taberna kritika

The Song of the Library Staff

(M02)

Oh, joy! to see the Library staff perpetually jogging

And to see the Cataloger in the act of cataloging

(…)

All the ologies of the colleges, all the isms of the schools,

All the unassorted knowledges she assorts by Cutter’s rules;

Or tags upon each author in large labels that are gluey

Their place in Thought’s great Pantheon in decimals of Dewey;

Oh, joy! to see the Library staff perpetually jogging,

And to see the Cataloger in the act of cataloging.

By Sam Walter Foss, Librarian of Somerville (Mass.) Public Library

Read at the 1906 ALA Annual Conference (Auszug, mehr …)

Zum Projekt einer Archivpoetik

Vielleicht kann man es so nennen, vielleicht muss man es auch anders nennen. Nachdem sich der Roman Dranmor vor allem mit nichtphysischen, um nicht zu sagen psychischen Archiven beschäftigt (vgl. das „Archiv Dranmor“), liegt es nun nahe, dass ich das Feld physischer Archive bearbeite. Seit geraumer Zeit entsteht ein Text, von dem hier noch nicht gesprochen wurde, der sich aber komplementär solchen Fragen widmet. Ich bin noch nicht soweit, von einem zweiten Teil einer Trilogie zu sprechen, obwohl ein dritter Teil durchaus schon denkbar wäre, allerdings noch nicht stark umrissen ist. (Es müsste darin um „transmediale Archive“ gehen. Elemente der ersten beiden Teile verbinden. Die Wörter/Zeichen so ansehen, als ginge es um Archive von Inhalten, die ausser Kontrolle geraten, man denke da etwa an die Schachteln).

Gearbeitet wird aber zunächst an der zweiten Aufgabe, die hier unter dem Arbeitstitel Wie sie vielleicht wissen firmiert. Im Zentrum steht dort ein kleines Theaterstück, ein Dreiakter, der die Bibliothek in eine Übergangszeit platziert. Das Stückchen sollte auch isoliert von seiner Einbettung als Stück funktionieren. Mehr verrate ich an dieser Stelle noch nicht. Der Rahmen, und ich weiss nicht, ob man wieder von einem geplanten Roman sprechen kann, ist aber eine Art Narration, die mit verschiedenen Textsorten arbeitet, und da gibt es wieder strukturelle Ähnlichkeiten mit Dranmor.

Thema ist – was die Materialsammlung angeht, die hierzu in der nächsten Zeit angelegt wird – die Bibliothek bzw. Bibliothekare/Innen in der Literatur. Also Fiktionen um die Fiktion physischer Archive, die wiederum in eine Fiktion wandern sollen.

Mathematik und Kunst

(M01)

Die Erwartungen an Rationalität und Effektivität bibliothekarischer Verwaltung sind wesentlich von jener Mythologisierung geprägt, die – wie obenstehend belegt – den Sammlungen vorrangig als Affektträgern, als objects of pathos begegnet. Für Errol war die Bibliothek ein Stück Schönheit schlechthin, eine Vermählung von Mathematik und Kunst. Zu viele Leute sahen sie lediglich als Gebrauchsgegenstand (…)

Daß diesem Missverständnis nicht allein die dem Pittoresken schon von berufswegen verpflichteten Literaten aufsitzen, hat noch jüngst Christa von Brauns Fernsehbericht über die Bayerische Staatsbibliothek vorgeführt (…).

Dem Kultobjekt Bibliothek wird organisatorische Ineffizienz nicht allein nachgewiesen, selbst schriftstellernde Insider verweisen kokett auf eine fiktive Eigengesetzlichkeit bibliothekarischen Verwaltens: Sofern Sie unsere Arbeitsweise so gut kennen wie ich, dann können Sie sich vorstellen, wie überrascht ich war, als Mr. MacFinster, der Abteilungsleiter, mich in sein Büro kommen ließ, um mir die bevorstehende Ankunft eines Experten für Arbeitseffizienz anzukündigen (…).

Es ist bezeichnend, daß in den ausgewerteten Texten moderne technische Hilfsmittel, deren Gebrauch in der Bibliothekspraxis längst zur Routine geworden ist, mit drei Ausnahmen (…) nicht vorkommen. Dies, obwohl von einigen Autoren die konventionellen Verwaltungsdetails durchaus mit einiger Sachkenntnis beschrieben werden.

In: Döhmer, Klaus. – Merkwürdige Leute : Bibliothek und Bibliothekar in der Schönen Literatur. Würzburg : Königshausen und Neumann, 1982 (S.31)

Hier beginnt eine Materialsammlung zu einem Projekt mit dem Arbeitstitel Wie sie vielleicht wissen* und dem Themengebiet (eigentlich nur einem Aspekt) „Bibliotheken/Bibliothekare in der Literatur“.

edit, 19.4.07: auf die frage, wozu das ganze, die vor kurzem kam. von der potentiellen ausbeutung der texte abgesehen, soll hier auch ein – sagen wir mal – resonanzraum für einen etwas längeren text hergestellt werden.

edit, 31.05.07: der projekttitel (und damit die kategorie) wurde in bibliotheca caelestis* geändert. erklärungen werden nach und nach folgen. einstimmung und hinweis kann aber schon die luftbibliothek sein.

21. Schachtel (7-6-7)

Zünde ich mir eine Zigarette an. Die Zigarettenschachtel – die erste Schachtel am Morgen, ich meine: meine erste bewusste Schachtelbegegnung, ein Zuhandensein, Raumbild zukünftiger Lungenzüge und künftiger Asche. Jede Menge Asche. Rauch. Schwaden. Exhalat aus zehn mal zwanzig Atemzügen. Und zigfaches Aufblitzen und Funkenflug. Und die Reste: zerstossen passten sie mühelos in die Streichholzschachtel daneben. Ins Urnenäquivalent. Sargnägel, nennt man sie auch.

ein kleines spiel mit der ewigkeit. mit dem, was man sich darunter vorzustellen vermag. mir fällt ein buch von nicholson baker ein. ich schreibe den titel auf. a box of matches. ich notiere dazu: „kleine phänomenologie der morgenstunde“. und: „mehr dazu bald“.