taberna kritika

Dranmor: Zyklen/Spiralen, zum 10. Kapitel

Tatsächlich, nun scheint ein Knoten geplatzt. Nachdem ich mich nun langsam wieder dem Ende des 9. Kapitels annähere, liegt plötzlich – wieso bin ich nicht vorher darauf kommen? – die einzig mögliche Variante um das Romanende vor mir, als wäre es schon lange so geplant. Ja, als wäre der ganze Text darauf angelegt.

Nach dem offenen Ende im 9. Kapitel (es ist nicht genau festgelegt, ob denn nun der Erzähler davonfliegt oder ob es sich um einen Suizidsprung von der Aarebrücke handelt), wird sich der Erzähler im 10. Kapitel aus seinem Bett erheben und mit der Niederschrift einer Romanstruktur beginnen.

Die entstandene Materialiensammlung zum Text und der Text “dranmor überschreibungen”, die ursprünglich als Kap. 10 geplant waren, werden also wieder aus dem Manuskript gelöst, werden aber vielleicht für Interessierte zum freien Download bzw. als Heftchen angeboten.

Bei den Strukturskizzen, also der Niederschrift handelt es sich aber um nichts anderes als dem hier und hier erwähnten Plotsheet (dem man noch einen anderen Namen geben wird), das sozusagen eine spezifische Lektüre bzw. die “Inhaltsangabe” (wenn man so möchte, denn freilich steckt in dieser Abbildung viel mehr und viel weniger als im tatsächlichen Haupttext) des vorangegangenen Textes anbietet.

Am Ende der Niederschrift der Struktur wird sich der Erzähler an die Arbeit machen und diese zu füllen beginnen, was natürlich wiederum zu dem Beginn des Romans führen wird.

Im Grunde, so eine Funktion dieses Ansatzes, wird hier also an einer unendlichen Spirale gearbeitet, bzw. diese abgebildet bzw. Mechanismen des Wechselspiels zwischen Lesen/ Schreiben/ Verstehen, tatsächlich also eines hermeneutischen Zirkels ausgestellt. Ein weiterer, positiver Nebeneffekt ist natürlich das inhaltliche Gerüst in Registerform, das nicht alleine lässt, wenn man in den jeweiligen, auch sprachlich durchaus unterschiedlichen Assoziationsräumen und Annäherungen verloren geht. Ich hoffe also, mit diesem Verfahren wird der Text eine im buchstäblichen Sinne runde Sache.

dran glauben

gewichtloses meinen einer trauer

grachtenlang rettet die verdünnung

deine hüfte, die leugnung eines

gedanken, der aus dem bau kommt.

im rothaus am see vom wohnwagen aus

guckst du, kühe, die salz leckend grasend

           den wald stärken

(Swantje Lichtenstein, figurenflecken oder: blinde verschickung, S.38, 2006)

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7.3

am schreibtisch // fällt in der erwartung auf lösung der / hilfsstoffe der acetylsalicylsauren beigaben / zusätzlicher mengen an vitamin c in / das glas stillen wassers das / noch nach dem eintauchen der / runden scheibe geworfenen blasen die / platzen und gase freisetzen der / bildung von schwemmsatz am / boden des glases der trübung des wassers der / salzung der säurung der endlichen / löschung des dursts und des / drucks in den höhlen der / stirn fällt nun weniger ein als beim / ordnen der durchschriften letzter zwei / briefe ganz eindeutig auf dass / tatsächlich ein tausch ein / versehen der schriften ein senden von / inhalten falsch überkreuz und in / diesem moment auch zerrissen bleibt / nichts als ein anruf doch ihr apparat / wie sie selbst nicht gut / aufgelegt und auf dem boden der / börse nur wenige münzen was / tun war die frage als sitzend am schreibtisch zu hadern da / ist noch die querfinanzierungs / gelegenheit hiesse platziere den eigenen / namen der richtigerweise der / ihre sein müsste am / unteren rand des vertrags des verlags //