taberna kritika

3.1

am wirtstisch tage später // unter dunstverhangenen lampen ziehen / fäden rauch von mir zu dir und dir zu mir als / lagern diese wörter schleierhafter stimmen / gase fastverbrauchter atem als / berührung aus der ferne näher / näher schultern hüften an verholzten hosenböden schultern / planken schlüssig endlich lachend unterm / tisch auch rühren mengen rote / weisse weine ordern trinken wir / und lesen sagen wir wir lesen trinkend / weine der region und lesen hals / bergab und gierig aufeinander gaumen / spaltend lallen lachen wir verstehen / uns sagst du auf einmal sagt / sie wie war das denn eben neulich und / mit meinen handgeschriebenen / manuskripten die / du wie du nun sagst ich immer wieder ich zitiere / immer immer in der tasche / habe manchmal nachts auch neben / bett und schuhen liegen nebenbei auch heute / mit mir trage die / willst du nun sehen jetzt muss / ich sie zeigen wollte ich / kein feigling sein //

mit theorien kämpfen heisst

mit theorien gegen theorien kämpfen heisst

mit theorien sich bestücken und einen

tod bestreiten und ein leben das

millionenmal zu einem wurde durch

ein leicht dahin gesagtes ich

das einzelne mit anderen flüchtig zu

verbinden heisst dann auch zeit

sich räumlich vorzustellen heisst

theoretisch erst am ende

steht ein satz der etwa lautet

ich – ich bin nicht mehr

als eine theorie die weint sich

salz ins wasser das vorüberfliesst

meinem vater, hermann abendschein, *07.04.1938 – †26.06.2006

äussere umstände

die milch wird zehn cent teurer hast

du das denn schon vernommen

im infoblättchen steht es

wird zu aggressionen kommen

der altersdurchschnitt steigt heisst

das am ende etwa leben

an kassen wird gemunkelt es

wird aggressionen geben

sind neue nachbarn bunt mit

seltnen schuhen vor den türen

ist man am stammtisch eins das

wird zu aggressionen führen

und gestern sagt dein chef man

muss auf ebendich verzichten

nicht einen wundert dort dein

plötzlich aggressives reimen/dichten*

für georg raabe und, naja, ganz am ende ein bisschen heinz ehrhardt

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* (edit: 7.7.): nach lob und tadel, nach für und wieder wurde der reimbruch “reimen” an dieser stelle zu “dichten” verändert. es wurde mit dieser aktion äusseren umständen (pietätischen, resp. des zwischenzeitlichen todes robert gernhardts) rechnung getragen. ich danke den diskutanten georg raabe und stefan ruess.

(edit2: 7.7., mittags): äusserer umstände halber wurde die stelle bis auf weiteres gestrichen und geweisselt, bis zur verhandlung endgültiger, maximaler, bester sinnstiftung.

(edit3: 7.7., später, mittags): die finale version des gedichts wird nur noch in bilateralen gesprächen mit SRU erörtert. der bewidmete georg raabe bleibt wegen renitenz leider von diesen verhandlungen ausgeschlossen.