval the whole content of this Shelf Number 5. Or if you have a list of titles, which are still standing in this shelf. But maybe the whole setting is completely fictitious?

Thank you very much for your answer.

Yours sincerly

B.

Bern, Switzerland

Sitting On The Shoulders Of Giants

Hallo! Ich bin ein Text über Musik. Doch zunächst einer über einen alten, blauen Wellensittich namens Bonnie. Bonnie ist seit Neuestem ein Pflegefall und kann nicht mehr fliegen. Darum sitzt er auch auf den Schultern von Graf Tati. Sitzt er nicht dort oder in seinem Käfig, sitzt er vielleicht auf dem grossen Holztisch in der Küche oder wankt darauf, die Zielgeraden entlang. Pickt Körner und Krumen vom Frühstücksbrett. Die Kanten müssen Banden haben, sonst fällt er hinunter und bricht sich etwas. Bonnie hatte auch jüngst einen Schlaganfall. Und das Gleichgewicht, das Gleichgewicht, das Gleichgewicht. Zitternd. Aber noch geht es ihm soweit so erträglich. Wenn das nur mit dem Berlinumzug gut klappt. Graf Tati hat gerade ein neues Album veröffentlicht. Das ist dieser Situation sehr unähnlich, weil weiterhin im Panamaformat. Mir gefällt es trotzdem, obwohl ich mit noch mehr Bossa Nova gerechnet hatte. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, denn dieses Bild spricht für sich. Hallo! Ich war ein Text über Musik. Und wenn Du das nicht glaubst, dann hör doch mal rein.

Graf Tati: Lind. Erscheint heute, 25. Januar 2008 (Apricot Records / RTD). Songs: Der Tag beginnt / Zurück zu mir / Mediapark / Sommerregen / Teenage Walhalla / Bilbao / Trübseligkeit / Glücklich mit der Bachmann / Glaubst Du an die Liebe / Neopren.

P.S.: Lied Nummer 8 hat nichts mit einem gleichnamigen Lesewettbewerb zu tun. Könnte es aber. Mehr …

Ich mache hier nur meinen Job / A3S2(3)

(D24)

KÄS: War da noch was?

SACHWITZ: Eine schwarze Liste von Verlagen. Soll ich vorlesen?

KÄS: Nein, danke. Das es soweit kommen muss. Eine neue Bestellpolitik hat man mir angedeutet. Eine offensive und umfassende neue Bestellpolitik, hat man uns gesagt. ich hab mir dabei ja erst nichts gedacht. Jeder hat vermutet, dass man sich endlich zusammentäte um den Kartellen der Digitalen Anbieter endlich etwas entgegenzusetzen. Aber so?

SACHWITZ: Das ist doch fast Zensur.

KÄS: Das kann man fast so sagen.

SACHWITZ: Fast.

WERBETRAILER: Wir sind immer für Sie offen. Wir sind offen. Wir schliessen nie. Wir sind Ihre Bibliothek.

Immer mehr und dichter werden Bücherwägen im Hintergrund von R1 abtransportiert, so dass es da und dort zu kleinen Staus kommt. Wieder sind Neumann und Maurer mit der Beaufsichtigung des Abtransports beschäftigt.

SACHWITZ; Herr Neumann. Warten Sie doch mal.

NEUMANN: Bitte?

SACHWITZ: Können Sie uns vielleicht sagen, was aus uns werden soll?

NEUMANN: Ich verstehe nicht recht.

SACHWITZ: Na. Wenn hier die ganzen Bücher verschwinden, sind wir wohl doch bald eher überflüssig. Oder nicht?

NEUMANN: Genaueres kann ich Ihnen da auch nicht sagen. Das sind Fragen, auf die Ihnen aber ganz sicher Herr Weber eine Antwort geben wird. Wenn er es nicht sogar schon tat. Ich mache hier nur meinen Job.

KÄS: Ich finde, das ist eine ganz zentrale Frage, die alle angeht und über die auch alle ausreichend informiert sein sollten.

NEUMANN: Meines Wissens und mit bestem Wissen und Gewissen kann ich Ihnen nur sagen: Die Zukunft wird sicher sein.

WERBETRAILER: Ihre Zukunft ist so gut wie sicher. In Ihrer Bibliothek.

R2

Flitz und Flugs operieren immer noch an den Informationstafeln. Es kommt teilweise zu kleinen gegenseitigen Sabotageaktionen, indem wechselseitig absichtlich Broschüren und Aushänge entfernt bzw. weggeworfen werden.

FLUGS: Das reicht jetzt. Das hier geht doch gar nicht. Mensch Flitz, Sie haben es immer noch nicht gelernt.

FLITZ: Habe was nicht gelernt? Sie sehen doch, was ich tue.

FLUGS: Das sehe ich wohl. Prioritäten setzen. Ich habs Ihnen schon tausendmal gesagt. Was Sie da aufhängen ist doch alles gehobener Quatsch.

FLITZ: Ich bitte Sie!

FLUGS: Sie bitten mich wieder? Und wenn das nicht Quatsch sein soll, dann ist es in hohem Masse bedenklich.

FLITZ: Wollen Sie mir etwa wieder drohen?

FLUGS: Sie lassen mir ja keine andere Wahl. Es sei denn …

FLITZ: Ich werde Ihnen nicht schon wieder Ihre Arbeit erledigen. Das können Sie vergessen. Dieses Mal werde ich andere Wege finden …

FLUGS: Soso. Andere Wege. Finden. Probieren Sie das nur. Haben Sie nicht etwa auch Kinder? Haben Sie sich nicht etwa erst ein kleines Häuschen am Stadtrand gegönnt? Sie spielen da ein sehr riskantes Spiel.

FLITZ: Das ist ja unerhört. Sie wollen mich erpressen?

FLUGS: So würde ich das nicht nennen. Aber Sie lassen mir da keine andere Möglichkeit.

Flitz versetzt Flugs eine zaghafte Ohrfeige. Flugs ohrfeigt zurück, worauf Flitz ihr den Arm auf den Rücken dreht. Flugs stösst Schmerzenslaute aus.

Aus R1

AUTOMATENSTIMME: Durchsage 2137.

WEBER: Frau Flugs, bitte zu mir ins Direktionszimmer.

AUTOMATENSTIMME: Ende der Durchsage.

FLUGS (wird losgelassen): Das werden Sie mir büssen.

Blackout

Warum eigentlich nicht?

(…) Literatur sollte – utopischer Gedanken, wie man ihn vorm Einschlafen hegt – als Antwort auf ihr Bedrohtsein nur noch in geringer Auflage herauskommen, damit echte Nachfrage nach den 3000 oder 4000 Exemplaren entsteht (das wäre schon ein Bestseller), einer Ware mit hohem Stückpreis. Warum nicht 50 Euro für ein Buch, das anstelle eines Vorworts seine Kalkulation enthielte, bei der die Arbeitszeit des Autors mit dem Stundenlohn eines Handwerksmeisters angesetzt wird? Davon könnte man schon existieren, auch der ältere Autor, dessen langes Schreibleben heute kein Bonus mehr ist, sondern ein Malus. Der Versand liefe über das Internet, die Werbung über Kritik. Es gäbe keine Vorschauen mehr, keine Vertreter, keine Anzeigen, und nur ausgesuchte Buchhandlungen bekämen die Lizenz für gute Bücher. Weniger wäre unendlich viel mehr. Nur damit käme die Literatur vielleicht noch einmal auf einen grünen Zweig.

Bodo Kirchhoff in: literaturen1/2_08 (Wie es um uns steht)