taberna kritika

ultraviolet

der geruch des sommers an deinem

handgelenk die schweissperlen über

deinem puls meine fingerkuppen noch

taub von der kälte des wassers im

fluss die brandblasen kühlen von

den zündköpfen auf deiner brust

bündeln sich die sonnenstrahlen die

hitze auf einen schlag der warme

regen für einen augenblick und

ich weiss nicht wohin mit meinem

glück dein bauchnabel ist das loch

in meinem herzen sonst liefe es

über ins leere und bliebe dort stehn

wie ein träumer den sein traum

vergessen hat

(Albert Ostermaier, POLAR, S.49, 2006)

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14. Schachtel (Indikatoren)

Ein Sarg muss her – man will alles gut beerdigt wissen. Man will, sollte man ihn wieder öffnen, gäbe es ihn noch, darin aber weiterhin fündig werden. Das kann vielleicht so aussehen, wie es einmal ausgesehen hat, oder mehr oder weniger sein, oder ein bis zur Unkenntlichkeit Entstelltes. Man will nur nicht leere Luft, das wäre uninteressant, und: wurde etwas beerdigt, hat es also das Zeitliche gesegnet, sagt man da eigentümlicherweise. Wurde es Zeichen ehemaligen Kümmerns.

ein tröstliches zeichen. ein zeichen, dass man mensch war und versuchte, anständig zu sein. anhaltspunkt für einen abgleich, sollte man die nägel aus dem noch nicht verrotteten deckel ziehen. nur wenige momente danach.

Ein Gleiches

Nach einem harten Arbeitstag in den Weihnachtswochen kam zu einem Buchhändler, den wir der Kürze halber B. nennen eine Kundin, die wir der Kürze halber K. nennen mit einem Kind in seinen kleinen Laden in der Vorstadt und es ereignete sich folgende Geschichte.

Sehr erzürnt und etwas umständlich nestelte K. unter mürrischen Beilauten des Kindes ein Bilderbuch aus einem Leinensack und präsentierte B. einen Kassenbon, der den Kauf dieses Buches in eben diesem Laden vor ein paar Tagen quittierte.

Man wollte es umtauschen in ein anderes dieser Reihe, oder eben dasselbe, wenn es dieses denn ohne Schreibfehler gäbe. Zum Beweis ihres argen Vorwurfs öffnete sie eine mit einem Zeitungsausschnitt markierte Seite und wies auf den bildbegleitenden Text, der tatsächlich das Wort Ganse enthielt, obwohl es Gänse heissen müsste, schliesslich beschreibe es ein Rudel Gänse auf der gegenüberliegenden Seite und das, wie K. nun beschwor, in einem Verlag, der sich bekanntermassen auf besonders didaktische Bücher verstieg, und sie als Lehrerin, wie sie nun betonte, doch Recht- und Genauschreibung vermitteln müsse, kreidete diesen Fehler an und erweiterte ihre Forderung, doch gleich das investierte Geld wieder ausgezahlt zu bekommen.

Der Buchhändler B. war nach diesem harten Arbeitstag nicht sehr glücklich über die Einlassungen seiner Kundin und konnte sich aber, trotz zunehmender Ungeduld des Kindes zu einem Scherz durchringen, nahm einen Faserstift und ergänzte flugs die fehlenden Punkte über dem Vokal mit der Bemerkung in etwas onkelhaftem Ton, nun könnte das Buch, fänden sich nicht etwa weitere Fehler darin, unbesorgt zur Lektüre weitergereicht werden.

Dies brachte die Kundin derart in Rage, dass sie B. mit einem längeren Sermon über die Verantwortung von Verlagen und ihren Helfershelfern insbesondere für die Sprache vereinnahmte, und den armen Buchhändler, nachdem er ihr bald eine Gutschrift, bald einen Umtausch samt Korrespondenz mit dem Verlag, endlich die Herausgabe des von ihr gezahlten Geldes sowie einer sehr unterwürfigen Entschuldigung abnötigte, worauf diese den Laden mit dem inzwischen blau angelaufenen Kind und grusslos verliess.

Anmerkung: Das Ereignis mutet uns wie ein Gleichnis an und es schlössen sich fast erzwungenermassen ein paar wichtige Fragen und Diskussionen zu den verschiedenen Fehlleistungen der Kundin K., aber auch des Buchhändlers und anderer Beteiligter an.

Man könnte schnell über die Fallhöhe von Fehlern und ihre Behebbarkeiten ins Verhandeln kommen. Über pragmatische versus grundsätzliche Problembehandlungsansätze auf einem äusserst schwierigen Terrain sinnieren.

Man könnte diese Geschichte als eine Allegorie auf den Umgang mit dem Fehlenden Anderen begreifen, und solchen, die ohne dies nicht leben könnten oder wollten.

Aber wir ziehen es vor, für heute unseren kleinen Laden zu schliessen, denn den Gänsen, die davon gänzlich unbeirrt in diesem Buch weiter schnattern, wie sie es auch mit dem Mangel ihrer Bezeichnung getan hatten, ist es ein Gleiches.

titel 2006

quartal 4/06

Scheck, Denis / Bellow, Saul / DeLillo, Don: Thomas Pynchon – Eine Rasterfahndung. (HörbucHHamburg). 2000.  ISBN 3-934120-65-2

Nebel, Otto: Unfeig. Eine Neun-Runen-Fuge. Zur Unzeit gegeigt (Urs Engeler Editor) ISBN 3-938767-04-9

Schrott, Raoul: Tropen. Gedichte. Lesung, 2006. (DHV – Der Hörverlag) ISBN 3-89940-914-0

Gelich, Johannes: Chlor. Roman. 2006 (Droschl, M) ISBN 3-85420-699-2

Bossong, Nora: Gegend. Roman. (Frankfurter V.-A.) ISBN 3-627-00136-2

Schindel, Robert: Gebürtig. Lesung. (Skarabäus), 2005. ISBN 3-7082-3161-9

Krausser, Helmut: Eros. (DuMont Literatur und Kunst), 2006. ISBN 3-8321-7988-7

Schneider, Hansjörg; Hunkeler macht Sachen. Kriminalhörspiel nach dem gleichnamigen Roman. (Merian, Christoph) ISBN 3-85616-260-7

Hoppe, Felicitas: Verbrecher und Versager. Lesung.

(marebuchverlag) ISBN 3-936384-58-4

Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht. 2006 (Hanser, Carl) ISBN 3-446-20762-7

quartal 3/06

Geiger, Arno: Es geht uns gut. Gekürzte Lesung, 2006 (DHV – Der Hörverlag) ISBN 3-89940-853-5

Federmair, Leopold: Ein Fisch geht an Land. 2006 (Müller, Otto) ISBN 3-7013-1111-0

Krausser, Helmut: Der grosse Bagarozy. 1997 (Rowohlt) ISBN 3-498-03493-6

Melián, Michaela: Föhrenwald. (Hörspielpreis der Kriegsblinden), 2005, Bayerischer Rundfunk/kunstraum muenchen

Bachmann, Ingeborg: Der gute Gott von Manhattan. Hörspiel. Regie: Westphal, Gert. Sprecher: Regnier, Charles / Benrath, Martin / Halenke, Gusl (DHV – Der Hörverlag) 2005, ISBN 3-89940-640-0

Urs Mannhart, Die Anomalie des geomagnetischen Feldes südöstlich von Domodossola. Roman, 2006

Jayne-Ann Igel: Traumwache. Prosa. Urs Engeler Editor, Basel 2006 ISBN 3-938767-03-0

Maier, Andreas: Ich. 2006 (Suhrkamp) ISBN 3-518-12492-7

Wandeler-Deck, Elisabeth: Piraten. Haitianische Topographien. 2004

(Bilger, R) ISBN 3-908010-67-5

Schimmelbusch, Alexander: Im Sinkflug. 2005 (Luftschacht) ISBN 3-902373-14-8

Bernhard, Thomas: Alte Meister. Vollständige Lesung. Regie: Nesselrath, Heinz. Sprecher: Holtzmann, Thomas (DHV – Der Hörverlag) ISBN 3-89584-950-2

Ezra Pound: motz el son (Wort und Weise): Eine Didaktik der Dichtung. Zürich: Arche 1957

dusie #04, 2006. e-chap collective. http://www.dusie.org/

quartal 2/06

Walser, Robert: Jacob von Gunten. Ein Tagebuch (1909) (Suhrkamp) ISBN 3-518-37611-X

Tellkamp, Uwe: Der Eisvogel. 2005. (Rowohlt Berlin) ISBN 3-87134-522-9

Maier, Andreas: Klausen [Ton“> / [gelesen vom Autor“>; Regie: Ursula Hornisch. München: Der HörVerlag, 2002. 3-89584-956-1

Urweider, Raphael: Lichter in Menlo Park. Gedichte. 2004. (DuMont Literatur und Kunst) ISBN 3-8321-5256-3

Jaschke, Gerhard: Von mir aus. Auf/ Zeichnungen. 1993. (Edition Splitter) ISBN 3-901190-08-2

Wagner, Jan: Probebohrung im Himmel. Gedichte. 2001. (Berlin Verlag) ISBN 3-8270-0071-8

Uetz, Christian: Zoom Nicht. 1999. (Droschl, M) ISBN 3-85420-524-4

Mettler, Michel: Die Spange. (Suhrkamp), 2006 ISBN 3-518-41755-X

quartal 1/06

Kehlmann, Daniel: Die Vermessung der Welt. Audio-CD, insgesamt 3 Bände/Teile. Universal Vertrieb, 2006 ISBN 3-8291-1540-7

Lang, Thomas: Am Seil. Roman (Beck, C H), 2006 ISBN 3-406-54368-5

Schlag, Evelyn: Brauchst du den Schlaf dieser Nacht, Zsolnay, 2002

Hohl, Ludwig: Nächtlicher Weg. Erzählungen. Frankfurt a.M. : Suhrkamp, 1971

Amanda Aizpuriete: Babylonischer Kiez. Gedichte. Übertragung von Manfred Peter Hein. Rowohlt Verlag, Reinbek 2000

Amann, Jürg: Pornographische Novelle. (Tisch 7 Verlagsgesellschaft) ISBN 3-938476-06-0

Schmidt, Kathrin: Go-In der Belladonnen. Gedichte. 2000. (Kiepenheuer & Witsch) ISBN 3-462-02933-9

Aebli, Kurt: Der ins Herz getroffene Punkt. 2005. (Engeler, U) ISBN 3-905591-87-1

Brinkmann, Rolf D: The Last One. Autorenlesung Cambridge Poetry Festival 1975 – ISBN 3-934847-46-3