taberna kritika

Grabmal, Zeughaus, Apotheke

(M22)

aus einem Abstract zu: Gerd Schmidt: Grabmal, Zeughaus, Apotheke. In: Bibliotheken in der literarischen Darstellung = Libraries in literature : [Referate des Seminars “Bibliotheken in der literarischen Darstellung / Libraries in literature”, das vom 10. bis 11. Oktober 1994 in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel stattgefunden hat] / hrsg. von Peter Vodosek … [et al.]. – Wiesbaden : Harrassowitz, 1999. S.187

So könnte es gewesen sein.

Ein paar Gedanken zur Hildesheimerpraxis in den Zeiten von Google und Metangetüm.

Christian Kracht und Ingo Niermann haben ein lustiges Buch geschrieben („Metan“, Rogner & Bernhard, 2007). Ausgelegt wird eine Verschwörungstheorie um ein für den Klimawandel verantwortliches Gaswesen, das dereinst die Erde übernehmen könnte und sich jetzt schon nachhaltig in den Weltenlauf eingemischt hat.

Nacherzählt werden – ausgehend von einer Kilimanjarobesteigung bzw. Atmungs- und Stoffwechselpraktiken in hoher Luft – Ereignisse der Weltgeschichte der letzten 100 Jahre und noch weiter zurück, die sich auf die letzten 40 Jahre verdichten, mir also meine Jugend und Adoleszenz vor Augen führen. In allerdings völlig alternativer Form.

Rekonstruiert wird, wie Franz-Josef-Strauss und Kennedy, die Geheimdienste und Militärbehörden der Erde, kurzum alles, was sich akronymisch in die Geschichtsbücher verfasste, um einen breit angelegten Masterplan einer chemischen Verbindung lagert, der so noch nicht gedacht wurde.

Hier werden Dinge behauptet, die sich in journalistischer Prosa ebenso eingängig lesen, wie sie auch wahrscheinlich scheinen, wenn man sich nicht allzu sehr ins Details wirklich wahrer Wahrheit vernarrt hat.

Brüche finden natürlich dann immer statt, wenn Ereignisse vom Leser definitiv falsifiziert werden können, wie z.B. Atomtests in der Schweiz und ihren strategischen Hintergründen. Was aber, wenn es sie tatsächlich gab? Was aber, wenn auch das Unwahrscheinlichste einen harten Kern besitzt?

Die dort versammelte Faktenprosa liest sich wie ein, allerdings originelles, Googlerecherchegetüm, das manchmal das Verbindliche, meist aber ein Unverbindliches zur Sprache bringt, dem man aber am Ende gerne Wahrheit attestiert, da der Ansatz So könnte es gewesen sein schlüssig durchgespielt wurde. Ob nun Kracht und Niermann tatsächlich jemals den Kilimanjaro auch nur aus der Ferne gesehen haben: Wen kümmerts? Und was der Bildanhang plus umfangreiches Register beweisen und erschliessen mögen: Wen interessierts? Es ist im ganzen ein schönes Fabulierpflänzchen entstanden. Ein Pilz, wenn Sie so wollen.

Hairless or shorn?

(M21)

“That’s right. Try to remember everything. Eat a little more bread. What did the reading-room look like?”

“Much as usual,” he at length muttered.

“Many people there?”

“Usual sort of number.”

“What did they look like?”

Soames tried to visualize them.

“They all,” he presently remembered, “looked very like one another.”

My mind took a fearsome leap.

“All dressed in sanitary woolen?”

“Yes, I think so. Grayish-yellowish stuff.”

“A sort of uniform?” He nodded. “With a number on it perhaps–a number on a large disk of metal strapped round the left arm? D. K. F. 78,910–that sort of thing?” It was even so. “And all of them, men and women alike, looking very well cared for? Very Utopian, and smelling rather strongly of carbolic, and all of them quite hairless?” I was right every time. Soames was only not sure whether the men and women were hairless or shorn. “I hadn’t time to look at them very closely,” he explained.

aus: Max Beerbohm: Enoch Soames. In: Seven Men (1919), mehr …

26. Schachtel (Lochwelten)

Bohrt man ein Loch hinein. Legt man ein belichtbares Papier ins Dunkel der Schachtel auf die gegenüberliegende Seite des Loches. Schliesst man sie wieder und wartet. Man gibt Zeit. Stellt sie eine geraume Zeit in einen hellen Raum. Entwickelt danach das Papier im Dunkel. Es beginnt zu leuchten. Man wird sehen. Man sieht mit ihren Augen.

auch: die sicht der dinge. Die Camera Obscura (lat. Camera „Kammer“; obscura „dunkel“) oder auch Lochkamera ist eine dunkle Kammer oder Schachtel, in die durch ein kleines Loch Licht hineinfallen kann. Auf der dem Loch gegenüberliegenden Seite entsteht ein spiegelverkehrtes und auf dem Kopf stehendes Abbild. Diese Projektion kann betrachtet oder aufgezeichnet werden. (zit. nach wikipedia)

Schwierige Quellen

(M20)

Trotz der Kontroverse um die Rolle der Fiktion an öffentlichen Bibliotheken zögerte der Bibliothekar J.W. Singleton nicht, im Jahr 1918 Romane zu sammeln, die die Benutzung von öffentlichen Bibliotheken selbst darstellten. Diese Beispiele können neues Licht auf die Entwicklung und den Zweck der frühen öffentlichen Bibliotheken werfen. Dabei werden insbesondere zwei Stereotypen in Frage gestellt: der Konservative, weltfremde Bibliophile und der unterdrückte, eingeschüchterte Arbeiter.

Demnach muß die darstellende Literatur als unzuverlässige historische Quelle gelten. Die Schwierigkeiten, die mit der Methode verbunden sind, Fiktion als historische Quelle zu betrachten, werden mittels Schlüsselprinzipen aus dem Bereich der Kommunikationstheorie veranschaulicht. Es wäre günstig, die Kommunikationstheorie als Bestandteil des bibliotheks-wissenschaftlichen Studiengangs einzuführen, nicht zuletzt weil auf diese Weise die Bibliotheksgeschichte sowohl in die bibliothekarische Berufsausbildung wie auch in die Informatik wieder aufgenommen werden könnte.

ein Abstract zu: Alistair Black: Representations of the Public Library. In: Bibliotheken in der literarischen Darstellung = Libraries in literature : [Referate des Seminars “Bibliotheken in der literarischen Darstellung / Libraries in literature”, das vom 10. bis 11. Oktober 1994 in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel stattgefunden hat] / hrsg. von Peter Vodosek … [et al.]. – Wiesbaden : Harrassowitz, 1999. S.166