taberna kritika

Tiere in Notwehr

Materialien zu einer noch zu schreibenden, gleichnamigen Gedichtserie.

BEZIRK BRAUNAU 09.08.2007

Eine 45-jährige Hausfrau ist beim Schwimmen im Badesee Wildenau von einem “unbekannten Fisch” am Dienstag beim Schwimmen im Badesee Wildenau attackiert worden.  Dabei war die Hausfrau nur ruhig im Wasser gestanden.

Bis sie plötzlich einen brennenden Schmerz in der Kniekehle spürte. Bei der momentan recht warmen Wassertemperatur und der ständigen Störung durch die Badegäste könne es schon passieren, dass die großen Fische aggressiv werden.

Die 45-Jährige musste ihre Bisswunde von einem Arzt behandeln lassen.

Weiter Meldungen

– In Wilhering im Bezirk Linz-Land ist Mittwochvormittag ein 17-jähriges Mädchen, das auf einem Rad saß, von einem Hund in einen Unterschenkel gebissen worden.

– Eine Kuh hat am Mittwoch in Michaelenbach im Bezirk Grieskirchen eine Bäuerin attackiert. Die 58-jährige Pensionistin prallte bei dem Angriff gegen eine Stalltür und verletzte sich schwer.

– Die Attacke des Feldhasen auf eine Frau in Linz ist derzeit das Gesprächsthema. Es ist nicht der erste Fall, in dem Tiere in unserem Bundesland tagelang die Schlagzeilen der Medien beherrschen.

aus den ORF-News aus Oberösterreich.

Herbstmond

O Mond! Wie öde, o, wie dumm

hängst du da oben wieder rum,

treibst träge dich durch Wolkenschollen,

wenn andere gerne schlafen wollen.

So käsegelb, so schal, so fahl

befunzelst du Busch, Berg und Tal.

Das nennst du Licht? Da lach ich laut!

(Dazu ist es auch noch geklaut.)

Mann, Mond, sei doch mal wie der Stern,

der Sonne heißt – den hat man gern.

Der macht sich nächtens nicht so wichtig.

Die Sonne, Mond, sie sieht das richtig:

Glut. Gleißen. Glamour. Glanz und Star.

Doch du dagegen? Ganz und gar

bloß Krater, Dellen, Löcher, Beulen.

Mensch, Mond, mit dir ist es zum Heulen!

Und Nacht für Nacht die gleiche Leier.

Hey, Mond, das geht mir auf die Eier!

O Mond, so öde, o, so dumm,

sag mir nur eins, Mond, sag: Warum?

Doch nein! Sags nicht! Bewahr dein Schweigen!

Denn etwas Schönes ist dir eigen

– da kann ich sagen, was ich will.

Du hast was Gutes: Du bist still.

taz > (GROa)

Marginales

(B24 zu M24)

Auf der anderen Seite dagegen sitzt, wer hätte das gedacht?: sein Gegen. Sein Anderes. Sein Feind und Feindesfreund. Ein Troll, von dem er nur die einzelnen Ziffern der sich stets verhaspelnden Benutzernummer weiss. Ein Ding ohne Namen, das nur zerstören will. Schlimmer noch: es zerstört nicht etwa nur, sondern arbeitet ausdauernd und fleissig an der Negierung der Grundlagen des Bestehenden, indem es sich dem Druckwerk hinzufügt. Jeder Verweis. Jeder Hinauswurf. Jede Rüge und jeder Tadel prallen an ihm und seinen Machenschaften ab und er verwandelt sich in drei weitere Fehlleistungen. Das Festgestellte bezweifelt er immer mit einer Zuschrift am Zeilenspiegel. Mal ist es ein nüchternes Nein. Dann wieder ein vgl. aber, unterstrichen und mit einem unleserlichen Fortsatz. Man kann auch die zeitweilige Laune des Trolls an den Keckheiten seiner Einlassung erahnen. Wenn er etwa schrreibt: Hört, hört!, So ein Unsinn! oder Was?. Am effektivsten aber erscheint seine Kritik, die es freilich stets in einer makellosen Handschrift abliefert, immer dann, wenn sie ein wenig berechtigt ist. Nicht etwa, wenn ein Denkfehler nachgewiesen wird, dazu ist dieses Wesen nicht in der Lage, aber, wenn auf ein kleine Schwäche in der Darstellung hingewiesen wird. So kann einem wahrlich grossen Gedanken, der sich mit einer winzigen Unsicherheit in der Zeichensetzung darbietet, durch dessen ätzende Korrektur am Rande, elendiglich das Genick gebrochen werden.

Menetekel / A2S1(2)

(D11)

R3

Nach Abgang Fröhlich geht in R3 das Licht an. Man sieht Weber in signalroter Generalsuniform mit vielen Abzeichen und Sternen auf den Schulterklappen. An einem Tisch sitzen Neumann und Maurer in dunklen Designeranzügen und starren gelangweilt auf ein Flip-Chart, das offensichtlich von Weber bedient wird. Eine Beamer heizt sich gerade auf und im Hintergrund zeichnet sich eine Powerpoint-Präsentation ab.

WEBER: … und das Leitsystem installiert, sowie die internen und externen Kosten neu evaluiert. Auch die Erhebung der Werte der Produktumfragen und Beurteilungen schreitet voran. Ich denke, wir haben Projektphase II ganz ordentlich über die Bühne …

NEUMANN (nun mit der Powerpointshow startend, dazu in immer schnelleren Abständen, Organigramme, Folien etc. abscrollend): Wo ist denn da nur das virtuelle Zentrum?

MAURER: Und wo sind die Detailkonzepte?

NEUMANN: Das E-Learning-Modul, beispielsweise?

MAURER: Oder nur eine Skizze der internen Umsetzung des Globalhaushaltes?

NEUMANN: Wir vermissen eine klare Wachstumsstrategie.

MAURER: Und das O.K. des Lenkungsausschusses.

NEUMANN: Vor allem einen Entwurf zur …

NEUMANN und MAURER (gemeinsam): … quantitativen und qualitativen Entwicklung des Personalbestandes.

MAURER: Wir müssen das Personal doch weiter anpassen.

In R2 währenddessen: Flugs und Flitz tauchen in neuen Uniformen auf, die etwas besser anliegen, als die der Kollegen Käs bzw. Sachwitz. Die Uniformen sind in dunklem Blau gehalten. Flugs prangt ein Stern mehr auf der Schulter als Flitz.

WEBER: Aber weiter zu reduzieren gefährdet doch letztendlich auch …

NEUMANN: Herr Dr. Weber, durch die von uns eingeleiteten Massnahmen wird es viele Möglichkeiten …

MAURER: … zur Umstrukturierung des personellen Sektors geben. Aber bei sinkenden Etats müssen wir auch an die Humanressourcen denken. So ein Betrieb kann doch nicht länger …

NEUMANN: … auf so hoher Flamme kochen.

WEBER: Man muss doch auch an anderer Stelle schauen können, ob da nicht etwa zu viele Mittel …

MAURER: Und den Trend verschlafen? Wir müssen wohl nicht erwähnen, was passiert, wenn sich herausstellt, dass hier nicht mehr …

NAUMANN: … ganz zeitgemäss gewirtschaftet wird.

WEBER: Den letzten beissen die Hunde. Jaja.

R2

Parallel dazu in R2: Flitz und Flugs umkreisen sich, liefern sich ein Duell mit von Ihnen gelesenen Aufsätzen, Büchern bzw. Artikeln. Teilweise von Papieren zitierend.

FLITZ: … dagegen in „Modularisierung in Hochschulen und Bibliotheken. Materialien zur Bildungsplanung und zur Forschungsförderung. Bonn, 2002“

FLUGS: Kalter Kaffee. Alles entkräftet in „Auswirkungen der Empfehlungen der Strukturkommission auf den Ressourcenbedarf der Universitäten. Hannover, 2004“

FLITZ: … aber rehabilitiert in der „Konzeptstudie E-Archiving des Konsortiums der Hochschulbibliotheken. Zürich, 2005“

FLUGS: … aber eindeutig widerlegt in dem Artikel „Funktionale Einschichtigkeit in wissenschaftlichen Bibliotheken. Bern, 2006“

FLITZ: Aber die Nachhaltigkeit und die Sorgfaltspflicht.

FLUGS: Aber die Kundenfreundlichkeit und Bedarfsgerechtigkeit.

FLITZ: Aber die Finanzierung.

FLUGS: Eben! Die Finanzierung! (Flitz geht entrüstet ab)

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