das Wort entwölkt
verbraucht im Begriff
auslautend
(E. H. Bottenberg, Tal: Unschärferelationen, S.21, 2006)
|::| das sieb |::| kürzeste lyrik novitäten
das Wort entwölkt
verbraucht im Begriff
auslautend
(E. H. Bottenberg, Tal: Unschärferelationen, S.21, 2006)
|::| das sieb |::| kürzeste lyrik novitäten
verwerf gedanken dem
alltag ins gesicht zu speien
erzähl zwei gültigen momenten den
morgen einer zuckerblume
frühling
auch mit partizip
im reinraum klasse 1
pflichtunversonnen
kalenderblätterreissen in
den schultern
nicht ertragen
der kalender wird verhängt
und träumend
boy meets girl
notieren
verlornen auges mir
ins abgeliebte angesicht
klavier dazu zu spielen in
kellerzimmern
waldschänken
ohne grundversorgung
an vergangenheit
aus geist und gleitzeit dies
gedicht zu schreiben
einzureichen
hoffen es wird
schneller noch als bald
zertifiziert
nach iso
menschen eine landschaft widmen
nach iso
tatsachenermangelung
nach iso
prolegomena im sand
im kasten meiner rede
anderntags
ich steige aus
aus dem dahergesagten
endbahnhof weltpostverein und
schweige bis zum nächsten frühling
ich hab mein internet verkauft
ich habe jetzt nicht nein gesagt
Bildquelle: Markus Hediger, Link: Lot 45
Eine kleine Anekdote bleibt noch zu erzählen. Erst am Samstag erfuhr ich von Rittiner & Gomez, dass das (damals leider schon verkaufte) Bildchen (s.o. Bild 45: untere Reihe, 4.v.r.), das auch als letztes Bildchen einer Serie in der aktuellen Spatiennummer (3) abgebildet wurde, nicht ein Bild, sondern fünf Bilder waren. Die Inselmaler hatten mit Bild 1 begonnen und dieses wieder und wieder und am Ende vier Mal übermalt und uns eine Serie von 5 Zuständen geschickt, die es damit aber nicht in jeweilig einfacher Ausgabe, sondern eben nur ein einziges Mal, aber übereinandergeschichtet gab.
Hätte ich doch vorher davon erfahren. Man hätte darüber tolle Dinge schreiben können. Zumal im Zusammenhang mit dem Heftthema An den Tod. Über das Leben als Übermalung. Den Tod als letzten Maler. Palimpseststrukturen. Diese Technik als allegorisches Verfahren. Seis drum. Hier ists nun erwähnt …
Die beiden Männer erfahren wenig über Inhalt der mehrfach mit Paketklebeband versiegelten Pappschachtel im Kofferraum des VW-Busses. Auf eine zaghafte Anfrage Angelos hin murmelt Liz, geheuchelt verschlafen, dass es sich um Sentimentalkram handele, den man unterwegs irgendwo loswerden wolle. Angelo bohrt nicht nach.
Sentimentalkram – das Wort nötigt ihm Respekt ab, Neid dergleichen möchte er auch gern besitzen. Geschweige denn loswerden müssen. Und Jonas schweigt, konzentriert sich auf den Verkehr.
Aus: Helmut Krausser, Kartongeschichte, S. 90
Körperkisten und Gedankensärge, gleichermassen. Wirksam, kommen zum Einsatz nur offensichtlich, nur oberhalb der Erde, Gefässe der Abschiednahme, gleichermassen.
Die Urnen dagegen: abstimmungshalber, und fürs Regal. Für den gedachten Wiedergebrauch. Für den Widerspruch.
noch jeden meiner familie habe ich zweimal unter die erde gebracht. noch jeden zweimal verabschiedet, in die kiste gegrüsst und den kopf gesenkt bei der einlotung des metallboliden in die erde. ein ritual, zwei rituale, die nie hinterfragt wurden bei uns. ein gruss an den körper, einer an den inhalt, der allmählich entweicht.