taberna kritika

Sinkstoffe

Aphatisch

Warum er schreiben muss:

Um, nach dem Verlust der Sprache, noch zu zeigen, dass er sprach.

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Der Lacher auf deiner Seite

Soso (Aha), dein Mann

ist Dichter. Aha. (Haha)

noch im entwurfstadium. vielleicht auch zu löschen – ich weiss es noch nicht. auf jeden fall liegt eine datei mit diesen zeilen seit wochen auf dem desktop und muss endlich weg …

6.3

nicht im sondern neben dem bett // liegt man dreht sich und wendet / zusammen vergangenes blättert beschriebenes / übrig gebliebenes / kalkwandig wenig verdauliches kippt es in sicherem / abstand in andere körper und köpfe in / grosser verknappung verfasste / kapitel mit fragen wie war das mit / all den geschriebenen schatten momente der / drehung sind äusserst wahrscheinlich auch nackt / mit authentischem speichel frankiert auch das auge im auge im / weinhaus in ihr oder / mir nicht zwei geister kein einfaches sagen das / wieder ein loch bohrt in endlose ketten die / bilder die spurlosen blätter / sehr ähnlich im schatten des anderen fusses mit / sich nicht im reinen so / rührt was ein wort war die / farben der bilder bis früh / in den morgen //

5. Schachtel (Projektionen)

Ein Karton ist ein nur fast ideales Magazin. Eine Auslagerungsstelle für die noch unbestimmte Zukunft. Und ist es dokumentiert, darf man es getrost Archiv nennen und dabei auch Trost empfinden. Seine Inhalte wärmen sich im Mantel der Erinnerung und warten auf den Tag, das Schweigen zu brechen. Man muss aber auch auf seine Feuchtigkeitsempfindlichkeit hinweisen, und darauf, dass schon viel Gelagertes sich bei der Bergung als sein Gegenteil entpuppte. Den Dingen eine Hülle zu geben, erspart nicht deren regelmässige Besichtigung. Und Lüftung. So auch beim Wort als Karton des Dings.

um noch weitere spezialformen zu nennen: den koffer, der einen spezifischen raum beschreibt, dieser aber geradezu und ausschliesslich prädestiniert scheint für die zwischenlagerung UND bewegung seines inhalts. und: einen endlichen raum durch den unendlichen zu tragen. man kann schon darum nicht mehr sagen, es befände sich nichts darin. ein koffer ist nie leer.

Feuereimer

Feuereimer, durch die Nacht getragen,

in den Schnee gestellt, von warmen Händen.

Glut wird gebraucht, wo Blumen sind und Orangen.

Kommen die Lebenden aus dem Dunkel

Schlaflose, Menschen und Tiere, letzte Falter

in Funken und Rauch einer Flamme,

und atmen, bis die Asche im Eimer kalt ist.

(Christoph Meckel, Seele des Messers, S.58, 2006)

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4. Schachtel (Horten)

Wären da nicht die Andeutungen. Die nicht begriffenen Sachen, die trotzdem benannt wurden. In den Heften und Briefen, und den Briefen die folgten. Und denen, die nie abgeschickt wurden. Und denen, die ich an mich selbst adressierte, und die nun, es ist dunkel heute Abend und der Wein bald zur Neige, gefangen sind. Bewacht werden in entfremdeten Kisten und verjährten Kellern an den Rand gedrängt. Die aus dem Blick gezogenen Schachteln, in fremder Gewalt: die Zell- und Zeilstoff angreift und löscht und auch die anderen Substanzen zermürbt. So liegen die Andeutungen jetzt, meine und ihre, in jahrzehntealten Wörtern, seinerseits. Und noch mehr: die ganz alten Wörter, die es heute nicht mehr gibt. Die Wörter der Väter und Mütter, die zuerst benutzt wurden, in ganz fremder Umgebung, sodass sie sich gar nicht mehr eigneten, ausgesprochen zu werden.

voilà. ich wurde nach einem konkreten beispiel gefragt. ich musste da nicht lange suchen. es befindet sich im kapitel 6.08 („Das Dritte“) des romans, das ich just an dieser stelle überarbeite. ich arbeite mit einem ausgeklügelten system von nummern. ich finde die stellen blind.