taberna kritika

Hybride Stoffe.

Erst im Gespräch mit meinem potentiellen Verleger (dazu vielleicht bald mehr) der „Träume meiner Frau“ kam ich auf den Begriff der Hybridität, was die Textsorte der Reihe en grosumfasst. Es sind hybride Stoffe, formal und inhaltlich (wie auch schon in vorangegangenen Einträgen angedeutet), und natürlich: was die Subjektposition der Texte, nein, des Konvoluts als Ganzes angeht. Seitdem mag ich den Untertitel nicht mehr, den ich einmal 100 Stoffe getauft hatte. Hybride Stoffe dagegen, scheint mir nun sinnvoller. Er weist den Titel wieder in eine Richtung, sodass er nicht mehr allzu missverstanden werden könnte, obwohl natürlich auch ein bisschen mit diesem Missverständnis kokettiert wird. Hoffe, der Vorschlag, den ich nächstens anbringen werde, kommt an …

Werkschau 03 – Der Berner Salon

(aus einem Newsletter)

Einladung & Aufruf

Liebe Freundinnen, Freunde, Bekannte und Interessierte,

es ist wieder soweit: Wir laden Euch ein zur dritten Werkschau am

Samstag, 1. September 2007

im Westrich, Bahnstr. 22, 3008 Bern

s.a.: http://www.werkschau.org

Für potentielle BesucherInnen:

Bitte merkt Euch diesen Termin vor.

Für potentielle Beteiligte („call for projects“):

Bitte sendet Eure Vorschläge und Links musikalischer, literarischer, bildender bzw. anderer künstlerischer Ausdrucksformen an (s. homepage) bzw. die unten angegebenen E-Mail-Adressen. An diese Adressen können auch Rückfragen gestellt werden.

Herzliche Grüsse

Die VeranstalterIn

Thomas Blaser, (…)

Brigitte Meier, (…)

Hartmut Abendschein, (…)

P.S.: Bilder, Informationen etc. der letztjährigen Veranstaltung findet Ihr hier:

http://www.werkschau.org/2.html

P.P.S.: Für Textbeitragende – Beachtet bitte auch die Publikationsmöglichkeit bei „spatien – zeitschrift für literatur” ( http://www.spatien.net/). Heft 4 wird wahrscheinlich an dieser Werkschau vorgestellt. Desweiteren ist ein Büchertisch geplant …

Das Dichte (ddII)

Streichen, Rhythmisieren, Dynamisieren; vgl. ddI

Zieltitel (immer noch, verhandelbar) / Atmosphäre; (Lesarten: Verlust der Sinnlichkeit, Altersdemenz, Negation der Biographie etc.)

weniger. langsamer.

schöner. besser.

II. Material entschlackt, Bilder verflüssigt & dynamisiert, Übergänge & Zäsuren eingeleitet, Bilder verworfen (wie versprochen, gehen diese an dirk schröder …)

stehts da in offnen hosen

in schlanken lettern

in einer carte de cuisine

fällt da in tiefe abstraktion

in langmut

später mehr denn

aufschub ist dein name

parkt kurz im ichverbot

lässt einen fahren

in geschlossnen räumen

gerne auch in einem lift

mit dir allein

isst gerne

wenig langsam

schöner besser

und freut sich an der feuchtigkeit

der haut des eigenen seins

in grossen gruppen

dort trinken

dort literweise buch

und bühnenwörter saufen

dort hoch die tassen

hoch kultur so

hoch wies einem selbst mit hut

dort saufen fressen

dick ist der der dick sich denkt

dort grappa schlürfen

nur vom feinsten schmeiss

die alte katze raus die

hat hier keinen platz

die spitzen stiefel

nicht von c und a und

dieses wissen

das andere wissen

das eigene wissen weg

den hintergrund versoffen

die katze auch

das geld geht ganz weit weg reicht

für nen daumen nach berlin und

noch ein schlückchen ingwertee

auf der a10

wildlederjackenabend

im programmkino ist

motto zugleich requisit

ist kinolächeln

regnets

mit dem kinoschirm

am bein

ein fremder kinofussel

bleibt alles trocken

bleibt auch noch

das hingegen dieser

wörter sätze stumm

hält deine sprachbox sauber

sind kinoschirme

vollgefressen und feigen doch wie

siebzehn jahre lagerhaft

verkrusten tage

verbleiben an der oberfläche

kein volumen

kein missfallen dessen

das nicht interessiert

bleibt wenig übrig nach

der reinigung des teppichs

deiner schaufabrik

von wörtern

die zur späten stund

Das ist Dichtung (ddI)

Vom Material und Fundstück zu wortgewordener Schönheit

Zieltitel / Atmosphäre

weniger. langsamer.

schöner. besser.

I. Material, numerus currens

steht da, mit offener hose, liest aus der menuekarte vor

sie fiel plötzlich in eine tiefe abstraktion

ich heisse aufschub, doch dazu später

kurzparker im ich-verbot

ein furz im aufzug

des teufels avocado

rollenmobilität

wir wollten nur saufen – schon wieder kultur

wenn du denkst, du bist zu dick, dann bist du auch zu dick

schmeiss die katze endlich raus

grappa (mit link auf ein grappa-gedicht):

grappa als restverwertetes, verdichtetes, veredeltes

und ich dachte immer, diese art spitzer stiefel

wurde als code von alleinlebenden produktmanagerinnen annektiert

verzichtsplanung

das hintergrundwissen versaufen

ingwertee auf der autobahn

das programmkinolächeln

programmkinoschirme

ein programmkinofussel

das hingegen der wörter und sätze

halte deine sprachbox sauber

vollgefressen und doch ein gesicht wie zehn jahre lagerhaft

das verkrusten der tage

oberfläche allein hat noch kein volumen

verschenk ein knusperlos

interesseloses missfallen

die gedichte reinigen von wörtern,

die bevorzugt nach 23 uhr in suchmaschinen eingegeben werden

(…)

17. Schachtel (Das Selbst)

Man kann über alles diskutieren. Auch über Titel. Auch über Titelvarianten. Man könnte diese Zettelmenge auch “Über die Ordnung in meinem Keller” nennen. Vielleicht. Oder nur: “In meinem Keller”. Aber dann ginge der Fokus etwas verloren. Das könnte aber gerade recht erscheinen und man würde sich auf ein abschweifendes Sehen berufen. Und den abschweifenden Blick als den Effekt eines Nichtmehrerinnerns. Eines Nichtmehrerinnernkönnens. Wer wollte das verbieten?

man kann da auch ganz pragmatisch reagieren, wie ich jüngst schrieb. kann da gewicht abwerfen. stellenwerte verringern. verzichtsplanung betreiben und nach bestimmten oder unbestimmten mustern extrahieren. einen titel nach dem zufallsprinzip aus der zu titelnden textmasse generieren. was würde das ändern? es ist zunächst eine charmante idee. man stelle sich vor: die teile, die da aus dem textinnern ans licht gezerrt werden und da plötzlich rumstehen, oben, und nicht wissen, was sie da tun sollen, so im rampenlicht und ner menge vorschusslorbeeren; und einen dann wieder absetzen, hineinwerfen in das monstrum. das ist mir da so durch den bauch gegangen. (ist auch so ein zusammenhang: diese überbewertung der titel. (…)