taberna kritika

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literatur, behauptete

[literatur ist immer behauptung. literatur ist vor allem selbstbehauptung.”>

iris radisch war es, glaube ich, die während des klagenfurter wettbewerbes 2005 zu einem text bemerkte, er sei behauptete literatur, um ihn auszuschalten. manchmal fallen einem unvermittelt details ein, jahre später.

Dokumentstruktur, Inhaltsverzeichnis, Leseprobe (Dranmor V2)

Hier ein kleiner Zwischenbericht zur Arbeit an Version 2 des Romans Dranmor (derzeit ca. 370 Seiten): Nachdem ca. 18 Passagen angeglichen bzw. bearbeitet wurden, die sehr problematisch waren, ist nun der Zeitpunkt erreicht, das gesamte Manuskript dieser Version noch einmal in Angriff zu nehmen.

Formal hat sich in der Zwischenzeit folgendes geändert: Die Textserie „überschreibungen“, die Dranmor-Materialien und die Literaturliste wurden als Kapitel 10 in das Dokument eingefügt und ein Inhaltsverzeichnis erstellt. Dieses ist, damit Sie sich einen kleinen Eindruck von der Architektur des Gesamttextes machen können, hier einsehbar.

Wie Sie dem Papier entnehmen, wurde nun auch eine saubere, übersichtlichere Zählung eingeführt. Das ist deshalb wichtig, so überlege ich jetzt, um einfache, aber präzise Referenzen (bspw. zwischen den Anhängen und dem Haupttext etc., vielleicht durch so[3.06″> eine Art der Verankerung) einzubauen. Um mich mit einem anderen Lektüre- und Überarbeitungsverfahren wieder dem Text zu nähern, habe ich beschlossen, es so zu versuchen: Pro Woche werde ich etwa ein halbes Kapitel langsam laut lesen, um (mir) einerseits Notizen und ad-hoc-Korrekturen zu machen, andererseits auch den Text so auf seinen Klang abzuklopfen.

Es ist also ein bisschen eine andere Herangehensweise als beim letzten (ersten) mal; genau diese brauche ich aber, auch um nicht zu erblinden. Wir werden sehen.

Konkret heisst das, dass es wohl etwa 20-25 Wochen (bis in den Januar also) dauern wird, bis aus dem derzeitigen Stadium auch eine vorläufige Version 2 entstanden ist.

Natürlich wird an dem Kopfzeilentext sie liest mich weiter gearbeitet werden. Über dessen Anwendung und Montage usw. zerbreche ich mir aber frühestens bei Version 3 den Kopf …

3.2

gleich vor der türe // es regnet noch immer sagst / du ich entgegne es regne schon wieder denn / regen er regnet nur wenn ich ihn sehe ich / weiche zurück wovor weiche / ich aus fragt sie mich es sei / wie mit dem heft das / ich ihr vorenthalte und / schon seit stunden erst unter / dann neben dann hinter mir / decke man könne ihr wirklich / vertrauen sie werde gewissenhaft / sein und es bald schon in / wenigen tagen mir geben und sagen was / sie davon halte nur / müsse ich über den eigenen / schatten mich werfen ich gebe / erschöpft was sie gerne besässe auch hoffend / dass ich sie dann bald wieder sähe im / haus gegenüber verlöschen / die lichter wir müssen uns trennen auf / bald flüstert sie und berührt meine wange auf / bald sage ich im / moment meiner drehung bemerke ich wieder es / regnet noch immer //

Worüber schreiben?

Eine melancholische, und folglich meiner natürlichen Art sehr zu wider laufende Gemütsverfassung, welche von dem Verdrusse über die Einsamkeit herrühret, in welche ich mich seit einigen Jahren begeben habe, hat mich zuerst auf den wunderlichen Einfall gebracht, ein Buch zu schreiben. Als ich mich nachgehends völlig entblösset fand, und keine andere Materie wusste: stellete ich mich mir selbst als Gegenstand vor. Mein Buch ist also das einzige von seiner Art in der Welt, und von einem tollen und ausschweifenden Inhalte. Es ist auch an dieser Arbeit nichts Merkwürdiges, als eben dieses wunderliche Wesen.

(Montaigne, Essais II,8, S. 759f.)