herzlichen glückwunsch an franz dodel zum 10000sten!
taberna kritika
überschreibungen 16b
(der text als skulptur)
Bild: Jean Tinguely, Homage to New York (remnant). A self-constructing and self-destroying work of art. Demonstration in sculpture garden of Museum of Modern Art, New York, March 17, 1960
(zu dranmor materialien; übersicht überschreibungen)
– zu anderen maschinen
– auch hierzu (und: III,1c=Über Berge schreiben): carlfriedrich claus, ausblick

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Um Wissen zu vermehren, gehe man mit einer handvoll Körper an einem sonnigen Tag in einen Laubwald und suche sich eine Ulme. Etwaiges Gras und Wurzelwerk werden darunter auf einer nicht zu kleinen Fläche entrissen und diese, um den nahrhaften Boden etwas aufzulockern, genässt. Dann beginnt man mit einem schneidigen Spaten eine entsprechende Anzahl Löcher in dem Boden anzudeuten. Diese werden, nach einer kleinen Pause, bis zur Mannstiefe noch vor der ersten Dunkelheit ausgehoben.
Die Körper werden nun mit angewinkelten Armen in die Aushebungen gestellt und diese wieder bis zu deren Hälse mit Erde befüllt. Daraufhin werden die Köpfe fortan zweimal täglich gegossen.
überschreibungen 16a
(cover version)
erinnert an die 70erjahre, diese kleine photoshoparbeit als potentielles titel- oder umschlagbild der dranmor-überschreibungen. trotzdem: irgendwie auf den punkt gebracht …
(zu dranmor materialien; übersicht überschreibungen)
überschreibungen 16
(briefchen)
im übrigen bleibe völlig offen*, was denn in diesem briefchen sei. als könne ein text keine süchtigmachende substanz sein … (). als problematisch dagegen kann man vielleicht in der passage davor (VI,3 Noch ein Kartenspiel) die verwendung derselben (anderen) typographie wie bei den exzerpten (vgl. Aus den Aufzeichnungen II) bezeichnen. die hineinmontage also eines weiteren tagebuchähnlichen textstückes aus der näheren vergangenheit des erzählers und damit eines briefes an sich selbst. (). problematisch, aber auch in einer gewissen form konsequent, handelt es sich doch bei beiden gleichermassen um texte, die auf ähnlicher ebene vom erzähler (falsch?) neu- oder umgedeutet werden. die damit vielleicht aber genau das pathologische dieses charakters markieren. bei dem einen part passiert die umdeutung über z.b. unzulässiges exzerpieren, beim anderen schon () durch das schiere beharren auf die wirksamkeit (und wahrheit) von etwas geschriebenem, noch dazu dem eigenen. (Man hat das vielleicht notiert, weil man Regeln notieren muss, sonst bleiben sie unwirksam, steht in einem Heft.) * anmerkung: dieses erzählerische mittel wird auch schon deswegen benötigt, weil der erzähler in der darauffolgenden passage und damit in dem neuen kapitel VII (das barcelona-kapitel) nicht nur einen schauplatzwechsel unternimmt: auch seine wahrnehmung (und/oder: halluzinationsstufe und folglich: sprache) ist von einer (toxischen) verschiebung betroffen. CONTAINER: kein Kommentar.
(zu dranmor VI,2a-VI,6; übersicht überschreibungen)